TREND "HANDLETTERING"

Philologenverband weist  zum Tag der Handschrift am 23. Januar auf wichtige Kulturtechnik hin

Passend zum Tag der Handschrift am 23. Januar beobachten Lehrkräfte einen überraschenden Trend: Immer mehr ältere Jugendliche scheinen sich auf die Handschrift zu besinnen; das sogenannte „Handlettering“, also das bewusste Schönschreiben, liegt voll im Trend. 

Michael Schwägerl, Vorsitzender des Bayerischen Philologenverbandes (bpv), kommentiert: „Das steigende Interesse an der Handschrift, das sich im sogenannten „Handlettering“ zeigt, ist ein Zeichen dafür, dass das Schreiben mit der Hand auch in Smartphone-Zeiten nicht überholt ist. Ganz im Gegenteil: Die eigene, individuelle Schrift  wird von jungen Menschen zunehmend als Ausdruck der eigenen Persönlichkeit und Kreativität geschätzt und wiederentdeckt - gerade im digitalen Zeitalter. Ich halte dies für eine ermutigende Entwicklung in einer Zeit, in der Digitalisierung auch in der Bildungspolitik das Schlagwort der Stunde ist. Denn bei aller digitalen Euphorie dürfen wir die Handschrift nicht vergessen. Gerade in Schule und Elternhaus muss diese Wertschätzung erfahren. Einen längeren Text mit der Hand zu schreiben erfordert Ausdauer, Konzentration und Planung im Kopf – alles Fähigkeiten, die junge Menschen erlernen müssen und die nicht nur beim Schreiben von Nutzen sind. Daher ist es von größter Bedeutung, zuerst die Fähigkeiten hin zu einer flüssigen und leserlichen Schrift bei den Kindern zu entwickeln, bevor digitale Schreibtechniken zum Einsatz kommen.“

Noch in einer Umfrage, die der Deutsche Lehrerverband im Jahr 2015 zusammen mit dem Schreibmotorik Institut Heroldsberg durchgeführte, hatten 79 Prozent der befragten Lehrkräfte an weiterführenden Schulen angegeben, dass sich die Handschrift der Schüler im Schnitt verschlechtert habe. An den Grundschulen hatten diese Aussage sogar 83 Prozent geteilt. Die Lehrkräfte sahen dabei auch einen Zusammenhang zwischen den kognitiven Leistungen der Schüler und ihrer Handschrift.