Fachgruppe Wirtschaftswissenschaften

Stellungnahme der FG zum LehrplanPLUS



WAS BAYERN MORGEN BRAUCHT

Vorsprung Bayern – Zukunftsrat der Bayerischen Wirtschaft

Am Freitag, 27. November 2015 hatte die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e.V. (vbw) in den Energiepark Hirschaid eingeladen, um die im Sommer veröffentlichte Studie „Bayerns Zukunftstechnologien“ in Oberfranken vorzustellen und die Handlungsempfehlungen des Zukunftsrats, den vbw Präsident Alfred Gaffal gegründet hatte, zu diskutieren. Der Zukunftsrat beabsichtigt insb., dass der bayerische Mittelstand in Zukunft in größerem Umfang von der Forschung unserer Universitäten und Forschungsinstitute profitiere. Dies betonte er in seiner Begrüßung ausdrücklich.
Um auf fundierte Ergebnisse zurückgreifen zu können, hatte die Prognos AG, Basel, im Auftrag des vbw Zukunftsrates eine Studie zu „Bayerns Zukunftstechnologien“ erstellt. Dr. Almut Kirchner, Principal der Prognos AG, stellte die Ergebnisse der Analyse der bisherigen Erfolgsgrundlagen und der für Bayern relevanten Schlüsseltechnologien für die nächsten fünf bis zehn Jahre vor.

Analyse der momentanen Lage

Die deutsche Wirtschaft, die intensiv in den Globalisierungsprozess der letzten Jahre involviert sei, verzeichne relativ hohe Wachstumsraten, die Beschäftigungslage sei gut, wobei Bayern einen Großteil zu dieser Situation beitrage. Für die Bayerische Industrie stelle der Maschinenbau und die Kraftfahrzeugbranche bei der Produktion, beim Export sowie der Forschung und Entwicklung die wichtigste Branche dar; dabei sei die Maschinentechnologie Bayerns Stärke. Dieser Bereich liege über dem bundesdeutschen Durchschnitt. Als weitere Schlüsselbranchen gemessen am Exportaufkommen seien die Chemische Industrie, die Medizin-, Mess- und Steuerungstechnik, aber auch der Bereich der Geräte zur Elektrizitätserzeugung zu nennen.
Branchen, in denen die Aufwendungen für Forschung stark gestiegen seien, verzeichnen eine starke Ausweitung der Produktion, z.B. im Fahrzeugbau oder der Medizintechnik. Daher sei Bayern darauf angewiesen, weitere Anstrengungen für F + E zu tätigen, wolle man in wichtigen Technologiebereichen auch in Zukunft zu den globalen Technologieführern zählen.
Gerade die „Klumpenbildung“, d.h. die starke Stellung und damit Abhängigkeit von Fahrzeug- und Maschinenbau, berge Gefahren; bei einem Abschwung in dieser Branche gebe es gravierende Auswirkungen auf die gesamte Volkswirtschaft.

Blick nach vorn

Bedingt durch den weiteren Globalisierungsprozess werden Wertschöpfungsketten internationalisiert. Der Welthandel wachse dynamisch, wobei der Entwicklung in den Schwellenländern eine besondere Bedeutung zukomme.
Ferner stelle der Klimawandel und die Ressourcenfrage die Industrie vor neue Herausforderungen, z.B., wie sichere man Industrieanlagen vor Extremwetterereignissen oder welche Nutzpflanzen können bisherige Rohstoffe ersetzen. Ebenso müsse die demografische Entwicklung zu anderen Formen der Arbeit führen. Zur Fachkräftesicherung könne neben der Zuwanderung auch die Möglichkeit der digitalen wohnsitzunabhängigen Beschäftigung beitragen.
Schlüsseltechnologien seien für Bayern die Luft- und Raumfahrt, die Energietechnologie, der intelligente Verkehr und die zukünftige Mobilität, industrielle Produktionstechnologien sowie das Gesundheitswesen und die Medizintechnik, die mit neuen Formen der Wertschöpfung und Veränderungen der Organisation, insb. mit Informationstechnologie und Digitalisierung, weiterzuentwickeln seien. Nanotechnologie, Werkstoffe und Materialien, Biotechnologie wirken in diese ebenso ein wie in die Ernährung und die Lebensmitteltechnik.
Insgesamt entstehe ein Beziehungsgeflecht zwischen Bildungsanforderungen (Qualifikation und Qualität), gesellschaftliche Organisation und Veränderungsprozesse, systematische Aspekte und Infrastruktur sowie Wirtschaftsorganisation/Geschäftsmodelle, Elemente, die die Zukunft und den Wertewandel bestimmen.

Handlungsempfehlungen des Zukunftsrates

Um Bayern zukunftssicher zu gestalten, gelte es, folgende Empfehlungen mit Verve zu realisieren:
- Unternehmerische Eigenverantwortung stärken, d.h. technologie- und branchenübergreifende Produktentwicklung sowie Kooperationen fördern, mit Forschungseinrichtungen vernetzen, Technologiebegeisterung in der Gesellschaft wecken, Digitalisierung vorantreiben
- Rahmenbedingungen für Innovationen verbessern, d.h. Bildung für die Gesellschaft 4.0 gewährleisten, ein modernes Arbeitsrecht gestalten, ein tragfähiges, bezahlbares Energiekonzept einsetzen
- Grenzen zwischen Branchen und Technologien überwinden, d.h. Vernetzung von Mittelstandsbetrieben und Forschungseinrichtungen, Studierenden und Unternehmen, Wertschöpfungsketten in neuen Clustern.
hierzu müsse die Digitalisierung als Treiberin begriffen werden, weshalb Lehrinhalte zu IT in Schulen, Hochschulen, dualen Ausbildungen und Weiterbildungen zu intensivieren seien.
- Wachstum in ganz Bayern fördern; Unternehmensgründung müsse in Bayern attraktiv werden, geistiges Eigentum einen höheren Schutz genießen; Sonderförderprogramme für besondere F + E Vorhaben sollten aufgelegt werden.
- Technologieförderung auf dem Prüfstand; ein modulares Evaluationssystem könne helfen, die Arbeitsempfehlungen auf dem neuesten Stand zu halten.

