WIE DIGITAL SOLL DAS GYMNASIUM DER ZUKUNFT SEIN?

Der Bayerische Philologenverband beleuchtete auf seiner Fachtagung „Lernen von Anderen: Digitalisierung – Schule – Werte“ in Nürnberg verschiedene Dimensionen der Digitalisierung und stellte abschließend ein 9-Punkte-Programm vor.

„Die Digitalisierung ist auch in der Schule das Megathema des 21. Jahrhunderts. Diese zu gestalten und den Mehrwert für den Unterricht und die Schülerinnen und Schüler herauszuarbeiten, ist die große Herausforderung, der sich die Schule zu stellen hat“, begründet Michael Schwägerl, Vorsitzender des Bayerischen Philologenverbandes (bpv), die Notwendigkeit der Fachtagung.

Der bpv als Verband der Lehrkräfte an Gymnasien und Beruflichen Oberschulen legte gestern in Nürnberg ein 9-Punkte-Programm zu einer gelingenden Digitalisierung vor. Schwägerl weiter: „Weil Digitalisierung mehr umfasst als Schulbücher im pdf-Format muss aus unserer Sicht in vielen Bereichen nachgebessert werden.“

- Digitale Zukunft Wir müssen uns darüber verständigen, wie das Gymnasium die historische Herausforderung der Digitalisierung bewältigen und seinem Bildungsauftrag in einer digitalisierten Welt nachkommen kann. Medienkompetenz Medienkompetenz und informatische Grundkenntnisse gehören zu den Kulturtechniken, die Kinder und Jugendliche in der Schule erlernen müssen.
- Ausstattung Jedes Gymnasium benötigt eine verbindliche, bedarfsgerechte Mindestausstattung an Hard- und Software, die zuverlässig funktioniert, einfach in der Handhabung und vielseitig einsetzbar ist sowie eine IT-Infrastruktur, die durchgehend technisch betreut wird mit fachkundiger Beratung des Kollegiums durch die Systembetreuung. Dazu brauchen die Systembetreuer an den Schulen mehr zeitliche Ressourcen und Support.
- Inhalt Für den Unterricht mit digitalen Medien braucht es eine Vielfalt an qualitativ hochwertigen Lernangeboten, sinnvolle didaktische Konzepte und auf den Unterricht abgestimmte Materialien. Flankierend gehören dazu die Unterstützung von offen zugänglichen Bildungsangeboten (sog. „OER-Projekten“) und das Schaffen von verbindlichen rechtlichen Rahmenbedingungen, u.a. für die Nutzung kommerzieller digitaler Angebote, etwa von Schulbuchverlagen.
- Aus- und Fortbildung Damit Philologinnen und Philologen die Herausforderungen des Lernens und Lehrens im digitalen Klassenzimmer bewältigen können, brauchen sie qualitätsvolle Angebote in Lehreraus- und -fortbildung und zeitliche Ressourcen.
- Pädagogische Freiheit Wann und in welchem Umfang digitale Medien im Unterricht eingesetzt werden, entscheidet immer die einzelne Lehrkraft vor dem Hintergrund der jeweiligen Klasse, ihrer Schüler und der Unterrichts- und Schulsituation.
- Datenschutz Für die digitale Erfassung von personenbezogenen Daten braucht es verlässliche Grundlagen, eine einfache und zeitsparende Handhabung der Programme und spezielle Regelungen für die Datenschutzproblematik, die die pädagogischen Bedürfnisse der Schulen berücksichtigen.
- Digitale Kommunikation Für die digitale Kommunikation zwischen Lehrkräften, Eltern und Schülern werden Kommunikationssysteme benötigt, die speziell auf den Schulalltag abgestimmt sind und einen verlässlichen, sicheren Informations- und Datenaustausch ermöglichen.
- mebis Lehrkräfte und Schüler brauchen werbefreie, rechtlich abgesicherte pädagogische Plattformen wie mebis, um – sofern gewünscht – effektiv, rechtssicher und geschützt arbeiten zu können. Die Anwendung muss dabei „nutzerfreundlich“ sein, um flächendeckende Akzeptanz an den Schulen zu schaffen.

Das 9-Punkte-Programm ist Teil der Broschüre „Digitale Welten – Was Schüler und Lehrkräfte am Gymnasium bewegt“, die auch online unter https://www.bpv.de/schule--bildung/digitale-medien/index.html abzurufen ist.

Der Bayerische Philologenverband ging in seiner Fachtagung am 28.06. gemeinsam mit der Stadt Nürnberg und dem Bündnis für Bildung Fragen rund um das Thema Digitalisierung an Gymnasien und Beruflichen Oberschulen nach – mit einem Input aus der Arbeitsmarktforschung, Good Practice Beispielen aus Bayern und anderen Bundesländern und einem Podiumsgespräch zu Chancen und Herausforderungen für das Lernen im digitalen Zeitalter, unter anderem mit MdL Georg Eisenreich, Staatssekretär im Bayerischen Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst.