Archiv IV

JAHRESTAGUNG 2017


Diskussion geographischer Fachfragen vor dem Hintergrund des gymnasialen Umbruchs

Jahrestagung der Bezirksfachgruppenleiter in Langenzenn – Nach 20 Jahren übergibt Volker Huntemann den Landesvorsitz an Benjamin Schallenberger

Die Jahrestagung der Fachgruppe Geographie im Bayerischen Philologenverband (bpv) fand in diesem Jahr im mittelfränkischen Langenzenn statt. Der Landesvorsitzende, StD Volker Huntemann, konnte hierzu neben den Bezirksfachgruppenleitern im Verlauf der Tagung u.a. auch Ltd MR Adolf Präbst aus dem Kultusministerium, die Fachreferentin für Geographie an der Akademie in Dillingen, StD' Evelin Mederle, und die Vorsitzende im Verband Deutscher Schulgeographen (VDSG) LV Bayern, Uschi Zitzelsberger, herzlich begrüßen.



Wie schon seit vielen Jahren konnte der Landesvorsitzende der Fachgruppe feststellen, dass sich die Geographie im zurückliegenden Schuljahr in der Oberstufe einer großen Bliebtheit erfreuen konnte, sowohl bei den Belegungszahlen der Kurse als auch beim Wahlverhalten in der Abiturprüfung. Aus diesem Grunde ist es ihm unverständlich, dass ein Fach, dass die Schülerinnen und Schüler auf die vielfältigen Aspekte des Lebens in einer globalisierten Welt vorbereitet, in den Jahrgangsstufen 6 und 9 nicht in den Stundentafeln erscheint. Diese Situation wurde bei der Einführung der MittelstufePlus noch weiter verschlechtert; es kam eine dritte Lücke in der Jahrgangsstufe 9+ hinzu. Diese Negativkonstellation setzte sich bei der beginnenden Diskussion um ein G9 (neu) fort. Die vom LehrplanPlus geforderte durchgängige Vermittlung von Kompetenzen ist bei dieser Anzahl von Jahrgangsstufenlöchern kaum mehr möglich. Der Referent konnte eindeutig feststellen, dass es kein anderes Unterrichtsfach gibt, das eine solche Benachteiligung hinnehmen muss. Wenn nun eine Rückkehr zum G9 erfolgen wird, dann sollte die Geographie die zwei eingekürzten Unterrichtsstunden wieder zurückerhalten z.B. zur verstärkten Durchführung von fächerübergreifender Projektarbeit. „Wir erwarten, dass eine vorausschauende Bildungspolitik dem Selbstverständnis des Faches Geographie als einer Brücke zwischen Nautr- und Geisteswissenschaften Rechnung trägt!“

Mit Blick auf das Fach Natur und Technik bedauerte er erneut, dass die Geographie nur sporadisch, teilweise auch gar nicht berücksichtigt wird. Aus diesem Grunde betonte er nochmals, dass beim Schwerpunktthema „Naturwissenschaftliches Arbeiten“ der Einsatz von Lehrkräften mit der Fakultas Geographie ausdrücklich vorgesehen ist, denn dort ist eine Vielzahl von echten geographischen Inhalten verankert. In diesem Zusammenhang sei ausdrücklich auf den Punkt „Einsatz von Studienreferendarinnen und Studienreferendaren in Natur und Technik“ in den KontaktbriefenPlus aus dem ISB hingewiesen.




Bei dem von StD' Evenlin Mederle vorgetragenen Bericht über ihre Arbeit und Planungen an der Akademie für Lehrerfortbildung und Personalführung (ALP) zeigte sich sehr schnell, dass die Referentin eigentlich wesentlich mehr geographische Lehrgänge anbieten würde, wäre sie nicht u.a. in den Bereichen Führungslehrkräfte, Globales Lernen und dem UNESCO-Programm eingebunden. Zudem bestehen alljährlich wiederkehrende Pflicht-Lehrgänge wie z.B. der der Seminarlehrer. Es ist ihre Aufgabe, die geographischen Aspekte bei der Einführung des LehrplanPlus an Gymnasium und Realschule zu begleiten. In diesem Zusammenhang betonte sie auch, dass sie in ihren Planungen mindestens ein Jahr Vorlauf haben muss. Für das Jahr 2017 stehen noch die Lehrgänge „Vulkanismus in Bayern“ (KTB Windischeschenbach) und „Geographie vor Ort“ (Geopark Ries) auf dem Programm; für das Jahr 2018 wies sie u.a. auf die Lehrgänge „Zeitgemäße Entwicklungszusammenarbeit“, „Digitale (Geo)medien“ und „Der Alpenraum im Spannungsfeld zwischen Ökonomie und Ökologie“ hin.