Diskussionsrunde zu den Handlungsempfehlungen

Staatsministerin M. Huml, Präsident A. Gaffal, Prof. Dr. Th. Hamacher, Dr. A. Kirchner, IHK-Präsident H. Trunk und Prof. Dr. M. Zäh diskutieren die Ergebnisse der Studie und der Handlungsempfehlungen unter verschiedenen Blickwinkeln. Der Nutzen von IT für das Gesundheitswesen, die Auswirkungen von Industrie 4.0 auf die Beschäftigungslage, die Anforderungen an die Beschäftigten, das Wertesystem in der Gesellschaft 4.0 waren nur einige Themen. Die Sicherheit bei der fortschreitenden Digitalisierung werde als große Herausforderung gesehen. Außerdem müsse die Flüchtlingsproblematik möglichst rasch gelöst werden, beinhalte sie doch Chancen und Risiken für die Gesellschaft und die Wirtschaft.

Fazit des Zukunftsrats

„Wirtschaftlicher Erfolg hat eine Schlüsselstellung in der gesellschaftlichen Entwicklung Bayerns. Die größten Herausforderungen der Zukunft – Gesundheit und Ernährung, Energie, Mobilität, Verkehr, Infrastruktur, natürliche Ressourcen, Klima und Umwelt, Information und Kommunikation – sind an technologische Kompetenzen und wirtschaftliche Wertschöpfungsketten gebunden, die umso besser zur Wirkung kommen, je stärker die Bevölkerung im Sinne einer aktiven, innovationsfreundlichen Bürgergesellschaft integriert ist.
Wird die Digitalisierung als verbindender Lösungsansatz für die Bewältigung dieser Zukunftsaufgaben begriffen und landesweit verankert, dann wird Bayern auch in Zukunft europäischer Premiumstandort sein.“ (vbw, Was Bayern morgen braucht, München 2015)

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie unter www.vbw-zukunftsrat.de

Ulrike Drescher


"MENSCHEN UND MÄRKTE"



36. Wirtschaftsphilologentag am 1./2. Oktober 2015 in Passau

An der Universität Passau trafen sich ca. 350 Wirtschaftsphilologen zu ihrer traditionellen zweitägigen fachwissenschaftlich orientierten Fortbildungsveranstaltung, die in diesem Jahr unter dem Motto „Menschen und Märkte“ stand. Nach der Begrüßung durch Frau Hilligweg vom Bildungswerk der bayerischen Wirtschaft (bbw), Grußworten von Frau Prof. Dr. Mägdefrau, Uni Passau, Herrn Präbst, Leitendem Ministerialrat, und Frau Hollerbach, Wirtschaftsphilologenverband (wpv), widmete sich Herr Prof. Dr. Nassehi in seinem Eröffnungsvortrag dem Thema „Ökonomisierung“ als Metapher gesellschaftlicher Komplexität.

Eröffnungsvortrag
Grundsätzlich stellte er fest, dass Ökonomisches besser funktionieren würde, wenn Politiker oder unrationale Leute sich nicht einmischen würden. Eine differenzierte Sicht auf den Kapitalismus als Schicksalsmacht ergab, dass das Vergleichswissen der Menschen aus volkswirtschaftlicher und betriebswirtschaftlicher Perspektive zu gering ist. Die Komplexität, ein systemtheoretischer/kybernetischer Begriff, deutete der Referent folgendermaßen: „Ein System ist dann komplex, wenn man es nicht mehr vollständig beschreiben kann, selbst wenn man vollständige Informationen über alle seine Elemente hätte.“ Als Folge lasse sich das ökonomische System mit seinen Interdependenzen, seiner Struktur und seinen Prozessen als komplex bezeichnen. Daneben lasse sich die Komplexität der Gesellschaft dadurch beschreiben, dass alle gesellschaftlichen Themen mehrfach kodiert seien. Neben der Ökonomie stelle die Politik, die Wissenschaft, das Recht, die Medialität Funktionen gesellschaftlichen Lebens dar. Die Ökonomisierung der Gesellschaft zeige sich auch am Bologna-Prozess. Aber diese allein zur Krisendiagnose zu verwenden sei nicht möglich, genauso gebe es eine Politisierung, Juridizierung, Verwissenschaftlichung, Medialisierung, Pädagogisierung, Asthetisierung usw. Eine reine Kapitalismuskritik sei naiv.

In den vier Workshops und insg. fünf Foren – zwei mussten kurzfristig gestrichen werden - wurden am Donnerstagnachmittag bzw. Freitagvormittag die Wechselbeziehungen zwischen Menschen und unterschiedlichen Märkten genauer behandelt.

Workshop 1: TTIP als Teil der gemeinsamen Handelspolitik der EU – Chance oder Risiko?
Michael Gotschlich, Leiter des Referats Grundsatzfragen der Außenwirtschaft und Länderbereich Amerika im Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie beleuchtete das seit 2013 zwischen der Europäischen Union und den Vereinigten Staaten von Amerika verhandelte transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaftsabkommen (TTIP). Obwohl sich beide Seiten erhebliche ökonomische Wachstums- und Beschäftigungseffekte erwarten, wurde Kritik an den Verhandlungen laut. Sorgen um europäische Umwelt- und Verbraucherschutzstandards, rechtliche Fragen – welche begründet und welche nichtbegründet sind, wurden abgewogen. Ebenso zeigte der Referent auf, wie sich die Bayerische Staatsregierung in die Verhandlungen einbringt und dass sie sich bei dem Thema für hohe Umwelt- und Verbraucherstandards sowie Erhalt der Rechtssicherheit einsetzt.

Workshop 2: Sharing Economy – Grundlagen, Herausforderungen, Perspektiven
Sharing Economy meint das systematische Ausleihen von Gegenständen und gegenseitige Bereitstellen von Räumen und Flächen, insbesondere durch Privatpersonen und Interessengruppen. Im Mittelpunkt steht daher der Gemeinschaftskonsum.
Da sich jüngerer Zeit die gerichtlichen Auseinandersetzungen zwischen multinational agierenden Start-up-Unternehmen der Sharing Economy und Lobbyverbände etablierter Branchen wie des Hotel- und Taxigewerbes mehren, entbrannte eine politische Diskussion über einen Regulierungsbedarf. Ferner wurde die wirtschaftliche Relevanz der Sharing Economy in Zeiten einer dynamischen Entwicklung der digitalen Wirtschaft und der Diskussion über nachhaltiges Wirtschaften unter kompetenter Leitung von Prof. Dr. Harald Heinrichs, Prof. für Nachhaltigkeit und Politik an der Leuphana Universität Lüneburg, erörtert.

Workshop 3: Rechtliche Fragen der Eurokrise am Beispiel Griechenlands.
Unter Leitung von Prof. Dr. Christoph Herrmann vom Lehrstuhl für Staats- und Verwaltungsrecht, Europarecht, Europäisches und internationales Wirtschaftsrecht an der Universität Passau, wurde die Eurokrise als Staatsschuldenkrise identifiziert, deren Entstehung durch die Subprime-Krise in den USA ihren Anfang nahm. Die Problematik der Rettungsschirme auf der Grundlage des europäischen Vertragswerks wurde diskutiert und ihre Rechtmäßigkeit begründet. Die rechtlich abgesicherten Möglichkeiten, die die EU und die EZB bei Schwierigkeiten der Mitgliedsländer zur Verfügung stehen, wurden aufgezeigt. Weder ein Austritt noch ein zwangsweiser Ausschluss Griechenlands aus der Eurozone ist rechtlich abgesichert.

Workshop 4: Nachhaltigkeit als Geschäftsidee – Social Entrepreneurship im internationalen Markt
Der Unternehmer Obaid Rahimi, der mit seinem Partner Marc Langener das Unternehmen shoemates GmbH gründete, verfolgt eine besondere Geschäftsidee: Für jedes Paar Schuhe, das bei shoemates gekauft wird, wird ein weiteres Paar an Schulkinder in Afghanistan verteilt. Diese Schuhe werden in Afghanistan hergestellt und über die lokale Menschenrechtsorganisation an bedürftige Familien verschenkt. Idee, Ziel- und Umsetzung standen im Mittelpunkt des Workshops.

Forum 5: Google, Facebook & Co.: Die Marktmacht der neuen Internetriesen – eine Gefahr für die Gesellschaft?
Die genannten Internetriesen, die in immer neue Felder vorstoßen, genießen eine gewisse Marktmacht. Frau Prof. Dr. Birgit Stark, Leiterin des Instituts für Publizistik an der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz untersuchte, inwieweit Google und Facebook ihre marktbeherrschende Stellung tatsächlich missbrauchen. Das Recht auf informationelle Selbstbestimmung und politische Teilhabe, das die gesellschaftliche Diskussion beherrscht, muss unbedingt geschützt werden.

Forum 6: Wie sicher ist der europäische Finanzmarkt?
Silke Wolf, Geschäftsführerin des Bayerischen Bankenverbandes e.V. München zeigte ausgehend vom Zusammenspiel zwischen Real- und Finanzwirtschaft auf, wie die Krisenjahre 2008/2009 dieses nachhaltig gestört hat. Um gravierende Folgen für die Volkswirtschaft in Zukunft zu vermeiden, seien Regulierungen erforderlich, die den Rahmen für ein stabiles, effizientes und transparentes Finanzsystem setzen. Dabei dürfe die Leistungsfähigkeit der Finanzmärkte nicht geschwächt werden, sollen die betriebs- und volkswirtschaftlichen Wachstumspotenziale ausgeschöpft werden.

Forum 9: Menschen und Märkte – Die Rolle der Börse
Die Rolle der öffentlich-rechtlichen Börse und ihr Beitrag zu einem effizienten Kapitalmarkt für Emittenten, Banken und Investoren, beleuchteten Norbert Betz, Leiter der Handelsüberwachung der Börse München, und Dr. Marc Feiler, Justiziar, Leiter der Wertpapierzulassung an der Börse München.
Zur Veranschaulichung wurde der Ablauf eines Börsengangs geschildert. Die Bedeutung der Börse für die Unternehmensfinanzierung, die Börsenpsychologie und die Fehler der Privatanleger im Rahmen des Wertpapierhandels rundeten die Betrachtung ab.

Forum 10: Aktuelle Herausforderungen für die europäische Geldpolitik
Nachdem die Staatsschuldenkrise noch nicht überwunden ist, gab Joachim Prasch von der Hauptverwaltung der Deutschen Bundesbank in München einen Überblick über den aktuellen Stand in der Krise. Der geldpolitische Kurs der EZB mit seinen Möglichkeiten und Grenzen im Niedrigzinsumfeld wurde ausführlich erläutert.

Forum 11: Wo geht die digitale Reise im Bankgeschäft der Zukunft wirklich hin?
Die neuen Entwicklungen im Bankgeschäft der Zukunft, insb. im Zahlungsverkehr, beleuchtete Silke Wolf. Dabei wurde den Fragen nach der Technikaffinität der Deutschen und dem Nutzungsgrad von Online-Banking im Verhältnis zu anderen Ländern nachgegangen. Der Schutz der persönlichen Daten bei den neuen Bezahlverfahren wurde ebenso erläutert wie die Rolle der Bankberater in der Zukunft. Droht tatsächlich eine Abschaffung des Bargelds? Was spricht dafür, was dagegen, waren abschließende Fragestellungen.

Gesprächsrunde: Soziale Markwirtschaft
In der abschließenden Gesprächsrunde diskutierten G. Heller, Finanzkolumnist, E. Huber, MdL, Prof. R. Rodenstock, Unternehmer und Dr. H. Heinrichs, Prof. für Nachhaltigkeit und Politik an der Leuphana Universität Lüneburg, unter Moderation von Frau A. Haidu, SCHULEWIRTSCHAFT Akademie im bbw, über die Soziale Marktwirtschaft in der globalisierten Welt. Durchweg wurde die Soziale Marktwirtschaft als funktionierende Wirtschaftsordnung anerkannt, wenngleich eine Weiterentwicklung im Sinne der Nachhaltigkeitsstrategie anzustreben sei. Einer ausufernden Regulierung der Märkte durch den Staat erteilten die Gesprächsteilnehmer eindeutig eine Absage. Besonders Herr Prof. Rodenstock trat für größtmögliche Freiheit ein. Ferner sollten gerade Unternehmer in der Öffentlichkeit zeigen, dass ihnen ihre Mitarbeiter und die Kunden am Herzen liegen. Mehr Verständnis für wirtschaftliche Zusammenhänge, z.B. durch Bildung, sei notwendig.

WSG-W-Treffen
Den Kolleginnen und Kollegen der WSG-W-Gymnasien bot das Treffung am Freitag um 8.15 Uhr die Gelegenheit unter Leitung von Burkhart Ciolek aktuelle Probleme zu diskutieren und Anregungen insb. für den Wirtschaftsinformatikunterricht zu erhalten.

