DIGITALES LERNEN: IN DIE KÖPFE INVESTIEREN!

"Digitale Bildung gibt es nicht" stellt der Vorsitzende des Bayerischen Philologenverbandes (bpv) Michael Schwägerl anlässlich der heutigen Präsentation des „Monitor Digitale Bildung“ durch die Bertelsmann-Stiftung fest. „ Bildungsprozesse“, betont Schwägerl, „spielen sich in Menschen ab und werden primär durch Menschen vermittelt. Computer und neue Medien haben hier zwar eine wichtige, aber eben nur dienende Funktion. Richtig und wichtig ist es deshalb, nicht allein in die Hardware, sondern vor allem auch in die Köpfe zu investieren. Die Frage des Mehrwertes beim Einsatz von digitalen Hilfsmitteln oder Medien entscheidet sich im Einsatz an der Schule, im Unterricht, in der Vorbereitung und Organisation vor Ort. Dabei spielt auch der Faktor Zeit eine wichtige Rolle.“

Schwägerl sprach sich in diesem Zusammenhang für die Umsetzung des von seinem Verband vorgelegten Programms zu einer gelingenden Digitalisierung aus, das 9 Punkte umfasst:

- Digitale Zukunft: Wir müssen uns darüber verständigen, wie das Gymnasium die historische Herausforderung der Digitalisierung bewältigen und seinem Bildungsauftrag in einer digitalisierten Welt nachkommen kann.

- Medienkompetenz und informatische Grundkenntnisse: gehören zu den Kulturtechniken, die Kinder und Jugendliche in der Schule erlernen müssen.

- Ausstattung: Jedes Gymnasium benötigt eine verbindliche, bedarfsgerechte Mindestausstattung an Hard- und Software, die zuverlässig funktioniert, einfach in der Handhabung und vielseitig einsetzbar ist sowie eine IT-Infrastruktur, die durchgehend technisch betreut wird mit
fachkundiger Beratung des Kollegiums durch die Systembetreuung. Dazu brauchen die Systembetreuer an den Schulen mehr zeitliche Ressourcen und Support.

- Inhalt: Für den Unterricht mit digitalen Medien braucht es eine Vielfalt an qualitativ hochwertigen Lernangeboten, sinnvolle didaktische Konzepte und auf den Unterricht abgestimmte Materialien. Flankierend gehören dazu die Unterstützung von offen zugänglichen Bildungsangeboten (sog. „OER-Projekten“) und das Schaffen von verbindlichen rechtlichen Rahmenbedingungen, u.a. für die Nutzung kommerzieller digitaler Angebote, etwa von Schulbuchverlagen.

- Aus- und Fortbildung: Damit Lehrkräfte die Herausforderungen des Lernens und Lehrens im digitalen Klassenzimmer bewältigen können, brauchen sie qualitätsvolle Angebote in Lehreraus- und -fortbildung und zeitliche Ressourcen.

- Pädagogische Freiheit: Wann und in welchem Umfang digitale Medien im Unterricht eingesetzt werden, entscheidet immer die einzelne Lehrkraft vor dem Hintergrund der jeweiligen Klasse, ihrer Schüler und der Unterrichts- und Schulsituation.

- Datenschutz: Für die digitale Erfassung von personenbezogenen Daten braucht es verlässliche Grundlagen, eine einfache und zeitsparende Handhabung der Programme und spezielle Regelungen für die Datenschutzproblematik, die die pädagogischen Bedürfnisse der Schulen berücksichtigen.

- Digitale Kommunikation: Für die digitale Kommunikation zwischen Lehrkräften, Eltern und Schülern werden Kommunikationssysteme benötigt, die speziell auf den Schulalltag abgestimmt sind und einen verlässlichen, sicheren Informations- und Datenaustausch ermöglichen.

- mebis: Lehrkräfte und Schüler brauchen werbefreie, rechtlich abgesicherte pädagogische Plattformen wie mebis, um – sofern gewünscht – effektiv, rechtssicher und geschützt arbeiten zu können. Die Anwendung muss dabei „nutzerfreundlich“ sein, um flächendeckende Akzeptanz an den Schulen zu schaffen.

Das 9-Punkte-Programm ist Teil der Broschüre „Digitale Welten – Was Schüler und Lehrkräfte am Gymnasium bewegt“, die auch online hier abzurufen ist.