Zum Tagesordnungspunkt „Aktuelle Entwicklungen am Gymnasium“ konnte StD Volker Huntemann den Ltd MR Adolf Präbst (Kultusministerium) begrüßen. Nach einem kurzen Rückblick auf die Entwicklung zur Wiedereinführung des neunjährigen Gymnasiums stellte der Referent fest, dass innerhalb des vom Ministerrat und der CSU-Fraktion im Bayerischen Landtag beschlossenen Bildungspakets zur Stärkung des differenzierten Schulsystems für das Gymnasium die große Chance zur Weiterentwicklung besteht. Hierbei sollen auch zusätzliche, d.h. neu aufzunehmende Inhalte zu einem vertieften Kompetenzerwerb genutzt werden. Mit Blick auf aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen sollen bei der Überarbeitung des Lehrplans für das G9 insbesondere folgende Bereiche gestärkt werden:

- Politischen Bildung nicht nur im gesamten GPR-Bereich
- Informatik und digitale Bildung
- Naturwissenschaften
- Studien- und Berufsorientierung

Gemeinsam mit den verschiedenen Verbänden (v.a. bpv, Landeseltervereinigung, Direktorenvereinigung und Landesschülerrat) wurden Überlegungen zur Neugestaltung der Stundentafel angestellt. Dabei mussten folgende Vorgaben durch den Ministerrat beachtet werden:

- 17 – 19 Wochenstunden als zusätzlicher Pflichtunterricht für die Schülerinnen und Schüler im neuen G9
- Reduzierung des Nachmittagsunterrichts in Unter- und Mittelstufe
- Beginn der 2. Fremdsprache wie bisher in Jahrgangsstufe 6
- Erwerb des Mittleren Schulabschlusses nach Jahrgangsstufe 10
- weitgehende Beibehaltung der Grundstruktur der Oberstufe
- weitgehender Erhalt der Intensivierungsstunden
- Stärkung der Kernfächer

Der Referent wies darauf hin, dass er derzeit noch keine Angaben zu Einzelheiten machen kann, da erst in der kommenden Woche der Entwurf zur Stundentafel durch das Kultusministerium der Öffentlichkeit vorgestellt wird. Es steht aber wohl fest, dass das P-Seminar bereits in Jahrgangsstufe 11 stattfinden wird und dass in Jahrgangsstufe 9 ein Basismodul als Blockveranstaltung zur beruflichen Orientierung angeboten werden wird. Bei mehr als 15 zur Verfügung stehenden Fächern wird es eng in dieser neuen Jahrgangsstufe 11 werden.

Die vom Ministerrat geforderte Stärkung der Informatik wird sich in der Stundentafel niederschlagen (Informatik in Jahrgangsstufe 11 an allen Ausbildungsrichtungen), wobei aber auch in anderen Fächern über die neuen Lehrpläne die Digitalisierung stärker berücksichtgit werden wird. Gleiches gilt für die Stärkung der politischen Bildung, die in allen Lehrplänen stärker vertreten sein soll. In nächster Zeit werden im Kultusministerium folgende Arbeitsgruppen eingereicht werden:

- AG „Überholspur“: Schülerinnen und Schüler, die im neunjährigen Gymnasium beabsichtigen, ihre Schulzeit in 8 Jahren zu absolvieren, sollen eine gezielte individuelle Förderung erhalten, um die Jahrgangsstufe 11 auslassen zu können. Dieses Angebot wird sich auch an Schüler richten, die während der Jahrgangsstufe 11 ins Ausland gehen möchten.
- AG Oberstufe: Ziel ist es zum einen, bewährte Strukturen der aktuellen Oberstufe zu erhalten. Zum anderen sollen die individuellen Profilierungs- und Vertiefungsmöglichkeiten für die Schüler ausgeweitet werden.

Für das zusätzliche Schuljahr werden an den staatlichen Gymnasien ca. 1000 neue Lehrerstellen benötigt. Wie und wann diese zusätzlichen Kapazitäten aufgebaut werden, muss noch im Detail geplant werden. In diese Überlegungen wird sicherlich auch der bpv einbezogen werden.

