GETRÜBTE STIMMUNG UNTER JUNGEN GYMNASIALLEHRKRÄFTE

Anhaltend schwierige Einstellungssituation trotz vorhersehbaren zusätzlichen Lehrerbedarfs

Zum Sommer 2018 hoffen ca, 1200 Bewerberinnen und Bewerber aus dem aktuellen Jahrgang und aus freien Bewerbungen auf eine Festanstellung in Bayern. Dazu kommen via Warteliste 2150 fertig ausgebildete Lehrkräfte der Vorjahre.

Für die Referendar- und Jungphilologenvertretung (rjv) im Bayerischen Philologenverband (bpv), dem Verband der Lehrkräfte an Gymnasien und Beruflichen Oberschulen, muss jetzt noch vorausschauender eingestellt werden. Rund 500 Einstellungen am Gymnasium und 80 Stellen an Fach- und Berufsoberschulen – diese Zahlen hat Kultusminister Bernd Sibler heute bekanntgegeben. Zusätzlich dazu absolvieren noch hunderte Gymnasiallehrkräfte die Sondermaßnahme zum Erwerb der Lehrbefähigung an Grund- und Mittelschulen.

Angelika Wildgans, die Vorsitzende der rjv, hält diese Einstellungssituation für verbesserungswürdig: „Sicher, die absoluten Zahlen sind höher als in den letzten Jahren, dennoch ist die Stimmung bei uns getrübt angesichts des riesigen Angebots und der Herausforderungen in Gegenwart und Zukunft. Da muss noch mehr kommen!“

G9 kommt - Lehrernachwuchs geht


Für 2025, wenn der erste G9-Jahrgang in die 13. Klasse kommt, wird derzeit in der Lehrerbedarfsprognose ein Bedarf von 2600 Lehrkräften am bayerischen Gymnasium prognostiziert. Viele hervorragend qualifizierte Absolventen, die keine Stelle in Bayern bekommen haben, werden bis dahin in andere Bundesländer oder Berufsfelder abgewandert sein und nicht mehr zur Verfügung stehen.

Wildgans erläutert: „Wenn man sich die Entwicklung in den anderen Bundesländern ansieht, ist ganz klar: Es wird in Zukunft noch intensiver um die bayerischen Absolventen geworben, denn in vielen Ländern herrscht Lehrermangel. Das merken momentan auch die Schulleiter der Gymnasien: Zwar bekommen sie beim längerfristigen Ausfall einer Lehrkraft wegen Krankheit oder weil der Lotse bzw. die Lotsin abgezogen wurde, finanzielle Mittel für Aushilfsverträge. Jedoch fehlt es vielerorts an den Köpfen: Die Alternativen für bayerische Gymnasiallehrer sind mittlerweile so gut, dass es gerade im ländlichen Raum große Schwierigkeiten gibt, die Aushilfsstellen überhaupt zu besetzen. Dagegen helfen nur echte Planstellen für die mobile und integrierte Reserve. Dies würde auch den Unterrichtsausfall senken.“

Die rjv appelliert deswegen an alle Entscheidungsträger in Bayern, bereits jetzt zugunsten einer Sicherung der hohen bayerischen Bildungsqualität vermehrt quali-fizierte Lehrkräfte am Gymnasium fest einzustellen. Der Verband hat bereits Maßnahmen vorgestellt, wie eine kontinuierliche Einstellung in den kommenden Jahren möglich wäre. Dazu Angelika Wildgans: „Gerade für einen erfolgreichen Wechsel zum neunjährigen Gymnasium 2025 könnten wir schon jetzt vorausschauend diejenigen Lehrkräfte binden, die der Freistaat sieben oder acht Jahre lang mit viel Steuergeld ausgebildet hat. Das bayerische Gymnasium zeigt große Qualitäten und die wollen wir erhalten.“