Bezirk Niederbayern

RLFB - „Jugendliche und neue Medien“

Kontroversredakteur Thomas Kießling vom Bayerischen Fernsehen in Niederalteich beim bpv

- Experimentieren mit Snuff Videos und happy slapping

- Im Focus von Sekten

Am 9. Oktober fand in Kooperation mit der Dienststelle des Ministerialbeauftragten für die Gymnasien in Niederbayern am St. Gotthard-Gymnasium in Niederalteich eine RLFB-Tagung für die Religionslehrer beider Konfessionen und derer, die das Fach Ethik unterrichten, statt.

Thomas Kießling, Journalist beim Bayerischen Fernsehen in der Redaktion Kontrovers – Das politische Magazin – informierte über Gewalt, Verführbarkeit der heutigen Jugendlichen in den unterschiedlichsten Variationen aus erster Hand. Der Fernsehjournalist des Politmagazins KONTROVERS beim Bayerischen Fernsehen hatte selbst als Redakteur die Aufgabe, in Sachen Gewalt an Schulen, Verführungen seitens von bestimmten Sekten, über Entgleisungen bei den immer beliebteren LAN-Parties und über in Umlauf gebrachte Videos von Jugendlichen zu berichten.

Eine Studie aus Baden-Würtemberg, so der Referent, lässt aufhorchen, denn jeder zehnte Jugendliche hat auf seinem Handy schon einmal Gewalt- oder Pornofilme angesehen. Die Eltern bekommen davon meist nichts mit und stehen dem Problem hilflos gegenüber. So berichtet er von einer Szenerie, die ganz harmlos wirkt. Über den Handybildschirm flimmert das Bild einer verlassenen U-Bahnstation, zwei Jugendliche nähern sich einem älteren Mann und verwickeln ihn scheinbar in ein Gespräch. Unvermittelt schubst der eine den Mann um, der andere tritt wie wild auf den am Boden liegenden ein, der sich vor Schmerzen krümmt. Solche oder ähnlich Bilder hat jeder zehnte Teenager in Deutschland schon mal gesehen, und zwar auf seinem Mobiltelefon. „Happy slapping“ nennen Jugendliche das im Jargon, was man sinngemäß mit „Prügel-Spaß“ übersetzen kann. Eine deutlich härtere Variation sind so genannte „Snuff-Videos“ – dabei werden gestellte oder sogar tatsächlich Tötungen gefilmt und über einschlägige Portale im Internet verteilt (etwa Enthauptungen, Steinigungen oder Verbrennungen). Obwohl (oder gerade weil) diese „Sites“ im Regelfall indiziert, also verboten sind, so der Fernsehjournalist, und daher nicht beworben werden dürfen, werden diese Adressen über Mundpropaganda weiterverbreitet. Und dass es solche Filme überhaupt gibt, das weiß fast jeder Dritte zwischen 12 und 19 Jahren, belegt die sogenannte JIM-Studie, welche der Medienpädagogische Forschungsverbund Südwest MPFS) mit Sitz in Stuttgart vorgelegt hat. JIM steht für „Jugend, Information, Mult-Media!“ Kießling verweist vor allem auch darauf, dass ein aktives Dazutun dafür meist gar nicht notwendig ist, denn es genügt, wenn ein einziger Jugendlicher ein anrüchiges Video auf seinem Handy gespeichert hat und in seiner Schulklasse oder auf dem Pausenhof herumzeigt. Nicht wenige Schüler empfangen („erben“) solche Filme ohne ihr Wissen über eine aktivierte Bluetooth-Schnittstelle und finden sie später ganz unvermittelt in einer Datei auf ihrem Handy.

Technik eröffnet ungeahnte Möglichkeiten:
Mobiltelefone neueren Datums verfügen über eine USB-Schnittstelle, den einfachsten Zugang zu jedem PC und damit zum WorldWideWeb. Eigentlich sollen auf diese Weise Musikdaten oder Klingeltöne herunter geladen werden, doch ein Prügel- Video oder ein Pornofilmchen ist in den Weiten des Internets eben stets nur ein paar Mausklicks entfernt und so schnell verfügbar.
Die Eltern sind nicht selten völlig ahnungslos ebenso auch die Lehrkräfte, meinte der Fachmann, und verwies darauf, dass Erwachsene eben diese Geräte lediglich zum Telefonieren nutzen in seltenen Fällen auch zum Fotographieren. Für die technischen Möglichkeiten sollte ein Problembewusstsein sensibilisiert werden, damit die Erwachsenen auch darüber Bescheid wissen.