Im Anschluss an dieses Referat erfolgte eine intensive Diskussion über zahlreiche weitere Einzelaspekte. Zum Abschluss der Runde fasste der Vorsitzende der Landesfachgruppe nochmals zusammen: “Von Seiten der Geographie werden wir uns vehement gegen das immer noch mögliche Entstehen einer weiteren Jahrgangsstufenlücke oder anderweitigen Einkürzungen wehren. Die Qualität unseres zukunftsorientierten Faches wäre damit äußerst bedroht.” Er verwies dabei auch auf ein von der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) in Auftrag gegebenes Gutachten mit dem Titel “Bildung 2030 – veränderte Welt”: “Sollen BNE [Anm.: Bildung für nachhaltige Entwicklung] beziehungsweise Umweltbewusstsein und -handeln im schulischen Kontext gestärkt werden, so kann dies inbesondere über das Fach Geografie gelingen. Entsprechend könnte dem Fach Geografie in der Diskussion um 'wichtige Fächer' beziehungsweise Kernfächer eine größere Bedeutung beigemessen werden.”

In seinem Tätigkeitsbericht berichtete der Landesvorsitzende der Fachgruppe Geographie im bpv über einen intensiven Gedankenaustausch und eine Vielzahl von Gesprächen mit Vertretern aus dem Landtag und dem Ministerium sowie aus Institutionen und befreundeten Verbänden. In diesem Zeitraum wurden in den einzelnen Regierungsbezirken wieder diverse Fortbildungsveranstaltungen angeboten. Erwähnenswert ist in dieser Hinsicht die erneut durchgeführte Exkursion „Der Steinbruch Gräfenberg – ein Fenster in die Schichtenlagerung der Fränkischen Alb“ und die Exkursion „Das DLR_School_Lab in Oberpfaffenhofen als außerschulischer Lernort – Exkursion“ (beide Mittelfranken) sowie die Exkursion „Ökonomische Herausforderungen im südöstlichen Oberfranken“ (Oberfranken). Weitere Erwähnung verdient die unterfränkische Herbstexkursion zum Vogelsberg und ins Gießener Becken in Kooperation mit der Geographischen Gesellschaft Würzburg. Ferner wurden Vortragsreihen z.B. in Kooperation mit der Geographischen Gesellschaft in Würzburg angeboten (jeweils als halbtägige Fortbildungen anerkannt).




Der Morgen des nächsten Tages startete dann mit der Wahl des neuen Landesvorsitzenden, nachdem der bisherige Vorsitzende aus Altersgründen nicht mehr zur Verfügung stehen kann. Bereits im ersten Wahlgang wurde StR Benjamin Schallenberger (Gymnasium Neubiberg) einstimmig als sein Nachfolger gewählt. Ebenso einstimmig erfolgte die Wahl von StD Jochen Frickel (Franz-Ludwig-Gymnasium Bamberg) zum stellvertretenden Landesvorsitzenden. Am Ende des Wahlvorgangs überreichte StD Volker Huntemann den Staffelstab der Landesfachgruppe Geographie an StR Benjamin Schallenberger und wünschte ihm viel Glück und alles Gute für die Zukunft.




Zum nächsten Tagungsordnungspunkt konnte StD Volker Huntemann die Vorsitzende des Verbands Deutscher Schulgeographen LV Bayern, Uschi Zitzelsberger, begrüßen. Stellvertretend für den gesamten Vorstand sprach sie sich für einen der Bedeutung der geographischen Bildung angemessenen Platz in den Stundentafeln der bayerischen Schulen aus und berichtete von den gemeinsamen Bemühungen ihres Verbands in Kooperation mit der Landesfachgruppe Geographie im bpv. Geographie muss im MINT-Bereich wesentlich präsenter werden u.a. auch durch eine viel stärkere Berücksichtigung durch die Schulleitungen im Bereich Natur und Technik. Sie sprach sich auch für eine stärkere Berücksichtigung der politischen Bildung aus: „Das Fach Geographie kann hier wertvolle Arbeit leisten ebenso wie bei einer noch stärkeren Berücksichtigung der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE).“ Grundbedingung ist jedoch, dass für das Fach nicht noch eine weitere Jahrgangsstufenlücke zugemutet wird. Die Referentin rief auch zur verstärkten Teilnahme an geographischen Wettbewerben auf. Mit Blick auf bevorstehende Veranstaltungen nannte sie u.a. den Deutschen Kongress für Geographie in Tübingen (01. - 05.10.2017; am 02.10.2017 mit dem Tag der Schulgeographie) und den Landesschulgeographentag in Bayreuth (08. - 10.03.2018). Am Schluss ihrer Ausführungen dankte sie dem scheidenden Landesvorsitzenden für die zwanzigjährige intensive Zusammenarbeit mit dem VDSG und überreichte ihm ein Erinnerungsgeschenk.

