DIGITALISIERUNG UND SCHULE

Fachtagung Digitalisierung 2018

Keine g‘mahde Wiesn, eher unbestellte Prärie

Philologenverband fordert Köpfe und Konzepte

Bayern muss beim Thema Digitalisierung und Schule weiterhin führend bleiben und darf in seinen Anstrengungen auch in der neuen Legislaturperiode nicht nachlassen. Für den Bayerischen Philologenverband (bpv), der die Lehrkräfte an Gymnasien und Beruflichen Oberschulen vertritt, braucht es dazu mehr Köpfe und erprobte Unterrichtskonzepte mit Mehrwert.

„Digitales Lernen“ in den Koalitionsvertrag aufnehmen
bpv-Vorsitzender Michael Schwägerl sagte am Rande der Fachtagung „Digitalisierung – Schule – Werte“ in München: „Wir fordern CSU und Freie Wähler auf, das Thema digital gestütztes Lernen explizit im Koalitionsvertrag zu verankern. Die Schulen brauchen vor Ort genügend Zeit und Raum für den Einsatz und die Bewertung digitaler Medien sowie die Vermittlung erprobter Unterrichtskonzepte mit Mehrwert. Es reicht nicht aus, in die Hardware zu investieren und 50.000 digitale Klassenzimmer einzurichten. Notwendig sind ebenso eine Fortbildungsoffensive und die Stärkung der Systembetreuung.“

Bei der Fachtagung zeigte sich, dass die Einsatzmöglichkeiten digitaler Medien noch viel konkreter an den Schulen forciert werden können. „Digitalisierung in der Schule ist keine g‘mahde Wiesn, sondern unbestellte Prärie, die Pioniergeist erfordert. Wir wissen noch gar nicht, welche Chancen und Risiken die Zukunft mit sich bringt. Deswegen braucht es sowohl Freiräume als auch klare Leitlinien, um alles zu prüfen, das Gute aber zu behalten.“

Fortbildungsoffensive starten
Schwägerl verweist dabei auf die Wahlprogramme von CSU und Freien Wählern. „Wenn die Freien Wähler digitale Lernformate in Schulen nachhaltig etablieren wollen, dann geht das nur über die Lehrkräfte.“ Dies zeigte sich bei der Tagung auch beim Vortrag von Prof. Pietraß von der Universität der Bundeswehr: Die Lehrkraft ist im Zeitalter der digitalen Transformation wichtiger denn je, denn aufgrund der Fülle an Informationen und Möglichkeiten ist sie diejenige, mit deren Hilfe sich Schüler in einer zunehmend digitalisierten Welt zurechtfinden. Der bpv hat dazu bereits im vergangenen Jahr ein Fortbildungskonzept vorgelegt, das Zeitressourcen an allen Schulen vorsieht. So können die Lehrkräfte vor Ort passgenaue Unterrichtsszenarien und Stundenentwürfe entwickeln, die auf die Anforderungen und digitalen Möglichkeiten der Schule zugeschnitten sind.

Support stärken
Daneben braucht es personelle Unterstützung bei Wartung und Pflege der IT-Ausstattung. Schwägerl konkretisiert: „Dass der Systembetreuer an den Schulen Bildschirme aufstellt und Updates installiert, ist ein Relikt aus den 90ern. Der Einsatz digitaler Konzepte funktioniert nur, wenn die Lehrkraft ins Klassenzimmer kommt, anschaltet und alles funktioniert. Ohne professionelle Betreuung der Hardware wird die Digitalisierung an Bayerns Schulen nicht gelingen.“ Der bpv fordert daher eine Zweiteilung der IT-Betreuung an den Schulen: Der Systembetreuer ist in erster Linie Lehrkraft – er soll pädagogisch handeln und Ansprechpartner für die Kolleginnen und Kollegen sein. Daneben muss der Sachaufwandsträger – meist Städte, Kreise und Gemeinden – einen flächendeckenden und funktionierenden Hardware-Support anbieten. „Freistaat und Kommunale Spitzenverbände sind hier gefordert, sich endlich über die Finanzierung einig zu werden“, mahnt Schwägerl.