VORMITTAGS RECHT UND NACHMITTAGS FREI?

Studie zur Lehrerarbeitszeit geht einem Vorurteil auf den Grund

Bayerische Gymnasiallehrer nehmen an bundesweiter Studie zur Arbeitsbelastung teil.

„Lehrer haben vormittags recht und nachmittags frei!“ – Dass diese Ansicht überholt ist, sollte längst bekannt sein. Dennoch ist weiterhin unklar, welche durchschnittliche Wochenarbeitszeit Lehrer wirklich haben und welchen Belastungen und Aufgaben sie im Detail ausgesetzt sind. Aus diesem Grund sind die bayerischen Gymnasiallehrkräfte von 26.02. bis 25.03.18 aufgerufen, sich an einer bundesweiten Arbeitszeitstudie zu beteiligen. Diese wird vom Deutschen Philologenverband durchgeführt und von der Universität Rostock auf Bundes- und Landesebene wissenschaftlich ausgewertet. Der Bayerische Philologenverband (bpv) appelliert an alle gymnasialen Lehrkräfte, sich an der Studie zu beteiligen. Sie wird wichtige Erkenntnisse zur Arbeitszeit, Belastung und Gesundheit von Gymnasiallehrkräften liefern.
Michael Schwägerl, Vorsitzender des bpv, erläutert: „Eine wissenschaftlich fundierte Untersuchung der tatsächlichen zeitlichen Belastung von Gymnasiallehrern ist längst überfällig. Eigentlich wäre das Aufgabe des Dienstherrn, aber bisher haben die Verantwortlichen in der Bildungspolitik eine solche Untersuchung hinausgezögert. Wir wollen jetzt Licht ins Dunkel bringen und erhoffen uns fundierte Aussagen über die Belastung der Kolleginnen und Kollegen, aber auch über die zeitliche Verteilung der einzelnen Aufgaben. Denn neben der reinen Unterrichtszeit mit Vor- und Nachbereitung und Korrektur sind in den letzten Jahren noch zahlreiche weitere Verpflichtungen auf die Lehrkräfte zugekommen.“

Verblüffend ist dabei, dass im Jahr 1945 die Wochenarbeitszeit im öffentlichen Dienst bei 54 Stunden lag, Gymnasiallehrkräfte hatten 24 Unterrichtsstunden zu unterrichten. Mittlerweile wurde die Arbeitszeit im öffentlichen Dienst auf 40 Stunden gesenkt, während an den bayerischen Gymnasien immer noch im Schnitt über 23 Stunden zu unterrichten sind, zusätzlich zu den gestiegenen Anforderungen außerhalb des Unterrichts.
Schwägerl berichtet von ersten Rückmeldungen: „Kollegen sagen mir, dass sie gerne bei der Studie mitmachen würden, ihnen aber die Zeit fehle. Diese Aussagen zeigen doch, dass die Belastungen da sind. Jetzt können wir diese Erfahrungen auf eine fundierte Basis stellen. Ich bitte daher alle Lehrkräfte am Gymnasium an der Untersuchung teilzunehmen, trotz vieler Verpflichtungen.“
Die Studie läuft parallel in allen Bundesländern im ersten Quartal 2018. Mit ersten gesicherten Ergebnissen rechnet der bpv in der zweiten Jahreshälfte.

Weitere Ergebnisse zur Studie und ihren Methoden unter www.arbeitszeitanalyse.de und hier.