Dank an die Veranstalter
Ein derart vielfältiges Programm mit derart kompetenten Referenten und Gesprächsteilnehmern war nur in Zusammenarbeit der Veranstalter, SCHULEWIRTSCHAFT Akademie im bbw, Bayerisches Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst und des wpv möglich, wofür sich die Teilnehmer herzlich bedankten. Mit vielen neuen Erkenntnissen, die in den Unterricht einfließen werden, traten die Teilnehmer die Heimfahrt an.

Ausführliche Berichte zu den Workshops, Foren, dem Vortrag und der Gesprächsrunde finden Sie auf der Homepage des bbw. Dort werden auch die Materialien, die die Referenten zur Verfügung stellen, zum Download eingestellt.

Ulrike Drescher


Foto-Galerie

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BEZIRKSFACHGRUPPENLEITER WR TAGTEN IN STEGAURACH

Die Tagungsteilnehmer


Am 14.2. und 15.2.2014 trafen sich die Mitglieder der Landesfachgruppe WR zu ihrer Klausurtagung in Stegaurach bei Bamberg.

Sehr erfreulich ist die Tatsache, dass bis auf die Oberpfalz alle Bezirke über einen Bezirksfachgruppenleiter, der gerne als Ansprechpartner in fachlichen Fragen fungiert, verfügen. Für Schwaben nimmt Matthias Schilling kommissarisch diese Funktion wahr.

Eine Übersicht über die Bezirksfachgruppenleiter mit Schulanschrift und ggf. E-Mail-Adresse ist auf der Homepage des bpv unter der Fachgruppe WR zu finden.


Logo - nachgestellt mit Magneten


Nach den Informationen aus den Tagungen des Bildungsbeirates widmet sich die Fachgruppe der Situation des Faches. Während der zweistündige Unterricht in den Jahrgangsstufen 9 und 10 positiv beurteilt wird, stellt sich die Situation in der Oberstufe differenziert da. Grundsätzlich ist das Fach nach wie vor beliebt, jedoch als schriftliches Abiturprüfungsfach und Kolloquiumsprüfungsfach hat es leider an Attraktivität eingebüßt. Bei den schriftlichen Abituraufgaben werden die zunehmende Materialfülle und die ungünstige Anordnung der Materialien als unnötige Erschwernis für die Prüflinge gesehen. Das durchaus angemessene Anspruchsniveau wird begrüßt – an ihm muss festgehalten werden. Seit mehreren Jahren zählen kompetenzorientierte Aufgaben zum Standard in WR, so dass dem neuen Lehrplan entspannt entgegengesehen werden kann.

Die derzeit spannende Diskussion um die gymnasiale Schulzeit nehmen die Teilnehmer auf. WR, das bei der Verkürzung auf G8 in der Oberstufe an Stunden verloren hat, darf keine Kürzung der Unterrichtsstunden erfahren. Im Gegenteil wäre eine Ausweitung im Sinne eines vertieften Faches in der Oberstufe – viele Kollegen wünschen sich ein Leistungskurssystem zurück, selbst wenn dies Vision bleibt – oder einer Berücksichtigung von WR in einer neuen Jahrgangsstufe anzustreben. Über eine fundierte ökonomische Bildung sollte jeder Abiturient verfügen.


konzentrierte Teilnehmer


Die Zusammenarbeit mit dem Wirtschaftsphilologenverband bietet viele Synergien. Der jährliche Wirtschaftsphilologentag stellt hierbei eine fest institutionalisierte Fortbildungsveranstaltung mit externen Partnern dar. Eintägige oder halbtägige Fortbildungsveranstaltungen auf regionaler Ebene werden in Zusammenarbeit mit den jeweiligen MB-Dienststellen angestrebt; ein mögliches Themenfeld wäre in diesem Jahr das Strafrecht. Termine hierzu sollen jeweils auf der Verbandshomepage hinterlegt werden.

Bei der Lehrerbildung ist am bisherigen Konzept festzuhalten. Über die Einführung der erweiterten Schulleitung tauscht sich die Fachgruppe ebenso aus, wie über die politische Forderung der Erhöhung der Präsenzzeiten der Lehrkräfte, gleichwohl diese inzwischen grundsätzlich mehrere Nachmittage mit Unterrichtsverpflichtung in der Schule anzutreffen sind.


Die Referentin Ute Heim


Das einzigartige Konzept des Unternehmergymnasiums Bayern in Pfarrkirchen stellt Ute Heim, die Mitinitiatorin des Projekts, vor. Über Wahl- und Pluskurse werden Schüler der 8. und 9. Jahrgangsstufe auf die Teilnahme am Projekt vorbereitet. In der 10. Jahrgangsstufe können sie begleitet durch Paten, Fachvorträge, Module zu unternehmerischem Handeln und Praktika die reale Seite der Unternehmen kennenlernen, was ihnen am Schuljahresende in einem Zertifikat bestätigt wird. Auf schulischer Seite erfahren sie Unterstützung insb. durch Intensivierungen, wenn sie Stoff versäumt haben. An Beispielen von Schüler- und Juniorfirmen wird die Vielfalt der Ideen und Umsetzungsmöglichkeiten erläutert. Darüber hinaus haben sich Projekte mit Partnern aus der Wirtschaft, wie z.B. P-Seminare als Auftragsprojekte externer Partner, Schatzinseln, oder Projekte mit Schulpartnern wie die UDH Angebote (Unternehmerisches Denken und Handeln), Workshops für P- oder W-Seminar anderer Schulen ergeben. Gerade die Workshops zu UDH, zu denen Frau Heim einige Stunden in die Gymnasien kommt, erfreuen sich bei Schülern großer Beliebtheit, steht am Ende doch immer ein Businessplan zu ihrer eigenen Idee.

Nach einem intensiven konstruktiven Gedankenaustausch endete die Klausurtagung zielorientiert sowie harmonisch, wobei alle Teilnehmer an einer Neuauflage im nächsten Jahr ihr Interesse bekundeten.

Ulrike Drescher


ALLES WAS RECHT IST!




Freiheit und Sicherheit im Kontext wirtschaftlichen Handelns

Unter diesem Motto stand der 34. Wirtschaftsphilologentag vom 19. – 20. September 2013, zu dem der Wirtschaftsphilologenverband (wpv) in Zusammenarbeit mit dem Bildungswerk der Bayrischen Wirtschaft (bbw) in die Universität Passau eingeladen hatte. Die Fortbildungsveranstaltung, an der mehr als 260 Wirtschaftsphilologen teilnahmen und der der bpv-Vorsitzende Max Schmidt am 19.9.2013 interessiert beiwohnte, bot vielfältige Anknüpfungspunkte für den Unterricht in Wirtschaft und Recht.