Als Schwerpunkte des Arbeitsprogramms 2017/18 der Landesfachgruppe wurde u.a. die weitere Einbeziehung von die Schulgeographie unterstützenden Institutionen, Einrichtungen und Einzelpersonen beschlossen. Einen weiteren Schwerpunkt soll das Thema „Digitales Lernen“ bilden. Auch wurde über eine grundlegende Überarbeitung des von der Landesfachgruppe Geographie erstellten Exkursionsführers diskutiert. Der Landesvorsitzende empfahl zudem erneut aus fachpolitischen Gründen die Mitgliedschaft sowohl in der Fachgruppe Geographie im bpv als auch im Verband Deutscher Schulgeographen (VDSG). Ebenso erinnerte er die Kolleginnen und Kollegen daran, die Möglichkeit der Beantragung eines Wahlkurses mit geographischen Inhalten verstärkt zu nutzen.

Zum Abschluss des ersten Tages hatte StD Volker Huntemann den langjährigen Bezirksfachgruppenleiter StD Johann Göller verabschiedet, der die schwäbische Bezirksfachgruppe zwölf Jahre lang geleitet hat. Er dankte ihm für die umfangreiche und engagierte Arbeit. In Abwesenheit verabschiedet wurde ebenfalls der oberbayerische Bezirksfachgruppenleiter OStR Bernhard Frey. StD Huntemann hieß die neugewählten Bezirksfachgruppenleiter Carina Benning-Heufelder (Oberbayern), Barbara Luff (Schwaben) und Alexander Wiebel (Mittelfranken) nochmals herzlich willkommen und wünschte ihnen viel Erfolg bei ihrer zukünftigen Arbeit.


Volker Huntemann


JUGEND FORSCHT 2017


Bayerische Teilnehmer bei Jugend forscht 2017 sehr erfolgreich

Bundesfinale des Wettbewerbs in Erlangen – Chemie-Team aus Krumbach erhält Preis der Bundeskanzlerin

Die Erfolgsserie in diesem bekanntesten Schülerwettbewerb Deutschlands hält weiter an: Mit zwei Bundessiegen und weiteren guten Platzierungen gehört Bayern weiterhin zu den äußerst erfolgreichen Bundesländern. Im 52. Jahr seines Bestehens konnte der Wettbewerb wieder eine sehr hohe Beteiligung mit 12.226 Anmeldungen verkünden. Bemerkenswert ist auch, dass sich der Mädchenanteil mit 4.740 Jungforscherinnen auf die Rekordmarke von 38,8 Prozent erhöhte. „Unser Wettbewerb,“ so Dr. Sven Baszio, der Geschäftsführer von Jugend forscht, „ist eine Marke, wenn es um individuelle Förderung und kreatives, forschendes Lernen geht. Den aktuellen PISA-Ergebnissen zum Trotz motiviert dieser Ansatz offenbar immer mehr Mädchen, sich für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT) zu begeistern und bei Jugend forscht mitzumachen. Unser Ziel ist es, künftig möglichst vielen jungen Talenten über die Teilnahme am Wettbewerb hinaus zu vermitteln, welche vielfältigen Chancen und Perspektiven ihnen der MINT-Bereich in Ausbildung, Studium und Beruf bietet.“

Über die Regional- und Landeswettbewerbe hatten sich die Besten für das Bundesfinale in Erlangen qualifiziert. 178 Jungforscher und -forscherinnen mit insgesamt 107 Projekten wollten die Bundessieger in den jeweiligen Fachsparten ermitteln. Das diesjährige Bundespatenunternehmen, die Siemens AG, sorgte dabei für eine optimale Betreuung aller Teilnehmerinnen und Teilnehmer. In ihrer Ansprache bei der Abschlussveranstaltung dankte die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Prof. Dr. Johanna Wanka, insbesondere den Betreuungslehrerinnen und –lehrern für ihre engagierte Hilfe weit über das normale Unterrichtsprogramm hinaus.



