REIFEPRÜFUNG STATT GRASNARBEN-ABI!

Anlässlich der morgigen Entlassung der bayerischen Abiturienten fordert der Bayerische Philologenverband (bpv) eine langfristige Qualitätssicherung des Abiturs.
 
„Wir gratulieren allen Absolventen, die die letzte Hürde Abitur erfolgreich gemeistert haben, sehr herzlich. Mit dem bayerischen Abitur stehen ihnen viele Türen offen“, sagt Michael Schwägerl, Vorsitzender des bpv, anlässlich der morgigen Zeugnisübergabe. „Sie dürfen gemeinsam mit ihren Eltern und Lehrern stolz auf ihre Leistungen und ihren Abschluss sein.“

Gleichwohl beobachtet der bpv gewisse Entwicklungen mit Sorge: Bundesweit steigt der Anteil der Abiturienten mit einem Notenschnitt von 1,5 und besser, teilweise liegt der Anteil in manchen Bundesländern bei 14 bis 17 Prozent, in Bayern bei circa 12 Prozent. Schwägerl erläutert: „Wenn alle immer besser werden, geht die Aussagekraft der einzelnen Noten zurück. Ein Einser-Abitur darf nicht zur Mogelpackung werden. Wo sehr gut draufsteht, muss auch sehr gut drin sein, und das gilt nicht nur für Bayern.“

In diesem Zusammenhang ist es für den bpv entscheidend, die Anforderungen an das Abitur anspruchsvoll zu halten. Schwägerl fordert: „Es ist im Sinne aller, wenn das Abitur seinen Stellenwert als aussagekräftiges Messinstrument behält. Das Abitur muss Ausdruck echter Hochschulreife sein und darf nicht zu einer reinen Hochschulzugangsberechtigung werden.“ Für den bpv ist deswegen klar: Eine Vergleichbarkeit der Abituraufgaben auf Bundesebene ist wünschenswert - keinesfalls aber auf Kosten der Qualität. „Wenn ein anderes Bundesland der Meinung ist, die Messlatte bis zur Grasnarbe senken zu müssen, dann ist es nicht Aufgabe Bayerns, dem schlechten Beispiel nachzufolgen“, meint Schwägerl.

Abschließend stellt der Verbandsvorsitzende fest: „39.000 Prüflinge bedeuten auch 117.000 schriftliche Abiturprüfungen, die von jeweils zwei Kollegen korrigiert wurden. Im diesjährigen Abitur stecken zudem über 80.000 Kolloquien und mündliche Prüfungen, die vorbereitet, von zwei Lehrern durchgeführt und nachbereitet werden mussten. Nicht zu vergessen die unzähligen zusätzlichen Vorbereitungskurse und Einzelgespräche. Für diesen enormen Einsatz danke ich allen beteiligten Lehrkräften.“