MIT DER FASTENZEIT KOMMT DIE ARBEITSLOSIGKEIT

Nur ein Drittel der Referendare am Gymnasium erhält Stelle

Enttäuscht zeigt sich die Referendar- und Jungphilologenvertretung (rjv) im Bayerischen Philologenverband hinsichtlich der staatlichen Einstellungen am Gymnasium zum Frühjahrstermin 2015. „Wenn heute die Zeugnisse an die bayerischen Gymnasiasten vergeben werden, werden auch zwei Drittel der Referendare, die ihre zweijährige Ausbildung abgeschlossen haben, aus der Schule entlassen – und stehen damit sprichwörtlich auf der Straße. Heute Vormittag erhalten sie noch Abschiedsgeschenke von den Schülern, heute Nachmittag fallen sie in das Loch der Perspektivlosigkeit – und das sogar mit Bestnoten“, kommentiert Lisa Fuchs, Vorsitzende der rjv die vorliegenden Einstellungszahlen.

Auch MINT-Lehrer betroffen

Gestern gab das Kultusministerium bekannt, dass von insgesamt 720 Bewerbern um eine Stelle im staatlichen Schuldienst nur 235 ein Einstellungsangebot erhalten haben. Dabei fallen die Zahlen fächerspezifisch wie gewohnt sehr unterschiedlich aus: Mit Englisch und Beifach erhielten nur elf Prozent ein Angebot, beim Fach Kunst herrscht fast Volleinstellung. Dabei fällt aber auf, dass selbst ehemalige sogenannte „Mangelfächer“ wie Mathematik, Biologie oder Latein längst keine Jobgarantie mehr verheißen, noch nicht einmal zwei Drittel aller Mathematiker wurden eingestellt, und das, obwohl landauf landab der Mangel an Lehrern in den sogenannten MINT-Fächern beklagt wird.

Dennoch eigenverantwortlicher Unterricht bis zuletzt

„Besonders frustrierend ist es, wenn man den Absolventen noch auf der Abschlusskonferenz für ihren Einsatz dankt und sie dann Tage später in die Perspektivlosigkeit entlassen werden. Denn trotz der laut Ministerium durchgeführten Rücknahme des eigenverantwortlichen Unterrichts müssen noch immer Referendare den Unterrichtsausfall an den Schulen auch in Nicht-Mangelfächern decken und so den Betrieb an den Gymnasien am Laufen halten, obwohl sie in der Ausbildung sind“, so Fuchs weiter.

Das zeigt sich vor allem beim Unterricht im Zweigschuleinsatz. Obwohl nur elf Unterrichtswochenstunden für die Ausbildung verpflichtend sind, werden fast alle Referendare bis zum Höchstmaß von 17 Stunden als Unterrichtsaushilfe verwendet, weil sie den Staat billiger kommen als vollständig ausgebildete Lehrkräfte. „Dieses Relikt aus Zeiten des Lehrermangels gehört endlich abgeschafft, das ist eine Ohrfeige für alle, die keine Planstelle erhalten haben“, kommentiert Maximilian Schmieding, stellvertretender Vorsitzender der rjv, der selbst im Sommer sein Referendariat abschließen wird, die Situation.

Auch für weitere schulpolitische Maßnahmen müssen mehr Lehrerstellen geschaffen werden. Lisa Fuchs weiter: „Die Politik möchte die Inklusion vorantreiben, das Ganztagesschulangebot ausweiten und die Mittelstufe Plus einführen – das ist ohne neue Stellen nicht möglich, die Kollegen sind jetzt schon an der Belastungsgrenze. Die motivierten und guten Leute wären da, man muss sie nur einstellen. Das Bayerische Gymnasium, das in den Sonntagsreden gerne als Leuchtturm beschrieben wird, fährt an der Belastungsgrenze, jetzt müssen endlich auch Taten folgen.“


Für den Inhalt verantwortlich:
Benedikt Mayer, Pressesprecher der rjv (0162 100 69 50), Lisa Fuchs, Vorsitzende der rjv (rjv@bpv.de)


Zahlen & Fakten Zahlenmaterial und Diagramme zur Situation an Bayerns Gymnasien




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