Die Preisträger

Wer sich im Internet ein Video anschauen möchte, muss dieses nicht zwangsläufig herunterladen, denn der Film lässt sich auch „streamen“, also in einem stetigen Fluss kleiner Datenpakete übertragen. Dieses Verfahren wird u.a. auch für Livesendungen im Netz genutzt. Mit der Thematik „Entwickeln einer VR-App für Videoübertragung in Echtzeit“ schuf Konstantin Geier (Ignaz-Günther Gymnasium Rosenheim) für das Streaming eine andere Anwendung: die Fernsteuerung eines Roboters aus sicherer Entfernung. Von fundamentaler Bedeutung ist es dabei, dass die Bildübertragung ruckfrei und möglichst in Echtzeit erfolgt. Nur so hat derjenige, der den Roboter steuert, die Möglichkeit, schnell genug zu reagieren. Der Clou der Arbeit ist, dass der Jungforscher es geschafft hat, die Videodaten schnell und zuverlässig auf eine 3-D-Videobrille zu übertragen. Damit ist der Nutzer mitten drin im Geschehen und kann in der virtuellen Realität agieren. Für diese Leistung erhielt Konstantin Geier den 3. Platz im Fachbereich Mathematik/Informatik zuerkannt.

Über einen 2. Platz im Fachbereich Arbeitswelt konnten sich Christoph Hecker, Jakob Götz und Florian Otto (Pfleiderer GmbH Neumarkt) mit ihrer Arbeit „Absturzsicherung Fahrsilo“ freuen. Sie hatte die Tatsache nachdenklich gestimmt, dass offene Siloanlagen (z.B. für Tierfutter) aus einzelnen, nur durch Mauern getrennte Parzellen bestehen. Da auf diesen nur selten Geländer angebracht sind, kann es beim Abdecken der Silage zu schweren Arbeitsunfällen kommen. Aus diesem Grunde entwickelten sie ein spezielles Sicherungsgeländer, denn aktuell genutzte Modelle sind nicht nur unsicher, sondern auch teuer und sie stören den Befüllvorgang. Das von den Jungforschern entwickelte Modell wird mittig auf die Mauern geschraubt. Es verfügt über eine breite Trittfläche, die zunächst senkrecht steht und in Verbindung mit dem Geländer wahlweise zu beiden Seiten über den Silage-Bereich geklappt werden kann. Ähnlich wie die Lehne eines Klappstuhls bleibt das Geländer dabei dank eines Parallelführungssystems stets senkrecht.

Sternforschung hat Johannes Klatt (Franz-Ludwig-Gymnasium Bamberg) betrieben in seiner Arbeit „Analyse der Schwankungen der Fe-K-Alpha-Linie im System Cygnus X-1“. Cygnus X-1 ist ein System im Weltraum, das aus zwei Sternen besteht und Röntgenstrahlen aussendet. Aus astronomischen Messreihen ist bekannt, dass die von Ferne beobachtbare Wasserstoffkonzentration dieses Sternensystems unregelmäßigen Schwankungen unterliegt. Diese Beobachtung wurde von dem Jungforscher überprüft auf der Grundlage eines Datensatzes des RXTE-Satelliten aus dem Jahre 2007, denn dieser künstliche Himmelskörper ist auf Röntgenquellen spezialisiert. Damit war es Johannes Klatt möglich, die Beobachtung zu belegen. Durch statistische Analysen gelang ihm darüber hinaus der Nachweis, dass hohe Wasserstoffwerte des Doppelsterns mit einer niedrigeren Abgabe von Röntgenstrahlen durch Eisenatome einhergehen. Ein ähnlicher Effekt ist bereits vom Neutronenstern Hercules X-1 bekannt. Für diese Arbeit wurde der Jungforscher mit dem 2. Preis im Bereich Geo- und Raumwissenschaften ausgezeichnet.



Die Bundessieger

Sie heißen Segway oder Hoverboard, jene selbstbalancierenden Elektrogefährte, auf denen man stehend durch die Gegend rollen kann. Sie besitzen eine ausgefeilte Steuerungselektronik, die das Gerät stets im Gleichgewicht hält. Doch für Luca Fäth (Friedrich-Dessauer-Gymnasium Aschaffenburg) waren diese Vehikel viel zu teuer. Konsequenterweise konstruierte er sich sein eigenes Gefährt: ein Einrad, das sich von selbst im Gleichgewicht hält. Ein Holzgehäuse mitsamt Sitz und Griffen beherbergt den Akku und auch den Elektromotor, der über einen Riemen das Rad eines Motorrollers antreibt. Ein kombinierter Beschleunigungs- und Lagesensor sorgt zusammen mit einem Minicomputer für die notwendige Balance. Zwar benötigt man ein wenig Übung, bis man mit dem motorisierten Einrad fahren kann, doch das Gleichgewicht halten kann man damit sehr zuverlässig. Für seine Arbeit „Self-balancing Unicycle“ wurde Luca Fäth zum Bundessieger im Bereich Technik. Besonders überzeugte die Jury die engagierte und konsequente Umsetzung seiner Idee in eine professionelle technische Lösung.

