DRAMATISCHE EINSTELLUNGSSITUATION AN GYMNASIEN

Trotz Bestnoten bangen Nachwuchslehrkräfte an bayerischen Gymnasien um ihre berufliche Zukunft!

Von mehr als 800 Referendarinnen und Referendaren, die ihre Ausbildung an bayerischen Gymnasien im Februar 2014 abschließen werden, bekommen nur 170 eine Stelle. „Diese niederschmetternde Nachricht führt bei den Betroffenen zu Recht zu Ärger, Wut, Verbitterung und Verzweiflung“, erklärt der Vorsitzende des Bayerischen Philologenverbands (bpv) Max Schmidt. Die Vorsitzende der Referendar- und Jungphilologenvertretung (rjv) im bpv Lisa Fuchs stellt empört fest: „Es kann doch nicht sein, dass selbst Referendarinnen und Referendare mit Spitzennoten (1,0) keine Anstellung erhalten und nach ihrer Ausbildung arbeitslos sind und von Hartz IV leben müssen!“ Während des Referendariats ist man im Beamtenverhältnis auf Widerruf und somit nicht sozialversicherungspflichtig. Von daher haben die Betroffenen anschließend keinen Anspruch auf Leistungen nach dem SGB III, sondern es bleibt ihnen nur, Hartz IV zu beantragen.

Verärgert und enttäuscht ist Schmidt auch von den Haushaltsplänen der Staatsregierung: „Die Aussage, dass zum nächsten Einstellungstermin im Kultushaushalt sogar noch 371 Lehrerplanstellen gestrichen werden sollen, setzt dem Ganzen die Krone auf! Das Bildungssystem in Bayern und besonders das Flaggschiff und Aushängeschild, das Gymnasium, sieht sich aufgrund der Sparpolitik der Regierung mit erheblichen Qualitätseinbußen konfrontiert!“

Schmidt erklärt, diese Entwicklung werde der bpv keinesfalls hinnehmen: „In einem Brief an die Verantwortlichen im Bayerischen Landtag fordern wir deshalb:


Beschränkung der Unterrichtsverpflichtung von Referendarinnen und Referendaren im 2. Ausbildungsabschnitt auf höchstens 14 Wochenstunden!
Abschaffung des als Notmaßnahme in Zeiten von Lehrermangel eingerichteten eigenverantwortlichen Unterrichts im 3. Ausbildungsabschnitt!
Schaffung neuer Stellen wegen neuer Herausforderungen durch Inklusion, Unterrichtsausfall und Ausbau von Ganztagsschulen!
Erweiterung der integrierten Lehrerreserve, die es den Gymnasien vor Ort ermöglicht, in Eigenregie den Stundenausfall gering zu halten!
Verkleinerung der Klassen, vor allem in den Fächern und Kursen, in denen das Abitur schriftlich abgelegt wird! Dies ist eine wichtige Voraussetzung für den späteren Bildungserfolg unserer bayerischen Schülerinnen und Schülern!
Schaffung von mehr Einstellungsmöglichkeiten, auch an den Beruflichen Oberschulen!
Ergänzung des an den Universitäten dringend benötigten zusätzlichen Personals durch Gymnasiallehrerinnen und -lehrer, die durch ihr vertieftes wissenschaftliches Studium bestens qualifiziert sind! Zeitlich befristete Abordnungen von Gymnasiallehrkräften können die Angebote im Grundstudium deutlich verbessern. Die Voraussetzungen und Rahmenbedingungen, die es für Gymnasiallehrerinnen und -lehrer attraktiv machen, für einige Jahre an die Universität zu wechseln, müssen verbessert werden!“

Mit Blick auf die Diskussion um die dramatische Einstellungssituation in den letzten Tagen stellt der Vorsitzende fest: „Ein Verweis auf die Lehrerbedarfsprognose oder auf die einzuhaltende Haushaltsdisziplin greift hier nicht! Der Freistaat Bayern kann es sich nicht leisten, seine bestqualifizierten Nachwuchslehrkräfte abwandern zu lassen. Es ist nicht nur für uns Kolleginnen und Kollegen, sondern auch für alle Wählerinnen und Wähler in Bayern völlig unverständlich, die mit Steuermitteln ausgebildeten Spitzenkräfte heute ziehen zu lassen und schon bald wieder händeringend zu suchen! Die Bildungselite Bayerns darf nicht verloren gehen!“


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