DER NÄCHSTE LEHRERMANGEL DROHT

Philologenverband befürchtet bald Engpässe am Gymnasium

Mit Sorge beobachtet der Bayerische Philologenverband (bpv), der die Lehrkräfte an Gymnasien und Beruflichen Oberschulen vertritt, die aktuellen Zahlen zur Einstellung im Februar. Denn die Zahl der Referendare und Studierenden im Lehramt Gymnasium nimmt stetig ab. Zwar bekommen ungefähr 200 Absolventen des Referendariats zum zweiten Halbjahr ein Planstellenangebot, was im Vergleich zu den letzten Jahren sogar eine Steigerung ist (2019: 177 Stellen, 2018: 154 Stellen), jedoch sind in diesem Jahr erstmals nur rund 530 Absolventen des Referendariats zu verzeichnen (2019: 626, 2018: 712).

Schweinezyklus ist wieder da

Für Michael Schwägerl, den Vorsitzenden des bpv, ist das eine besorgniserregende Entwicklung: „Der Schweinezyklus ist wieder da. Weil die Jobaussichten in den letzten zehn Jahren dauerhaft so schlecht waren, liegt ein Rückgang der Studierenden und damit der Referendare auf der Hand. In fünf Jahren brauchen wir aber allein für das neue G9 rund 1500 Lehrkräfte zusätzlich.“
Auch Quirin Borchert, der Vorsitzende der Referendar- und Jungphilologenvertretung (rjv), macht sich große Sorgen: „Immer noch ist kein vorausschauendes Konzept zu erkennen. Dabei verliert der Staat knapp die Hälfte aller Absolventen in diesem Einstellungszyklus und später werden uns diese Lehrer dann fehlen. Wie soll die Bildungsqualität an den Gymnasien in Bayern erhalten bleiben, wenn es nicht genügend Lehrer gibt?“

Ausbau der integrierten Lehrerreserve

Stattdessen fordert der bpv seit Jahren, die integrierte und mobile Lehrerreserve an den Gymnasien auszubauen und vorausschauend einzustellen. „Die Absolventen müssen jetzt an den Staat gebunden werden. Dann wäre auch die sehr angespannte Personalsituation an den Gymnasien besser. Sonst gehen die jungen und hervorragend ausgebildeten Lehrkräfte dem Freistaat verloren, weil sie in andere Bundesländer oder Schularten wechseln“, befürchtet Borchert. Eingesetzt werden könnten die Lehrkräfte zum Beispiel auch im Rahmen der Digitalisierung oder zur Verkleinerung der Klassenstärken. „Wenn wir jetzt jedes Jahr 250 zusätzliche Lehrkräfte einstellen, binden wir die jungen Kolleginnen und Kollegen an den Freistaat und haben 2025 kein Problem mit dem Lehrermangel“, erläutert Schwägerl.

Diese zusätzlichen Planstellen sind an den Schulen dringend nötig, da durch die geringe Zahl an Absolventen für die Gymnasien auch Aushilfslehrkräfte fehlen. Schwägerl erklärt: „Wenn an einer Schule eine Lehrkraft längerfristig ausfällt, springt die integrierte Reserve ein. Diese ist aber oft schon vor dem Beginn des Schuljahres verplant, weil sie zu knapp bemessen ist. Kommt dann ein weiterer Ausfall hinzu, zum Beispiel eine Schwangerschaft oder eine Krankheit, gibt der Staat großzügig Geldmittel, um Aushilfslehrer einzustellen. Dieser Markt ist aber leergefegt, weil die Zahl der Absolventen stetig sinkt und damit keine Aushilfslehrkräfte auf dem Markt sind. In der Realität haben die Schulen dann zwar Geldmittel, aber kein Personal, vor allem in den ländlichen Gebieten. Und Geld kann eben nicht unterrichten. Wir brauchen auch die Köpfe!“ Quirin Borchert von der rjv ergänzt: „Ich kann jeden jungen Lehrer verstehen, der sich nach Alternativen umsieht, wenn er keine Planstelle erhalten hat.“

Zahl der Studenten ebenfalls rückläufig

Die zukünftig geringe Zahl an Absolventen lässt sich auch anhand der Zahl der Studierenden belegen. Gab es 2012, also am Beginn der Zeit der Niedrigeinstellung am Gymnasium, bayernweit noch über 18.500 Studierende für das Lehramt Gymnasium, so waren es 2017 nur noch knapp 13.000. „Wer 2025 eingestellt werden will, der muss spätestens in zwei Jahren sein 1. Staatsexamen schreiben und dann 2023 ins Referendariat gehen. Die zukünftigen Lehrkräfte sind also schon mitten im Studium. Leider beobachten wir auch hier einen Rückgang, sodass sich die Lage nicht bessern wird“, prognostiziert Schwägerl.

Eine Übersicht über die jährlichen Einstellungen (also Februar und September) und die Prognose des Verbands findet sich hier.