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REISE NACH SÜDAMERIKA

Chile, Argentinien und Brasilien

Südamerika ist nur auf den ersten Blick ein einheitlicher Subkontinent.

Chile (Indio-Sprache Quechua: „Land des Südens“), mehr als doppelt so groß wie Deutschland, aber mit nur 16 Millionen meist weißen Einwohnern mit indianischem Einschlag, erstreckt sich wie eine schlanke Chili-Schote über mehr als 4300 km und drei Klimazonen von Nord nach Süd, eingezwängt zwischen dem Pazifik im Westen und den Anden im Osten, von Erdbeben und Vulkanismus geschüttelt, sieht sich als moderne Republik seit der endgültigen Unabhängigkeit von Spanien im Jahr 1818.

Argentinien (von argentum = Silber), 40 Millionen Einwohner, aber achtmal so groß wie Deutschland, mit Chile im Zwist um Gebiete im Süden, mit Großbritannien wegen der Falkland-Inseln, erringt 1816 mit dem General San Martín seine Unabhängigkeit, stützt seine Wirtschaft auf Rinder, Getreide, Wein, leidet seit 2008 unter Rezession.

Brasilien (Brasilbaum = Farbholz), der Riese im Nordosten, mit 8,5 Mio. km2 fast so groß wie Europa, 200 Millionen weiße und mit den Nachkommen afrikanischer Sklaven vermischte Einwohner sowie Indianer, gesegnet mit Naturschätzen aller Art, hat eine andere Kolonialgeschichte: Das portugiesische Königshaus floh 1807 vor den Truppen Napoleons nach Brasilien und hielt sich dort als Kaiserhaus bis 1889.

23 Teilnehmer der BPV-Pensionistenreise machen sich am 7. November 2011 auf nach Südamerika.

Wir fliegen mit Iberia von München zunächst nach Madrid und von dort in einem 13-stündigen Non-Stop-Flug quer über den Atlantik und den südamerikanischen Kontinent direkt nach Santiago (St. Jakob) de Chile. Wir kommen wegen der Zeitverschiebung (minus 5 Stunden) am Vormittag an und ein Teilnehmer macht wegen des Einfuhrverbots für Früchte gleich unliebsame Bekanntschaft mit den Behörden. Unsere örtliche Führerin Lisell Herena begleitet uns im Bus zum Hotel Neruda. Wir beginnen die Stadtrundfahrt mit dem Essen im berühmten Fischrestaurant El Galeon neben dem Markt. Danach lernen wir die wichtigsten Sehenswürdigkeiten kennen: die Plaza de Armas (Stadtzentrum) mit der Kathedrale, den Präsidentenpalast und Regierungsgebäude und das Künstlerviertel „Los Graneros del Alba“, wo wir einem Edelsteinschleifer bei der Arbeit zusehen.

Am nächsten Tag überqueren wir die Panamericana, machen einen Kaffeestopp bei „Los Hornitos“ (die Öfchen), erreichen nach einstündiger Busfahrt die Hafenstadt Valparaíso (Paradiestal) und werden Zeuge einer Studentendemonstration gegen die Studiengebühren! Eine Zahnradbahn erklimmt einen der vierzig Hügel („21 de Mayo“); wir genießen den Blick auf die Stadt, den Hafen und den Pazifischen Ozean; hinter uns das Marinekommando und -museum. Die Straße entlang der Strände von Las Salinas (die Salinen) und Reñaca führt ins malerische Viña del Mar (Weinberg des Meeres), das im 19. Jahrhundert als Seebad der Reichen und Schönen entstanden ist, und wir werden im „Delicias del Mar“ (Köstlichkeiten des Meeres) mit Aussicht auf das Meer von einer fröhlichen Kellnerin und Kellnern mit allem, was Küche und Keller bieten, in Stimmung versetzt.

Wir verzichten schweren Herzens auf Chiles Süden und wenden uns dem Norden zu, den Chile erst im Salpeterkrieg (Pazifischer Krieg, 1879 – 1883) Bolivien und Peru abgenommen hat. Ein Flugzeug der LAN (Lineas Aéreas Nacionales) bringt uns nach Calama und nach einer einstündigen Fahrt durch die Wüste erreichen wir San Pedro de Atacama, eine Oase auf 2440 m, und unsere Hosteria gleichen Namens. Wir spazieren durch den Ort mit seinen Lehmhäusern (adobe), darunter dem ältesten Chiles (1540), zum Mittagessen im „La Casona“ (Haus).

Der Nachmittag gehört dem Ausflug in eine faszinierende Mondlandschaft: Valle de la Luna. Wir steigen mit unserer Führerin Marylin Marshall in den Cañon (Canyon) des Salzgebirges ein und durchqueren es auf einem Fußpfad. Danach bewundern wir bizarre Felsformationen, die die Natur geschaffen hat, darunter die Statuengruppe „Tres Marias“ (Drei Marien), und besuchen aufgelassene Salzgruben. Am Abend genießen wir das Farbspiel, das der Sonnenuntergang in die Berge zaubert.

