QUALITÄT HAT IHREN (HÖHEREN) PREIS!

Eigenverantwortliche Schule:

Schmidt: „Der Gesetzesentwurf ist mir noch nicht zu Ende gedacht.“


Während Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle heute die sich mit dem Gesetzesentwurf der CSU-FDP-Koalition zur eigenverantwortlichen Schule ergebenden Chancen und positiven Möglichkeiten dargestellt hat, macht sich Bayerns Lehrerschaft auch um die verbundenen Folgen Gedanken. Max Schmidt, Vorsitzender des Bayerischen Philologenverbandes (bpv), erklärte dazu in München: „Die eigenverantwortliche Schule darf kein modisches Zeitgeistprojekt werden, das die Bildungseinrichtung Schule auf Teufel komm raus nach dem Vorbild der Wirtschaft umkrempelt! Um das – u. a. mittels einer zusätzlichen Hierarchieebene – angestrebte Ziel, die Qualität der schulischen Arbeit zu verbessern, erreichen zu können, bedarf es zunächst einmal deutlich kräftigerer Investitionen in Personal und nicht zuletzt auch in Räumlichkeiten, als dies in dem von der FDP vorangetriebenen Gesetzesentwurf vorgesehen ist!“

‚Qualifiziertes Handauflegen’ anstelle qualitätsvoller Fortbildungen zur Führungskraft?

So hält der Philologenverband nicht nur die Zeitkontingente, die den neuen Führungskräften zur Erledigung ihrer zusätzlichen Aufgaben zugebilligt werden, für „kopfschüttelnd unzureichend“, er kritisiert auch, dass das Thema Fortbildung für diesen Kollegenkreis überhaupt keine Rolle spielt. Schmidt: „In dem Schulversuch, der die Basis des Gesetzesentwurfes ist, waren qualifizierte und entsprechend teure Fortbildungen für die Lehrkräfte noch die Regel. Von der Notwendigkeit der Fortbildung und professioneller Personalentwicklung findet sich im vorgelegten Gesetzesentwurf aber rein gar nichts. Heißt das, dass zukünftige Führungskräfte allein durch ‚qualifiziertes Handauflegen’ zu Vorgesetzten ‚fortgebildet’ werden?“ Ungeklärt sei auch die Frage der Arbeitsplätze und deren Ausstattung für die – an großen Gymnasien bis zu 10 – neuen Vorgesetzten. „Sollen etwa“, so fragt Schmidt, „im Lehrerzimmer vor aller Ohren Mitarbeitergespräche mit Lob und Tadel geführt, Zielvereinbarungen ausgehandelt und ‚Teamsitzungen’ durchgeführt werden?“

Aus Sicht der Gymnasiallehrerschaft ist es überdies ganz wichtig, dass die fachliche Qualitätssicherung durch die Fachbetreuer unter der Einführung der erweiterten Schulleitung nicht leiden darf. Schmidt warnte, die kompetente Arbeit der Fachbetreuer, die mit ihrer Arbeit einen wesentlichen Beitrag zur Sicherung der hohen Unterrichtsqualität an Bayerns Gymnasien leisteten, dürfe unter dem Aufbau dieser neuen Personalebene nicht leiden. Schmidt forderte, die Zuständigkeiten der Fachbetreuungen und der erweiterten Schulleitung so klar zu definieren, dass Konfliktsituationen zwischen beiden Ebenen von vornherein auszuschließen sind.Insgesamt, so Schmidt, sieht der bpv für Bayerns Gymnasiallehrerschaft noch deutlichen Klärungs- und Verbesserungsbedarf. „Bevor die in dem Gesetzesentwurf angestrebten positiven Effekte einer größeren schulischen Selbstständigkeit tatsächlich wirksam werden können, müssen wir mit der Staatsregierung noch einmal in den Ring gehen“, kündigte Philologenchef Schmidt weitere Gespräche seines Verbandes mit der Staatsregierung an.

Ablehnung der SPD-Forderung, jede Schule solle sich ihren eigenen Lehrplan machen dürfen

Überhaupt kein Verständnis hat Schmidt für die heute bekannt gegebenen Vorstellungen der SPD zur ‚Selbstständigen Schule’: „Die SPD-Forderung, jede Schule solle die Lehrpläne individuell an die ‚Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler vor Ort’ anpassen können, öffnete Ungleichheit und Willkür Tür und Tor und würde zur Atomisierung der Schullandschaft in Bayern führen. Bei unterschiedlichen Lehrplänen wäre selbst innerhalb eines Ortes der Wechsel von einer Schule zur anderen mit einem unkalkulierbaren Risiko verbunden, das durch kostenintensive Nachhilfe reduziert werden müsste. „Einzelschullehrpläne“, so der bpv-Vorsitzende abschließend, „wären genau das Gegenteil der von der SPD so oft beschworenen Chancengleichheit und Bildungsgerechtigkeit.“

Für den Inhalt verantwortlich:
Peter Missy, Bayerischer Philologenverband, E-Mail: bpv@bpv.de


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