BAYERN VERLIERT BESTE NACHWUCHSPÄDAGOGEN

Schon wieder stehen hunderte Referendare vor einer ungewissen Zukunft. Die rjv fordert eine Erhöhung der Einstellungszahlen

Planstelle oder Bayern? – diese Entscheidung müssen auch dieses Jahr wieder hunderte fertig ausgebildete Gymnasiallehrer treffen – denn sie bekommen im Februar kein Einstellungsangebot vom Freistaat. Deswegen entscheiden sich immer mehr dafür, Bayern den Rücken zu kehren und in einem anderen Bundesland oder gar im Ausland als Lehrkraft zu arbeiten.

Unter diesem Motto, „Planstelle oder Bayern?“, steht deshalb die Jahreshauptversammlung der Referendar- und Jungphilologenvertretung (rjv) im Bayerischen Philologenverband (bpv), die am 09. und 10.12. in Ingolstadt stattfindet.

Jeder Zehnte erhält eine feste Stelle

Im Februar werden über 700 Pädagogen ihre Ausbildung am Gymnasium beenden. Setzt sich der Trend der letzten Jahre fort, werden nur ca. 70-80 eine Beamtenstelle angeboten bekommen. „Dass Jahr für Jahr bestens ausgebildete Pädagogen gezwungen sind, Bayern den Rücken zu kehren, um in ihrem Traumberuf arbeiten zu können, ist frustrierend“, so Dominik Lörzel, Vorsitzender der rjv. „Angesichts steigender Herausforderungen am Gymnasium wie Inklusion, Flüchtlingsbeschulung oder individuelle Lernzeit ist die derzeitige Einstellungspolitik nicht nachvollziehbar. Gerade zur qualitativen Weiterentwicklung des Gymnasiums brauchen wir in Zukunft mehr statt weniger Lehrer, vor allem im Interesse unserer Schüler“, so Lörzel weiter.

Länderfinanzausgleich der besonderen Art

Die rjv bemängelt seit Jahren, dass bei anhaltendem „Brain Drain“ beste Pädagogen, die über Studium und Referendariat lange und qualitätsvoll ausgebildet wurden, nun in andere Bundesländer wechseln, weil sie in Bayern keine unbefristeten Stellen bekommen. So ist z.B. jeder siebte neu eingestellte Lehrer in Berlin bayerischer Herkunft, für die rjv ein Länderfinanzausgleich der besonderen Art.

Am Wochenende diskutieren deshalb Referendare aus ganz Bayern in Ingolstadt bei der Jahreshauptversammlung der rjv, welche Alternativen es zum Lehrerberuf in Bayern gibt. In Workshops und auf Vorträgen geht es darum, wo die Nachwuchspädagogen noch Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben. „Natürlich ist es schade, wenn man sieht, wie wenige Lehrer eine Stelle bekommen. Aber gerade dann ist es auch unsere Pflicht als Verband, unseren Mitgliedern zu helfen und ihnen geeignete Perspektiven aufzuzeigen“, so Lörzel.

Gymnasiallehrer an der Mittelschule

Ein Teil der Absolventen wird eine Zukunft an der Mittelschule haben. Auch im Februar werden aufgrund der notwendigen Flüchtlingsbeschulung wieder Gymnasiallehrer an Mittelschulen in Oberbayern und Mittelfranken eingestellt. Lörzel dazu: „Natürlich ist die Mittelschule zunächst nicht die erste Wahl für die Absolventen. Aber die Rückmeldungen aus dem vergangenen Jahr haben uns gezeigt, dass viele Gymnasiallehrer dort sehr gute Arbeit leisten. Daher begrüßen wir ausdrücklich, dass wieder eine Sondermaßnahme aufgelegt wird.“

Neuwahl des Vorstands

Turnusgemäß finden am Samstag, den 10.12. auch Neuwahlen des Vorstands statt. Dominik Lörzel, der am Hans-Sachs-Gymnasium Nürnberg die Fächer Informatik und Wirtschaft/Recht unterrichtet, wird wieder als 1. Vorsitzender kandidieren. Die rjv vertritt Referendare und junge Gymnasiallehrkräfte in den ersten vier Dienstjahren. Bei der Jahreshauptversammlung werden mehr als 100 junge Lehrer von Passau bis Aschaffenburg in Ingolstadt tagen.
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