Um die 4300 m hoch gelegenen Geysire von El Tatio am nächsten Morgen in voller Aktion zu sehen, muss man früh aufstehen, denn sie sind bei Sonnenaufgang besonders aktiv, da dann das Eis der Umgebung auftaut. Am Ende des Schauspiels ergänzt unsere aufmerksame Führerin das kärgliche Lunchpaket des Hotels mit einem mitgebrachten Frühstück. Danach nützen einige Teilnehmer aufgestaute Thermalquellen zu einem Bad. Vorbei an einer Anlage der Europäischen Südsternwarte bringt uns unser Bus in den Ort Machuca und zur Kirche in Toconao, ehemals ein Stützpunkt der Spanier. Ein riesiger, 3000 km2 großer Salzsee (Salar de Atacama), zum Teil auskristallisiert, mit Vogelkolonien, nimmt uns am Nachmittag gefangen.

Nach einem guten Abendessen und der Übernachtung im Hotel fliegen wir mit der LAN zurück nach Santiago: Die Überquerung der Anden mit dem Bus steht an. Wir fahren in die Berge und schrauben uns im Verein mit anderen Bussen, LKWs, Autos und Motorrädern in 40 Kehren auf die Passhöhe. Leider wechselt das Wetter und der Gipfel des Aconcagua, mit fast 7000 m höchster Berg Amerikas, ist nicht zu sehen. Dafür hält uns die Grenzkontrolle 2 Stunden auf und kostet uns ein Bakschisch. Zwei misstrauische Nachbarstaaten? Bei der Ankunft in Mendoza ist es Nacht.

Am nächsten und übernächsten Tag regnet es: Wir haben die beiden Regentage des Frühjahrs erwischt! Doch das ficht uns nicht an: Die Region um Mendoza ist das Zentrum des argentinischen Weinbaus mit über 2000 Weinkellereien. Nach einer Stadtrundfahrt besuchen wir mit unserem Führer Michael Walz ein kleines privates („CarinaE“) und ein großes modernes Weingut („Zuccardi“), probieren genüsslich die einheimischen Weine, voran den Spitzenrotwein Malbec, und laben uns an einem reichhaltigen Imbiss. Nach dem Besuch des naturhistorischen Museums „Museo del Área Fundacional“ und der Plaza de Armas mit dem Denkmal für den Revolutionsgeneral San Martín und seine Armee nehmen wir das Abendessen in unserem Hotel Huentala ein.

Wir fliegen mit der LAN in die quirlige 12-Millionen-Metropole Buenos Aires (Gute Winde) und besichtigen mit unserer Führerin Silvia Hinckeldeyn bei einer Stadtrundfahrt die Plaza de Mayo (den Mai-Platz) mit dem Präsidentenpalast Casa Rosada (tatsächlich rosafarben), die Kathedrale, das Parlamentsgebäude und den Zentralfriedhof mit dem Grabmal von Evita Perón. Über die breiteste Straße der Welt, die „Avenue 9 de Julio“, vorbei am berühmten Opernhaus Teatro Colón (Kolumbus war nicht hier), geht’s in das Tango- und Künstlerviertel La Boca. Die Dinner-und-Tango-Show im „Carlos Gardel“ am Abend ist ein Augen-, Ohren- und Gaumenschmaus.

Der nächste Tag gehört den Gauchos („guter Reiter“) - ein Stück argentinischer Kultur. Wir besuchen die Estancia Santa Susana, erfrischen uns bei köstlichen Aperitifs, besichtigen die Farmgebäude, von denen eines als Museum eingerichtet ist, und genießen ein typisches Asado-Essen mit gegrillten Fleischsorten, Salaten und einem Dessert. Man kann Kutschfahrten unternehmen oder Reiten, vor allem aber den Reitkünsten der Gauchos zuschauen. Am Nachmittag geht’s zurück nach Buenos Aires.

Wir nehmen uns einen Tag für eine Bootsfahrt durch das Naherholungsgebiet der Hauptstädter: Tigre und das Tigre-Delta mit seinen verschiedenen Flussarmen des Paraná und kleinen Inseln. Betuchte „Porteños“ (Einwohner von Buenos Aires) haben hier ihre Sommerhäuser am Wasser, mit Bootsstegen und Clubhäusern. Nach einem Mittagessen beim Italiener „La Parolaccia“ (Schimpfwort!) bringt uns der Bus zurück zu unserem vorzüglichen Hotel Savoy. Die Stadt aber ist laut und die Untergrundbahn „Subte“ scheppert!