Johannes Greiner und Stephan Wagner (Simpert-Kraemer-Gymnasium Krumbach) war bekannt, dass bestimmte Metallsalze stabile Kristalle und beeindruckende ringförmige Strukturen ausbilden können. Deshalb haben sie untersucht, wie diese sogenannten Liesegangschen Ringe in Gelatinegel entstehen. Bei ihren Experimenten variierten sie Temperatur, Gelatinegehalt, Metallionen und Lösemittel und stellten dabei fest, dass vor allem die Abstände der Ringe von Temperatur und Ionenkonzentration abhängig sind. Bei ihren Versuchen wurde darüber hinaus die gängige Annahme bestätigt, dass die Ringe immer dann besonders scharf und klar sind, wenn keine Kristalle sich zu größeren zusammenlagern. Für ihre Experimente wählten die Jungforscher ungiftige Metallsalze, wodurch die Ringbildung auch im Schulunterricht nachvollzogen werden kann. Für ihre Arbeit „Untersuchung am Phänomen der Liesegangschen Ringe in Gelatinegel“ erhielten die beiden Jungforscher die besondere Auszeichnung des Preises der Bundeskanzlerin für die originellste Arbeit. Besonders beeindruckt zeigte sich die Fachjury Chemie von den umfangreichen Messreihen sowie von der äußerst sorgfältigen Aufarbeitung und Auswertung der erhaltenen Daten. Aufgrund ihrer Erkenntnisse sind die Jungforscher in der Lage, weitere komplexe Muster gezielt zu erzeugen.



Jugend forscht Schule 2017

Zum großartigen bayerischen Erfolg bei dieser Wettbewerbsrunde trug auch die Auszeichnung des Friedrich-Dessauer-Gymnasiums in Aschaffenburg bei, das den Titel „Jugend forscht Schule 2017“ mit dem Preis der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland verliehen bekam. Die Schule hatte die Jury mit einem leistungsorientierten MINT-Förderkonzept ab der Jahrgangsstufe 5 überzeugt. Dieses basiert auf empirisch abgesicherten Studien zum schulischen Lernerfolg. Die mehr als 1.300 Schülerinnen und Schüler werden schrittweise an das forschende Lernen herangeführt. Sprachsensibles Experimentieren, Talentschmieden und eine Wissenschaftsmesse begeistern eine heterogene Schülerschaft für die MINT-Fächer. Breitenförderung wird genutzt, um Talente zu finden und diese zu Spitzenleistungen zu führen, wie auch die diesjährigen Ergebnisse gezeigt haben. „Das Förderkonzept des Friedrich-Dessauer-Gymnasiums hat bereits innerhalb weniger Jahre beeindruckende Erfolge erzielt und erscheint daher hervorragend übertragbar auf viele andere Schulen in Deutschland,“ so die Meinung der Jury.




Zukunftsperspektive

Der Vorsitzende des bpv, Michael Schwägerl, freut sich über diese Ergebnisse des Bundesentscheids in Erlangen und gratuliert den Preisträgern zu ihren hervorragenden Platzierungen. Er verbindet damit auch die Hoffnung auf ein ähnlich erfolgreiches Abschneiden in den Folgejahren. Anmeldungen zur Wettbewerbsrunde Jugend forscht 2017/18 (oder zu Schüler experimentieren) sind ab sofort möglich. Letzter Anmeldetermin ist der 30. November 2017; die Wettbewerbsarbeiten müssen dann spätestens Anfang Januar 2018 eingereicht werden. Nähere Informationen zum Bundesfinale 2017 und zur neuen Wettbewerbsrunde 2017/18 sind zu erhalten bei Stiftung Jugend forscht e.V., Baumwall 5, 20459 Hamburg, Tel. 040/374709-0, Mailanschrift info@jugend-forscht.de oder unter www.jugend-forscht.de.


Volker Huntemann



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