TAGUNG "GYMNASIUM IM LÄNDLICHEN RAUM"

Kinder im ländlichen Raum dürfen nicht zu Bildungsverlierern werden!
Philologenverband fordert von der Politik stärkere Unterstützung von Gymnasien außerhalb von Ballungsräumen!

Mit den Auswirkungen des demographischen Wandels auf die Gymnasien und den niedrigen Übertrittsquoten in eher ländlich strukturierten Regionen setzten sich die rund 130 Teilnehmer aus allen Gebieten Bayerns auf einer Tagung des Bayerischen Philologenverbands und der Bayerischen Direktorenvereinigung in Deggendorf auseinander. Die anwesenden Direktoren und Elternbeiräte artikulierten in Anwesenheit einer Reihe von Kommunalpolitikern, Landräten und Vertretern von Industrie- und Handelskammern sowie Regionalmanagern ihre Sorge um die Sicherung eines flächendeckenden und hochwertigen Gymnasialangebots in der Region.

Der bpv-Vorsitzende Max Schmidt betonte, dass die Gymnasien stolz sein könnten auf ihre Leistungen. "Gerade die Gründung von Gymnasien außerhalb von größeren Städten, etwa im Bayerischen Wald in den 60er- und 70er-Jahren des letzten Jahrhunderts, hat wesentlich zur Umwandlung Bayerns vom Agrarstaat zum modernen Industriestaat beigetragen. Deshalb darf die Regierung in Zeiten des Bevölkerungsrückgangs und einer drohenden Kluft zwischen städtischer und ländlicher Bildungsbeteiligung die Gymnasien im ländlichen Raum nicht im Stich lassen!"

Auf der Tagung erregten insbesondere statistische Daten Aufmerksamkeit, wonach im ländlichen Raum bis zu ein Drittel der gymnasialgeeigneten Kinder nicht am Gymnasium angemeldet werde, während in Ballungsgebieten fast jeder gymnasialempfohlene Schüler auch dorthin gehe.

Tagungsleiter Heinz-Peter Meidinger sagte dazu:" Die Schere bei der Bildungsbeteiligung in Bayern geht auf. Während viele Städte steigende Übertrittsquoten auf das Gymnasium verzeichnen, stagnieren diese häufig auf dem Lande oder gehen sogar zurück, Dies hat natürlich Gründe. Zum einen schreckt der verstärkte Nachmittagsunterricht zusammen mit den langen Schulwegen manche Eltern davon ab, ihre Kinder aufs Gymnasium zu schicken. Zum anderen wird mancherorts in der Öffentlichkeit ein Zerrbild unserer Schulart gezeichnet, das nicht der Realität entspricht. Noch nie war die Versagensquote von Kindern am Gymnasium so gering wie heute!"

Neben der Information über die Auswirkungen des demographischen Wandels, über die Bedeutung von Gymnasien für den ländlichen Raum aus Sicht der Kommunen und regionalen Wirtschaft wurden auf der völlig ausgebuchten und überfüllten Tagung in Deggendorf auch "Best-Practice-Beispiele" einzelner Gymnasien vorgestellt, wie die Attraktivität der eigenen Schulart auf dem Lande verbessert werden kann.

In einer Resolution forderten die Teilnehmer schließlich einstimmig


von der Staatsregierung gesonderte Handlungskonzepte für die Sicherung und den qualitativen Ausbau von Gymnasien im ländlichen Raum
vom Kultusministerium eine bessere personelle Ausstattung und flexiblere Organisationsmodelle für den Erhalt eines hochwertigen Bildungsangebots
von Landkreisen größere Anstrengungen zur Verbesserung der Schülerbeförderung
von den Hochschulen eine Verlagerung von universitären Einrichtungen in Außenstellen in der Region
eine engere Zusammenarbeit der Schularten, um die Übergänge schülerfreundlich zu gestalten.

Aufgrund des großen Zuspruchs zu dieser Tagung werden die Bayerische Direktorenvereinigung und der Bayerische Philologenverband weitere Veranstaltungen in Bayern zu dieser Thematik durchführen.

Resolution


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