Heute fliegen wir mit der portugiesischen TAM (Transporte Aéreo Minaeiro) nach Iguazú (Guaraní „Große Wasser“), um die längsten Wasserfälle der Erde am Dreiländereck Argentinien-Brasilien-Paraguay zu besuchen: Etwa 275 einzelne Fälle auf 4 km Länge, ein gewaltiges Naturschauspiel! Wir fahren mit einer Schmalspurbahn durch den unter Naturschutz stehenden Urwald und wandern über einen Steg zum Teufelsrachen (Garganta del Diablo). Regenschutz erforderlich! Gegen Abend bringt uns unser versierter Führer Rodrigo Ojeda über eine Grenzbrücke (problemlos!) zu unserem Recanto Park Hotel in Foz do Iguaçu auf brasilianischer Seite. Wer vergisst, die Uhr eine Stunde vorzustellen, kommt zu spät! Der Anblick von den Wanderwegen auf der brasilianischen Seite zeigt die Wasserfälle in ihrer ganzen Länge und Pracht: ein atemberaubendes Erlebnis! Aussichtsplattformen und Stege führen mitten in die Gischt. Vorsicht Kamera! Eine Gruppe Wagemutiger wird im Schlauchboot, angetrieben von 2 mal 200 PS, auf dem Fluss bis an die Fälle herangefahren. Nachmittags besuchen wir des größte Wasserkraftwerk Amerikas: Itaipu (Guaraní „Singender Stein“), von Paraguay und Brasilien am Paraná 1984 bis 1991 gemeinsam erbaut, das 90% des Strombedarfs von Paraguay deckt und Südbrasilien versorgt. Jede der 20 Turbinen leistet bei einer Fallhöhe bis 195 m 700 MW, zusammen also 14 GW, das 200-fache des Walchenseekraftwerks! Bei unserem Besuch läuft gerade mal eine einzige Turbine. Was passiert wohl, wenn alle zwanzig gleichzeitig laufen?

Der Inlandsflug mit TAM bringt uns mitten in die Bucht von Rio de Janeiro („Januarfluss“), die von den Portugiesen am 1. Januar 1500 entdeckt und fälschlich für eine Flussmündung gehalten wurde. Wir beziehen unser Hotel, das Leme Othon Palace, direkt am Strand von Copacabana (5 km lang) und unternehmen einen ausgiebigen Strandbummel am Atlantik.

Der nächste Tag gehört dem Corcovado (sprich Korkovadu) mit seiner weltberühmten Christusstatue. Wir fahren mit unserer Führerin Heidi Immerman und der Zahnradbahn durch den Tijuca-Nationalpark auf den 705 m hohen Berg, bewundern die 30 m hohe Statue (Handspannweite 28 m) auf dem 8 m hohen Sockel mit Kapelle und bewundern die Aussicht auf Rio. Die Rundfahrt am Nachmittag bringt uns in die Strandviertel Ipanema, Leblon und São Conrado mit den Paraglidern, vorbei an inoffiziellen Favelas. Das Abendessen genießen wir in der Churrascaria (Grillrestaurant) „Marius“, auf Seeräuberart.
Am nächsten Tag geht’s in zwei Etappen auf den Zuckerhut (Pão de Açúcar, 395 m): 1. Seilbahn auf den Morro da Urca (Hügel ~), 2. Seilbahn auf den Zuckerhut: Traumhaft schöner Ausblick auf die Cidade Maravilhosa (wunderbare Stadt), die Bucht, die sie überspannende Brücke, die Nachbarstadt Niterói und die Strände am Atlantik. Wieder unten besichtigen wir die moderne Kathedrale St. Sebastian, eingeweiht 1980, die Altstadt, das „Real Cabinete Portuguez de Leitura“, die Franziskaner-Kirche am gleichnamigen Platz und stärken uns im berühmten Jugendstil-Café Colombo. Auf dem Programm steht noch der kaiserliche Palast und das Kloster São Bento (St. Benedikt). Am Abend aber genießen wir im „Plataforma“ das Essen und eine heiße Samba-Show mit einer Vielzahl von Schönen in prächtigen Kostümen.

Der letzte Tag führt uns zu den Edelsteinwerkstätten und –verkaufsräumen der Firma Stern und zu den alten Hafenanlagen, den Sambaschulen und –werkstätten, in denen Cariocas (Einwohner der 6-Millionen-Metropole, bis 1960 Hauptstadt Brasiliens) schon an den Wagen für den Karnevalsumzug arbeiten, und dem Sambadrom. Es wird Sommer in Brasilien und es ist heiß.

Am internationalen Flughafen von Rio steht uns eine lange Wartezeit bevor, die sich durch Frei-Drinks Caipirinha im Duty-Free-Shop leichter ertragen lässt. Beim Zwischenstopp nach 10 Stunden Flug in Madrid fallen wir der Spanischen Inquisition in die Hände, die fast jeden von uns einem Verhör unter- und bis auf die Socken auszieht. Alle aber landen wohlbehalten und glücklich wieder in München (Koffer zuerst abholen!). Neun Flüge und viele Bus- und Bähnchenreisen, etwa 30 000 km liegen hinter uns, unvergessliche Erinnerungen bleiben.

K. H. Martini