NÜTZLICHES NUTZLOSES

Was soll am Gymnasium gelernt werden? Internationales Lehrertreffen am Bodensee widmet sich dem Bildungsbegriff

„Wie kann das Gymnasium angesichts der aktuellen Herausforderungen wie Klimawandel, Digitalisierung, KI oder einem erstarkten Rechtspopulismus die Kinder und Jugendlichen auf die Welt in 30 Jahren vorbereiten?“ – Die pointierte Antwort des Grazer Philosophen Peter Strasser lautete „Gar nicht“, denn niemand wisse heute, welche Probleme in 30 Jahren tatsächlich gelöst werde müssten. Wie und welche Entscheidungen zur Ausrichtung des Gymnasiums dennoch heute getroffen werden können, war das zentrale Anliegen des Internationalen Bodenseetreffens der Lehrkräfte an höheren Schulen in St. Gallen.

Bereits zum 60. Mal trafen sich am vergangenen Wochenende Lehrkräfte aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Liechtenstein, um abseits des eigenen Schulsystems und bürokratischer Schranken über zentrale Bildungsfragen zu diskutieren. Einen wichtigen Impuls lieferte dabei Festredner Peter Strasser bei der Frage nach dem Bildungswissen: „In der Pflege gerade des als nutzlos beargwöhnten Bildungswissens liegt für mich der Schlüssel, um den Einzelnen gegen die Synchrongewalten des ökonomischen Kalküls und einer Stabsstellenmentalität zu verteidigen, die der Kontrolloptimierung dient.“ Und Michael Schwägerl, Vorsitzender des Bayerischen Philologenverbandes (bpv) ergänzt: „Dieses Bildungswissen muss der inhaltliche Kern des Gymnasiums sein. Wir brauchen also nicht ständig neue Fächer und Inhalte, sondern genügend Zeit und gut ausgebildete Pädagoginnen und Pädagogen, die mit ihrem fachlichen Wissen und ihrer Begeisterung die Schülerinnen und Schüler mitnehmen und begleiten.“