Frau Kirsch



Freiheit, Recht und Sicherheit im Konflikt – Ordnungspolitik als Kompass

Nach den Grußworten von E. Kirsch, bbw, Prof. Dr. R. Obermaier, Vizepräsident für Forschung und Transfer an der Universität Passau, B. Hollerbach, Vorsitzende des wpv, ging Dr. Michael von Prollius in seinem stringent gegliederten Vortrag auf dieses Thema ein.


Prof. Dr. R. Obermaier Vizepräsident für Forschung und Transfer an der Universität Passau



Grundsätzlich stelle sich die Frage, wer für Konfliktlösungen zuständig sei, der Einzelne selbst oder der Staat, denn daraus erwachse die notwendige Ordnungspolitik.
Es gäbe keine Selbstverantwortung ohne Freiheit. Diese könne positive Freiheit, wie die Selbstbestimmung mit ihren Wahlmöglichkeiten und Chancen sowie die negative Freiheit mit Abwehrrechten sein. Der Referent plädiert jedoch für eine Synthese, die Freiheit liege in einem selbst, in der Freiheit das Beste aus seinen Talenten zu machen. Die Rolle des Rechts sei die Freiheit aufrecht zu erhalten. Dazu benötigt man Gleichheit vor dem Gesetz, Gewaltenteilung, allgemeine Gesetze und Gerechtigkeit, die auf das Handeln bezogen sei, nicht auf einen Zustand, weshalb der Begriff Soziale Gerechtigkeit schwer mit Rechtsgrundsätzen vereinbar sei.
Recht und Gesetz sind nicht identisch, aber beide passen sich an das jeweilige Menschenbild an, z.B. vom Ideal des mündigen Bürgers, wie es Jahrzehnte angestrebt wurde, zum schützenswerten Verbraucher heute. Es stelle sich auch die Frage, ob mit der Eurokrise alles rechtens sei. Der Vertrag von Maastricht, der Art. 125 (Nichtbeistandsklausel) des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union (AEU), der Art. 123 (keine Staatsfinanzierung) des AEU sei gebrochen worden, weshalb hier das Recht seinen Zweck verfehlt habe und erhebliche Rechtsunsicherheit entstanden sei, da Bürger für die Taten anderer haften müssen. Sobald jedoch Verluste durch Recht ausgeschlossen seien, kann Marktwirtschaft nicht mehr funktionieren.
Sicherheit bedeute gefahrenfrei handeln zu können. In der Eurokrise war die Sicherheit gegeben, dass durch niedrige Zinsen, die künstlich erzeugt wurden, die Kreditfinanzierung billig sei. Ein Zwang zur Änderung im Verhalten sei demnach nicht gegeben.
Die Ordnungspolitik, die die Rahmenbedingungen für Gesellschaft und Wirtschaft setzt, sollte langfristig und allgemeingültig angelegt sein. Das marktwirtschaftliche System löse das Koordinationsproblem über die drei p: property, price, profit/loss; die Funktionsfähigkeit werde durch die drei i erhalten: incentives, information, innovation. Damit stehe Eigentum nicht Einkommen im Mittelpunkt, sei wertbeständiges Geld alternativlos und der Preis sage uns, was wir zu tun haben. Impulse zu Ordnungsalternativen seien die Rechtssetzung als Entdeckungsverfahren, das Zweikammernsystem mit strikter Trennung von Rechtssetzung und Exekutive sowie kein Zentralismus.
Als Fazit zog der Referent, dass Recht Freiheit bedeute, das den Menschen als Maß und Mitte betrachte. Der Grundfehler Staatsgläubiger beruhe auf der Überschätzung der Probleme einer freien Gesellschaft und der Problemlösungskompetenz des Staates sowie auf einer Unterschätzung der Problemlösungskompetenz der freien Menschen und der schädlichen staatlichen Eingriffe in diese Freiheit. Erst wenn Freiheit zur ordnungspolitischen Richtschnur werde, diene das Recht der Erhaltung und Ausdehnung der Freiheit und es entstehe Sicherheit.


Zwei der Moderatoren Manuel Friedrich und Burkhart



Foren und Workshops

Am Donnerstagnachmittag und am Freitagvormittag hatten die Teilnehmer die Möglichkeiten jeweils an einem dreistündigen Forum oder Workshop teilzunehmen. Sieben verschiedene Themen waren angeboten.

Workshop 1:
Arbeitsrecht in Deutschland:
Bewerbung, Arbeitsvertrag, Zeugnis und Kündigung

Frank Eger ließ anhand einiger Praxisfälle arbeitsrechtliche Fragestellungen erarbeiten, die mit den Ergebnissen aus den richterlichen Entscheidungen verglichen wurden. Thematisiert wurden Auswahlverfahren, Vorstellungsgespräche, Fragen zur Mitbestimmung im Unternehmen, Kündigungen, Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall, Haftung von Beschäftigten für verursachte Schäden im Rahmen ihrer Arbeit. Obwohl sich dieser Workshop vorrangig an Lehrkräfte richtete, die den BuS-Teil im P-Seminar unterrichten und die Erkenntnisse direkt in ihren Unterricht einfließen lassen können, erhielten alle Teilnehmer Anregungen für Seminararbeitsthemen im W-Seminar bzw. für den Unterricht in der 10. Jahrgangsstufe zum Kapitel der sozialen Marktwirtschaft.

Forum 2:
Social Media in Unternehmen und Schule.
Zum konstruktiven Umgang mit Facebook & Co.

Schülerinnen und Schülern tauschen sich über die Kommunikationsmedien Facebook, Twitter & Co. aus. Daher muss die Schule auf diese Lebenswirklichkeit reagieren. Lehrkräfte sollten über die Funktions- und Wirkungsweise sozialer Netzwerke durch Dr. Thorsten Burger einen Einblick bekommen.
Social Media unterscheiden sich von traditionellen Massenmedien dadurch, dass sie sich ausschließlich auf digital-basierte Kommunikationskanäle und Anwendungen stützen; sie weisen relativ geringe Eintrittsbarrieren auf, wie z. B. geringe Kosten, unkomplizierte Produktionsprozesse und einfache Zugänglichkeit der Werkzeuge für die Veröffentlichung und Verbreitung von Inhalten jeder Art, die sowohl für Unternehmen als auch für Privatpersonen einsetzbar sind. Die Chancen und Risiken, die für Jugendliche aus der Nutzung dieser Plattformen erwachsen, wurden ebenso erläutert, wie die Frage, wie Unternehmen soziale Medien gezielt in ihrem Marketing einsetzen.
Ob soziale Medien direkt in den Unterricht integriert werden können und sollen, insb. bei der Berufsorientierung, wurde kontrovers diskutiert.

