G8 ODER G9 - WIR SETZEN UNS FÜR EUCH EIN

Junglehrervertreter tagen in Ingolstadt

Im Vordergrund steht die schwierige Einstellungssituation

Ganz im Zeichen der aktuellen Diskussion um die Weiterentwicklung des Gymnasiums tagen fast 100 Referendarinnen und Referendare sowie junge Lehrkräfte bei ihrer Jahreshauptversammlung der Referendar- und Jungphilologenvertretung (rjv) des Bayerischen Philologenverbands (bpv) in Ingolstadt unter dem Motto „G8 oder G9 – Wir setzen uns für Euch ein“. Insbesondere gilt dieser Einsatz dabei dem Umgang mit der schwierigen Einstellungssituation, die die Nachwuchslehrkräfte vor große Probleme und Herausforderungen stellt.

Schwieriger Einstellungssituation entgegentreten

Dabei blickt die rjv auf ein turbulentes Jahr zurück, denn dieses startete mit für Referendare besonders unerfreulichen Einstellungszahlen, denn es bekamen teilweise Absolventinnen und Absolventen mit Bestnoten von 1,1 keine Planstelle beim Freistaat angeboten. „Wir hatten in dieser Zeit viel Kontakt sowohl mit den Medien wie auch mit Referendaren, die teilweise echte Existenz-und Zukunftsängste hatten und nach acht Jahren Studium und Ausbildung vor einem Scherbenhaufen standen“, beschreibt Lisa Fuchs, die seit Jahresbeginn Vorsitzende der rjv ist, den Start in ihre erste Amtszeit. Damit sind zwei wichtige Bausteine der Arbeit der rjv umrissen, die auch in Ingolstadt wieder großen Raum einnehmen: Einstellungen und aktuelle Bildungspolitik. „Wir sind die Zukunft des Gymnasiums, wir werden noch mehr als 30 Jahre im bayerischen Gymnasium unterrichten und deswegen bringen wir uns selbstverständlich in die aktuellen Strukturdiskussionen ein“, erklärt Fuchs. Aber auch Erfolge gilt es in Ingolstadt zu feiern. So wurde – auch auf jahrelanges Betreiben der rjv hin – in Nicht-Mangelfächern der eigenverantwortliche Unterricht im 3. Ausbildungsabschnitt abgeschafft, was 110 neue Planstellen geschaffen hat.

Forderung nach Polyvalenz der Studienabschlüsse

Dabei beobachtet die rjv aber auch zukünftige Entwicklungen in der Lehrerbildung sehr wachsam. Die Staatsregierung plant, die Zulassung zum Referendariat zu beschränken, sodass nicht mehr alle Lehramtsabsolventen an den Unis sofort mit der praktischen Ausbildung starten können. „Diese Pläne funktionieren aber nur mit der Polyvalenz der Abschlüsse“, weiß Fuchs. Heißt: Die Absolventen des 1. Staatsexamens sollten zeitgleich den Master of Arts bzw. Master of Science verliehen bekommen. Ihr Stellvertreter Benedikt Mayer ergänzt: „Sonst stehen bald hunderte gut ausgebildete Akademiker mit dem 1. Staatsexamen, aber ohne echten Berufsabschluss, auf dem Odeonsplatz und das, weil man die Lehrerschwemme eindämmen wollte.“

Workshops und ein Grußwort des Staatssekretärs im Programm

Daneben spielen aber auch die Zukunft des Gymnasiums und die Fortbildung und Information der Junglehrer in Ingolstadt eine zentrale Rolle. So werden sich die Teilnehmer in Workshops unter anderem mit digitalen Unterrichtsmedien, mit Work-Life-Balance, mit Alternativen zum gymnasialen Staatsdienst oder mit steuerlichen Fragen auseinandersetzen. Doch nicht nur Nachwuchslehrkräfte kommen in die Donaustadt. Kurz vor seinem Besuch des CSU-Parteitags hat Kultus-Staatssekretär Georg Eisenreich, MdL, sein Kommen und ein Grußwort angekündigt. Am Freitagabend spricht die Leiterin des Staatsinstituts für Schulqualität und Bildungsforschung (ISB) Dr. Karin E. Oechslein zu den Referendaren, bereits vorher stellen sich Vertreter des Kultusministeriums den Fragen der Anwesenden.

Mehr Stellen zur Bewältigung von Inklusion, Ganztagesschule und Individuelle Förderung

Die Teilnehmer der Versammlung, aus vielen der bayerischen Seminarschulen von Passau bis Aschaffenburg angereist, wählen dann am Samstag aus ihren Reihen eine neue rjv, die sich auch 2015 um die Belange der Referendare und Jungphilologen kümmern soll. Auch Lisa Fuchs aus München wird wieder als Vorsitzende kandidieren und erläutert: „Wir erwarten auch nächstes Jahr eine schlechte Einstellungssituation, dabei brauchen wir mehr Stellen zur Bewältigung der Herausforderungen Inklusion, Ganztagesschule, Individuelle Förderung – hier muss der Freistaat noch Mittel zur Verfügung stellen.“ Die Arbeit der rjv für die circa 4000 Referendare an bayerischen Gymnasien wird also intensiv fortzusetzen sein.


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