Sekten und ihr Anwerben
Barbara Rütting, eine bayernweit bekannte Grüne und derzeit Alterspräsidentin des Bayerischen Landtags, will nicht mehr bei Veranstaltungen auftreten, die von Anhängern des Universellen Lebens organisiert wurden.
Kießling berichtete von einer Kampagne des Universellen Lebens, sich auf diesem Wege hoffähig zu geben und zu etablieren, wenn sie die allseits bekannte Tier- und Naturschützerin für die Sekte auftreten lässt. So geben sich die Sektenmitglieder als „Christusfreunde“ aus, das Leben schützt. Ihren eigenen Mitgliedern, so weiß man, wird diese Freiheit aber nicht zuteil. In einem Zeitspiegelbeitrag vom 12. Sept. 2007, so Thomas Kießling, wurde darauf hingewiesen, dass Barbara Rüttings Strategie es sei, auf das esoterisch angehauchte Wählerpotential, die Wunderheilerszene zu bedienen. Sie war selbst auf der Suche nach spiritueller Erfüllung. So begeisterte sie sich etwa für das Brandenburger Zentrum für experimentelle Gesellschaftsgestaltung (ZEGG), einer autoritär strukturierten Sex- und Psychosekte mit Sitz in Belzig bei Berlin. Frau Rütting hält die ZEGG-sche Idee der freien Liebe für fabelhaft und war, so der Referent, schon drauf und dran zur rechtslastigen Esoterikkommune Findhorn nach Schottland zu gehen. Das Herausfordernde und Irreführende seien die durchaus hehren und edlen Ziele, mit denen die Ideale der junge Menschen erreicht werden. Sekten und deren wahres Gebahren ist auf Anhieb nicht zu erkennen. So kann aus einer harmlosen Mitgliedschaft bei einem Verband, der sich für den Schutz des Lebens ins Spiel bringt, für Jugendliche der Einstieg in eine Abhängigkeit vorprogrammiert sein. Wenn Barbara Rütting die Sekte Universellen Lebens als Gruppe von Urchristen bezeichnet, die keine Tiere töten wollen, dann findet das durchaus Anhänger, der Torheit und der Verblendung ist aber Tür und Tor geöffnet.
Kießling bestärkte die Lehrkräfte darin, als wachsame Mahner den anvertrauten Jugendlichen die Augen vor Gefahren und vor Missbrauch öffnen zu helfen und durch fundierte Informationen die Jugendlichen selbst zu kritischen Zeitgenossen zu machen.


Fernsehjournalist Thomas Kießling




RLFB

- Bezirksfachgruppe Katholische Religionslehre
- in Kooperation mit der Dienststelle des Ministerialbeauftragten für die Gym-nasien in Niederbayern am: Mittwoch, den 9. Oktober 2002

in: St. Gotthard-Gymnasium, N i e d e r a l t e i c h

Thema: "Qumran und die neuesten Forschungsergebnisse“

Referent: PD Dr. Ferdinand Rohrhirsch, Universität Eichstätt

Am PC führt Priv.-Doz. Dr. Ferdinand Rohrhirsch durch die Struktur der Qumran-Datenbank, in der die bisher dokumentierten Fundgegenstände abgelegt sind und in der mittels Internet jeder Interessierte ohne Einschränkung recherchieren kann. Zahlreiche Fotos der Anlage, die von internationalen Qumranforschern zur Verfügung gestellt wurden, geben einen visuellen Eindruck des jeweiligen Fundlocus. Einige 3D-Simulationen zu einigen Keramiken und zu einem Raumteil (loc.4 und Umgebung) runden das Informationsangebot der Datenbank ab."

Wer sich näher informieren will, der kann dies unter den Webadressen:
http://www.ku-eichstaett.de/qumran oder
http://www.chirbet-qumran.de



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