ELTERN IN BAYERN FÜR LÄNGERE LERNZEIT AM GYMNASIUM

Jetzt plädieren auch die Eltern in Bayern für eine längere Lernzeit am Gymnasium

Philologenverband: Herausforderungen gehen über die G9-Diskussion hinaus

Wenig überrascht zeigt sich der Vorsitzende des Bayerischen Philologenverbands (bpv), Michael Schwägerl, von der Umfrage der Landeselternvertretung (LEV) zur Verlängerung der Lernzeit: „Nachdem bereits ähnliche Umfragen in Nordrhein-Westfalen und in Augsburg gezeigt haben, dass jeweils 88% der teilnehmenden Eltern ein neunjähriges Gymnasium favorisieren, ist das heute veröffentlichte bayernweite Ergebnis von 80 Prozent eine Bestärkung dieses Trends. Jetzt steht fest, dass der Großteil der Eltern für mehr Lernzeit am Gymnasium plädiert und ein neunjähriges Modell favorisiert.“

Der bpv setzt sich schon seit Langem dafür ein, das G8 in seiner jetzigen Ausgestaltung zu reformieren und durch eine Verlängerung der Lernzeit die Qualität des Bayerischen Gymnasiums zu stärken. In einer internen Umfrage unter schwäbischen Schulleitern hatten sich zudem 61 von 62 Teilnehmern für eine neunjährige Variante ausgesprochen, ein weiterer für eine G8/G9-Wahlfreiheit.

Nach Elternumfrage: Auch das Saarland will G9 wieder zulassen

Erst gestern hat nach einer repräsentativen FORSA-Umfrage im Saarland mit einem eindeutigen Votum der Eltern für eine längere Schulzeit auch dieses Bundesland seine Abkehr vom reinen G8 angekündigt: Der saarländische Bildungsminister Ulrich Commercon teilte mit, er wolle es den Gymnasien des Landes freistellen, ob sie ihre Schüler weiterhin in acht oder künftig in neun Jahren zum Abitur führen. – Das Saarland war 2001 das erste westliche Bundesland gewesen, das die gymnasiale Schulzeit verkürzt hatte.

Stärkung der Digitalisierung durch Fortbildungsangebote

Für den bpv-Vorsitzenden ist die derzeit dominierende Diskussion um die Schulzeitdauer allerdings nicht die einzige Herausforderung, mit der sich die Gymnasien intensiv beschäftigen: „die Herausforderungen durch die Digitalisierung und beim Einsatz digitaler Medien im Unterricht sind enorm. Zu ihrer Bewältigung bedarf es nicht nur der Technik und guter pädagogisch-didaktischer Konzepte; die Umsetzung muss auch von einer groß angelegten Fortbildungsinitiative für die Kolleginnen und Kollegen begleitet werden. Denn die Anschaffung von iPads und das Aufhängen von Beamern reichen bei weitem noch nicht aus, um die Digitalisierung auch in der Schule dauerhaft und vor allem sinnvoll zu etablieren.“

Flächendeckender Ausbau der Begabtenförderung

Auch im Hinblick auf die bundes- und bayernweit zu Recht verstärkten Bestrebungen zu einer gezielteren Förderung begabter und Leistungsstarker Schüler sieht Schwägerl noch Nachholbedarf: „Ohne die schwächeren Schüler aus den Augen zu verlieren müssen wir auch die besonders Begabten noch mehr unterstützen. Das gehört schließlich zu den ureigensten Aufgaben des Gymnasiums. Hier fordern wir einen weiteren und flächendeckenden Ausbau der Begabtenförderung, so dass diese an jeder Schule geleistet werden kann. Dazu ist es nötig, an jedem bayerischen Gymnasium einen Begabtenbeauftragten als Mentor zu benennen, der erster Ansprechpartner rund um dieses Thema ist und die Angebote koordiniert. Zur vielzitierten Heterogenität der Schülerschaft gehören eben auch besonders begabte und leistungsstarke Schülerinnen und Schüler.“