Forum 3:
„Die im Dunkeln sieht man nicht!“
Korruption und Korruptionsvermeidung

Als Vertreter von Transparency International, Deutschland e.V. referierten in diesem Forum Florian Kraus, Christoph Kowalewski und Ute Müller. Sie spannten einen Bogen ausgehend vom allgemeinen Begriff der Korruption, ihren Erscheinungsformen, Risiken und Möglichkeiten der Prävention, über die Korruptionsprävention im Unternehmen zu Alltagsbeispielen aus der Unternehmenspraxis.
Da Korruption eine strafbare Handlung darstellt, kann diese im Strafrechtsteil der 11. Jahrgangsstufe evtl. beim öffentlichen Recht in der 10. Jahrgangsstufe thematisiert werden. Nach übereinstimmender Meinung der Forumsteilnehmer können die Erkenntnisse vor allem in einem W- Seminar zu Wirtschaftsethik oder Korruption weltweit oder NGOs einfließen. Ebenso wäre ein fächerübergreifendes Projekt in der 10. Jahrgangsstufe zu Korruption und Korruptionsbekämpfung denkbar. Als Ansprechpartner bieten sich die Experten von TI an.

Workshop 4:
Mediation als Methode der Konfliktlösung in der Wirtschaft

Außergerichtliche Streitbeilegung gewinnt als Alternative zum Gerichtsverfahren in der Wirtschaft stark an Bedeutung. Volker Schlehe führte die Teilnehmer in die Grundlagen der Wirtschaftsmediation ein. Insbesondere Einsatzfelder der Wirtschaftsmediation und Konfliktmanagementsysteme in Unternehmen wurden erklärt. Die Anwendung auf einen Praxisfall bot den Teilnehmern viele Diskussionsmöglichkeiten.
Im Unterricht kann dieses Thema vor allem in der 11. Jahrgangsstufe angesprochen werden, vor allem aber kann es in einem W-Seminar oder Projektunterricht Eingang finden.

Forum 5:
Unternehmensfinanzierung mit Crowd-Investing und dessen Regeln

Knut Haake führte aus, wie die aktuelle Situation der Geldmittelbeschaffung für Unternehmen nach der Bankenkrise aussieht und was Basel 3 für Unternehmen bedeutet. Er ging ferner darauf ein, ob es einen Unterschied zwischen der Apples Suche nach 10 Mrd. Dollar oder der Suche nach einigen Tausend Euro eines Jungunternehmers gebe. Finanzierungsfragen im Unternehmen, aber auch Regelungen der Bankenaufsicht wurden angesprochen.
Das Hintergrundwissen in dem komplexen Bereich kann bei Seminaren in der Oberstufe Anknüpfungspunkte bieten.

Workshop 6:
Von Strafzwecken und Strafen.
Die Grenzen eines freiheitlichen Strafrechts.

An zwei Praxisfällen, u.a. dem Fall Mollath, zeigte Prof. Dr. P. Wittig auf, wie das Strafrecht in die Rechte des Einzelnen eingreift, aber auch das friedliche Zusammenleben der Bürger zu sichern sucht. Die Urteile der obersten Gerichte wurden hierzu herangezogen.
Das Augenmerk lag auf den Strafzwecken im Jugendstrafrecht und Jugendstrafvollzug. Außerdem wurde der Unterschied zwischen Strafe, die dem Schuldausgleich dient, und Maßregeln, die der Vorbeugung von Straftaten dient, erarbeitet.
Die direkte Anwendbarkeit der Ergebnisse dieses Workshops im Bereich Strafrecht in der 11. Jahrgangsstufe bescherten ihm die meisten Teilnehmer.

Forum 7:
Auswirkung von EU-Recht auf nationales Recht und Verbraucher

Der Referent Prof. Dr. M. Helfrich arbeitete anhand ausgewählter Entscheidungen sowohl des Europäischen Gerichtshofes als auch des BVG das Verhältnis zwischen EU und dem Mitgliedsstaat heraus. Dabei diente eine knappe Analyse historischer und politischer Hintergründe typischer Strukturen des Europarechts dem Zugang als auch dem Verständnis europarechtlicher Besonderheiten. Ebenso setzten sich die Teilnehmer mit Fragen zu aktuellen Entwicklungen in Europa und dem Europarecht auseinander.


Tobias Tyll beim Vortrag zum Lehrplan Plus



LehrplanPLUS und Kompetenzorientierung
Auswirkung auf Wirtschaft und Recht

Diesem Thema widmete sich Tobias Tyll, ISB-Referent für WR, in seinem Vortrag am Freitagnachmittag.
Dass der Begriff Kompetenzorientierung derzeit inflationär benützt werde, zwingt zu einer einheitlichen Definition:
Kompetent ist eine Person, wenn sie bereit ist,
- neue Aufgaben- oder Problemstellungen zu lösen, und
- dies auch kann.
Hierbei muss sie Wissen bzw. Fähigkeiten
- erfolgreich abrufen
- vor dem Hintergrund von Wertehaltungen reflektiert sowie verantwortlich einsetzen.
Damit hat Kompetenz stets eine situationsbezogene und eine inhaltsbezogene Komponente.
Ein kompetenzorientierter Unterricht erfordert somit Lernarrangements, die es ermöglichen, dass der Schüler Kompetenzen entwickelt. Dies erfordert entsprechende Zeit.
Der LehrplanPLUS wird zum Lehrplaninformationssystem, bei dem vieles gleich bleiben wird. Die Fachprofile werden als Kompetenzstrukturmodell grundlegende Kompetenzen, die in den laufenden Jahren erworben werden sollen, beinhalten. Die Fachlehrpläne enthalten dann ebenfalls die Kompetenzen, die der Schüler erwerben soll, und die Inhalte, anhand deren die Kompetenz erworben werden soll.
Bei der Unterrichtsplanung sollte daher das Ziel, das beim Schüler erreicht werden soll, am Anfang stehen und erst dann der Lehrplaninhalt. Damit ist kompetenzorientierter Unterricht outcome-orientiert, nicht input-orientiert. Anhand der Rechte des Verbrauchers bei Pflichtverletzungen verdeutlicht der Referent diese Vorgehensweise.
Der Zeitplan sieht vor, dass die Lehrplankommissionen noch bis 2014/15 die neuen Lehrpläne erarbeiten, 2015/16 die Anhörungsphase läuft und ab 2016/17 mit Jahrgangsstufe 5 evtl. auch 6 die Einführung beginnt.


Frau Hollerbach, wpv-Vorsitzende


Schlussworte

Frau Hollerbach dankte den beim bbw mit der Organisation betrauten Mitarbeiterinnen und den Teilnehmern für die Tagungsdisziplin. Sie freue sich auf Passau 2014 und den 35. Wirtschaftsphilologentag.


Ulrike Drescher


Prof. Dr. Prollius beim Vortrag


Frau Wombacher für die WSG-Ws







 

UMDENKEN IN UNSICHEREN ZEITEN


Wirtschaftliche Entscheidungsmodelle in der Krise

Zum 33. Wirtschaftsphilologentag trafen sich über 300 Teilnehmer, darunter der bpv-Vorsitzende Max Schmidt, am 27. und 28. September 2012 in der Universität Passau. Die Fortbildung für Philologen mit der Fakultas Wirtschaft und Recht fiel zeitlich in die Aktionstage „Nachhaltigkeit lernen - Bildung für nachhaltige Entwicklung“ der UNESCO, wozu die Tagungsinhalte einen passenden Beitrag lieferten. Auch Ltd. MR Adolf Präbst würdigte in seinem Grußwort, dass sich unter dem Thema des Wirtschaftsphilologentages vielfältige Aspekte wirtschaftlichen Handelns subsumieren ließen. Daneben begrüßten Michael Mötter vom Bildungswerk der Bayerischen Wirtschaft, Prof. Dr. Guido Pollak von der Universität Passau und Birgit Hollerbach, Vorsitzende des Wirtschaftsphilologenverbandes, die Teilnehmer.


Im ersten Vortrag ging Prof. Dr. Andreas Oehler, Lehrstuhl für Finanzwirtschaft an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg, auf „Verbraucher & Wirtschaft: Modellwelten oder Realität? Leid(t)bilder, Mythen und Lösungen“ ein. Er stellte das Verbraucherverhalten in Modellwelten, wie der Neoklassik, der Institutionentheorie, dem Behaviorismus und Neuro-Ökonomie vor. Anschließend widmete er sich dem realen Verhalten, das derzeit durch Überinformation und Unsicherheiten geprägt ist, was Entscheidungen erschwere. Überlegte Verbraucherbildung wird daher immer bedeutsamer. Lösungsansätze bieten einfache, klar strukturierte Informationen und Beratungen, z.B. Produktinformationen zu Finanzanlagen sowie die Akzeptanz von Asymmetrien. In der Diskussion wurde deutlich, dass in der Bildung die Behandlung realen Verbraucherverhaltens die Kenntnis ökonomischer Modelle – mit Vorteilen und Schwächen – voraussetzt.


Aus acht Foren bzw. Workshops mit kompetenten Referenten aus Hochschule und Wirtschaft konnten die Teilnehmer am Donnerstag Nachmittag und Freitag Vormittag je einen für den Besuch auswählen. Der Workshop „Vom Risiko zum Rating: Harte Arbeit oder Zufall? Grundlagen und Orientierung“, der von Prof. Oehler gestaltet wurde, gliederte sich in zwei Blöcke. Zuerst wurden die Grundlagen für ein Rating geklärt und dann anhand einer Fallstudie ein Rating eines Mittelstandsunternehmens in vier Gruppen erarbeitet. Die Präsentation der Ergebnisse geschah sehr fundiert und präzise. „Experimentelle Ökonomie, Verhaltsökonomie und angewandte Spieltheorie“ lautete das Motto des Workshops, in dem Dr. Daniela Glätzle-Rützler die Teilnehmer selbst zur aktiven Teilnahme an einem Experiment zum Thema „Entwicklung des ökonomischen Entscheidungsverhaltens von Kindern und Jugendlichen“ einlud. Prof. Dr. Gerald Mann, Hochschule für Oekonomie und Management München, konfrontierte seine Forumsteilnehmer mit provokanten Thesen zur „Geldpolitik im Spannungsfeld von Staats- und Bankpleiten sowie Preisniveaustabilität“. Z.B. könne angesichts der öffentlichen und privaten Schuldenberge, siehe die Immobilienblase in Spanien, eine Staats- und Bankenpleite drohen, was zu einem Zerfall der Eurozone beitrüge. Entscheidungen zur Unternehmenspolitik unter dem Einfluss von Globalisierung, Facebook & Co., Frauen in der Führung von Unternehmen, insb. Familienunternehmen, Engagement in Ausbildung und Studium und Nachhaltigkeit brachte Stephanie Spinner-König, Geschäftsführerin der Spinner GmbH für Hochfrequenztechnik, den Teilnehmern anhand von Beispielen aus ihrem Betrieb nahe. Mittelständischen Unternehmen der Energiewirtschaft, die vor zunehmend komplexeren Aufgaben stehen, widmete sich Markus Eder im Forum „Investitionsentscheidungen eines KMU im Spannungsfeld der Energiewende, der Finanzkrise und des Fachkräftemangels“. Angesichts der temporeichen Veränderung seien neue Anforderungen an die Führungskräfte gestellt; aufgrund des facettenreichen Veränderungsprozesses müssen die Mitarbeiter neue Ideen entwickeln, um eine nachhaltig erfolgreiche Unternehmensentwicklung zu erzielen. Praxisfälle zu „Haftungsfragen bei Bankgeschäften“ bildeten die Grundlage dieses Workshops. Unter der Anleitung zweier Rechtsanwälte und eines Sparkassenbetriebswirts erarbeiteten die Teilnehmer Lösungen zu Haftungsfragen aus den Teilgebieten Zahlungsverkehr, Geldanlage, Kreditgeschäft und AGBs. Da Untersuchungen aus der Lernwissenschaft zeigen, dass der Mensch, wenn es darum geht, das Zusammenspiel von mehr als vier Faktoren zu begreifen, an seine mentalen Grenzen stößt, stellten Christine Baumgartner und Marc Rosenbauer anhand des „Consideo Modeler“ Techniken und Werkzeuge vor, die komplexe Zusammenhänge transparent und kommunizierbar machen. Auf welche Weise mit der Software erfolgreich geplant, entschieden und gehandelt werden kann, übten die Teilnehmer des Workshops. Die Informations- und Kommunikationstechnologien liefern heute einen wichtigen Beitrag zum Wohlstand einer Volkswirtschaft. Gleichzeit verbrauchen die Geräte einen höheren Anteil an der Gesamtenergie. Im Forum „SuperMUC – Europas schnellster Rechner, Energieeffizienz- und Wirtschaftlichkeitsüberlegungen“ stellte Prof. Dr. Dieter Kranzlmüller vom Leibniz-Rechenzentrum der Bayerischen Akademie der Wissenschaften in München den Supercomputer, der als einzelnes Gerät mit seinen mehr als 155 000 Rechenkernen als derzeit schnellster Computer Europas gilt, aber auch einen entsprechend hohen Strom- und Kühlbedarf aufweist, vor und ging auf dessen Forschungsmöglichkeiten ein. Bei allen Foren und Workshops stand abschließend die Umsetzung der Themen bzw. der Ergebnisse im Unterricht auf dem Programm.


