VON WEGEN LEHRERMANGEL

75% der Bewerber am Gymnasium ohne Planstelle

500 Absolventen betroffen – Junge Philologen fordern mehr Stellen


Bayern verzichtet auch beim aktuellen Einstellungstermin an den Gymnasien auf Spitzenabsolventen und verschenkt damit wertvolles Potential. Die Referendar- und Jungphilologenvertretung (rjv) im Bayerischen Philologenverband (bpv) zeigt sich angesichts der erneut viel zu geringen Einstellungszahlen enttäuscht und plädiert für eine spürbare Erhöhung.

Im Februar 2018 beenden ca. 660 Referendare ihre Ausbildung am Gymnasium erfolgreich mit dem Zweiten Staatsexamen. Zahlen des Kultusministeriums ist zu entnehmen, dass für Bewerber aus dem aktuellen Prüfungsjahrgang nur etwa 150 Planstellen zur Verfügung stehen. Zusätzlich werden ca. 15 Stellen an Fach- und Berufsoberschulen neu besetzt, so dass insgesamt 75% kein Angebot vom Staat erhalten - eine traurige Perspektive nach einem langwierigen Studium und anschließenden kräfte- und nervenzehrenden Referendariat.

Es ist für die rjv nicht akzeptabel, dass viele bayerische Gymnasien weiterhin mit großen Klassen und einer schnell aufgezehrten Lehrerreserve kämpfen, während lediglich durch Fluktuation freiwerdende Stellen besetzt werden und 500 Absolventen ohne gymnasiale Perspektive dastehen.

Beste Nachwuchspädagogen kehren dem Schulsystem den Rücken

Dominik Lörzel, Vorsitzender der rjv: „Es stimmt mich traurig, dass so viele hervorragende Pädagogen vor einer ungewissen Zukunft stehen. Die jungen Kolleginnen und Kollegen mit besten Leistungen werden an den Schulen dringend gebraucht, um die Qualität des bayerischen Gymnasiums zu erhalten. Falls sich für sie keine Perspektive zeigt, ist es nur die logische Konsequenz, dass sie dem Schulsystem den Rücken kehren oder in anderen Bundesländern unterrichten. Dort haben sie zwar dank der hohen Qualität der bayerischen Lehrerausbildung gute Chancen, für Bayern sind sie damit aber langfristig als Lehrkräfte verloren. Das kann weder im Interesse des Freistaats sein noch in dem unserer Schülerinnen und Schüler.“

G9: Jetzt vorausschauend einstellen

Angesichts 1000 zusätzlich benötigter Stellen im Zuge des neuen G9 bis zum Jahr 2025 fordert die rjv, bereits jetzt die besten Gymnasiallehrer an den Schulen zu binden. Lörzel erläutert: „Wir brauchen ab sofort kontinuierliche Mehreinstellungen. Nur so sind die 1000 zusätzlichen Stellen zu sichern. Es ist unverständlich, warum man jetzt Spitzenkräfte nicht einstellt, die dann in sieben Jahren händeringend gebraucht werden.“

Die rjv vertritt Referendare und junge Gymnasiallehrkräfte in den ersten vier Dienstjahren. Weitere Informationen hier.