Franz Josef Benedikt, Vertreter des Präsidenten der Hauptverwaltung in Bayern der Deutschen Bundesbank, brillierte mit seinem Vortrag zum Thema „Finanzmarkt- und Staatsschuldenkrise – Perspektiven und Herausforderungen“. Dass die Mehrheit der Deutschen nach Umfrageergebnissen den Nutzen des Euro anzweifeln, war für ihn Ausgangspunkt seiner Ausführungen, denen ein Abriss der Entwicklung der Finanzmarkt- und Schuldenkrise von der US-Subprimekrise bis hin zur Staatsschuldenkrise in Europa folgte. Die Strategie der Notenbanken zur Krisenbekämpfung mit niedrigen Leitzinsen und Bereitstellung von Liquidität ähneln sich. Dass das Eurosystem jedoch Staatsanleihen ankauft, deren Bestand heute über 200 Mrd. € beträgt, sieht die Bundesbank überaus kritisch, weil damit eine verbotene Staatsfinanzierung erfolgt, die Geldwertstabilität gefährdet, der Anpassungsdruck für Krisenländer gelindert und die Risiken auf Steuerzahler umverteilt werden ohne Legitimation durch die Parlamente. Betrachtet man die Entwicklung der Geldmenge M3, so liegt diese unterhalb des Referenzwertes, weist jedoch steigende Tendenz auf. Dennoch liegt die Inflationsprognose für die Europäische Währungsunion bei knapp 2 % für 2013. Betrachtet man die Zinsdifferenzen am EWU-Kapitalmarkt, so werden diese geringer. Vergleicht man die Entwicklung der Budgetsalden und die Gesamtverschuldung wichtiger Industrieländer in den letzten Jahren, so bleiben die Krisenstaaten Europas noch hinter der Entwicklung in Japan bzw. der USA zurück. An der Entwicklung der Lohnstückkosten lässt sich die Wettbewerbsfähigkeit in der EWU ablesen, diese liegt bei den Indexwerten um gut 30 Punkte auseinander. Während Deutschland mit niedrigen Lohnstückkosten in den letzten zwölf Jahren einen Leistungsbilanzüberschuss erwirtschaftet hat, müssen Italien, Spanien, Griechenland und Portugal mit einem Defizit in der Leistungsbilanz, das zwar geringer wird, leben. Notwendige Preissenkungen bzw. reale Abwertungen von 20 bis 35 % wären in diesen Ländern nötig, um die Wettbewerbsfähigkeit wieder herzustellen. Die letzten EU-Gipfel haben als Instrumente zur Überwindung der Krise den Fiskalpakt zur Stabilisierung der öffentlichen Finanzen im Euroraum, den permanenten Rettungsschirm ESM und die Bankenunion beschlossen. Alle drei Instrumente bergen Problematiken. Daher kann nach Ausführung des Referenten die Nachhaltigkeit der Europäischen Währungsunion nur mittels zweier alternativer Wege erreicht werden: Rückbesinnung auf den geltenden Ordnungsrahmen (Vertrag von Maastricht) mit Härtung an den entscheidenden Schwachstellen oder Sprung in die Fiskalunion mit teilweiser Übertragung fiskalpolitischer Kompetenzen auf die europäische Ebene.


Zu allen Vorträgen, Foren und Workshops finden Interessierte ausführlich Informationen auf der Homepage des Bildungswerks der Bayerischen Wirtschaft bzw. der des Wirtschaftsphilologenverbandes.

Ulrike Drescher









Zur aktuellen Situation des Faches Wirtschaft und Recht im G8

1. Mittelstufe
Von Veränderungen der Stundentafeln blieben wir komplett verschont. Auch die Lehrpläne wurden, bis auf sehr kleine Veränderungen, nicht modifiziert.

2. Oberstufe
Hier wurden, sehr zu unserem Bedauern, größere Veränderungen vorgenommen. Im Rahmen der allgemeinen gymnasialen Stoffverringerungen wurde zunächst der Lehrplanbereich Betriebswirtschaft komplett gestrichen. Letztlich wurde aber dann doch noch ein kleiner Anteil dieses Teilbereichs in den Lehrplan aufgenommen (ca. fünf Stunden: Bestimmungsgrößen betriebswirtschaftlicher Entscheidungen).

Im Hinblick auf die Einführung der Seminarfächer ist es angezeigt, unsere Berufskompetenz für das Gelingen dieser Neuerung einzubringen.

Dies gilt in zweifacher Hinsicht:
- Erstens führt der Wegfall der Grund- und Leistungskurse nicht zu einer Stärkung unseres Faches. Schon aus diesem fachstandespolitischen Gesichtspunkt heraus müssen wir uns beim Angebot, wie auch dann in der Durchführung der beiden Seminarfächer mit Nachdruck einbringen.
- Die Akzeptanz und der Erfolg der neuen gymnasialen Oberstufe wie des Gymnasiums allgemein wird entscheidend vom Gelingen der Seminarfächer abhängen. Sowohl die wissenschaftspropädeutische als auch die praxisbetonte Neuausrichtung in der neuen Oberstufe bedürfen daher unserer Anstrengung.



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