SOLL DIE MITTELSTUFE PLUS VERHINDERT WERDEN?

Riesige Enttäuschung bei Betroffenen nach Informationsrunde des Kultusministeriums

„Soll die Mittelstufe Plus verhindert werden?“ – Das ist die Frage, die sich nach der jüngsten Bekanntgabe weiterer Details über die Einführung der sog. Mittelstufe Plus, mit der Gymnasiasten eigentlich ein neunjähriger Bildungsgang ermöglicht werden sollte, nicht nur dem Bayerischen Philologenverband (bpv) aufdrängt. Verbandsvorsitzender Max Schmidt erklärte zu den nun den Schulleitern eröffneten Plänen des Kultusministeriums: „Ich teile die Enttäuschung vieler Schulleiter über die gegebenen Informationen: Zu den nun verkündeten Bedingungen wird es für viele ursprünglich interessierte Schulen wie auch Schüler unattraktiv bis unmöglich sein, sich um eine Teilnahme an diesem Pilotversuch zu bewerben.“ Er könne diejenigen gut verstehen, die jetzt den Eindruck haben, die Politik wolle mit restriktiven Vorgaben einen Erfolg der Mittelstufe Plus und damit einen regulären neunjährigen gymnasialen Weg zum Abitur trickreich torpedieren.

Zu den Vorgaben zählen:

  • Die Stundentafel für die Mittelstufe Plus ist noch in Arbeit; dem Vernehmen nach soll sie aber bei überraschend opulenten 32 Wochenstunden pro Schuljahr liegen! Das heißt, anders als erwartet besteht für Schülerinnen und Schüler in der Mittelstufe Plus gegenüber Schülern im regulären G8-Zug nur ein unbedeutender Stundenentlastungseffekt. Und das heißt auch: Nachmittagsunterricht wird für Teilnehmer an diesem Schulversuch wider Erwarten in jeder Jahrgangsstufe weiterhin unvermeidbar sein. Natürlich sollen Intensivierungsstunden und individuelle Fördermaßnahmen erhalten bleiben, aber der Freiraum sollte genutzt werden, um das von früher am Gymnasium herrschende Wahl- und Profilangebot wieder zu verankern. Eine Teilnahme sollte dabei wie früher vom Interesse und den Neigungen der Schüler abhängig sein können und nicht zwangsweise verordnet werden.
  • Insbesondere kleine Gymnasien werden – auch bei großem Interesse seitens der Schüler- und Elternschaft – allein schon aufgrund der extrem limitierten Ressourcen (nur 4 Zusatzstunden) keine besonderen Klassen für Schüler, die an dem Pilotversuch teilnehmen, einrichten können. Die Einrichtung von zusätzlichen Klassen (=“Klassenmehrungen“) schließt das Kultusministerium aus.
  • Aufgrund von aus den dürftigen Zusatzressourcen resultierenden organisatorischen Problemen kann es sein, dass Schülern der Mittelstufe Plus in manchen Fächern in der Klassenstufe „9+“ nichts als ein reines Wiederholen geboten werden kann.
  • Es dürfen sich nur staatliche Schulen um die Teilnahme an diesem Schulversuch bewerben. Damit werden von vornherein alle Gymnasien ausgeschlossen, gegenüber deren Schulleitungen das Kultusministerium nicht direkt weisungsbefugt ist.
  • Die Zählung der zusätzlichen Jahrgangsstufe mit 9+ soll wohl schönen, dass im Mittelstufe Plus-Modell die Mittlere Reife erst nach 11 vergeben wird. Die Unausgegorenheit des KM-Modells wird dann deutlich, wenn man sieht, dass Schüler in der Mittelstufe plus zur Mittleren Reife mindestens 222 Wochenstunden brauchen, während es an der Realschule mit 180 Wochenstunden 42 Wochenstunden weniger sind – und das, obwohl in der Mittelstufe Plus fast nur gymnasialgeeignete Schüler sind.
  • Die Sachaufwandsträger müssen dem Antrag auf Teilnahme an dem Modellversuch zustimmen. Möglicherweise will man damit von vorneherein vermeiden, dass in diesem Zusammenhang Kosten im Rahmen des Konnexitätsprinzips entstehen, obwohl während des zweijährigen Modellversuchs solche nicht zu erwarten sind. Erst im Endausbau einer gedehnten Mittelstufe würden in 5 Jahren im zusätzlichen Schuljahr Personal- und Sachaufwand zu schultern sein. Dieses künftige Vorgehen wird aber ohnehin erst im Landtag beschlossen werden müssen.

Der bpv-Vorsitzende Max Schmidt appellierte an die Adresse von Kultusminister Dr. Spaenle gewandt: „Die propagierte Ergebnisoffenheit des Modellversuchs darf nicht durch restriktiv- repressive Vorgaben und Rahmenbedingungen von vornherein torpediert und damit ad absurdum geführt werden! Ein Scheitern der von großen Hoffnungen vieler Schulleitungen, Eltern und Schüler begleiteten Mittelstufe Plus auf einen echten Fortschritt wäre dann nämlich nicht der einzelnen Schule, sondern einzig den politisch Verantwortlichen zuzuschreiben. Den auf die große Enttäuschung nun unzweifelhaft folgenden politischen Ärger würde man sich mit dem bpv- Gymnasialmodell ersparen.“ – Die im letzten März vorgelegten Überlegungen gehen von einem prinzipiell neunjährigen Gymnasium aus, in das ein achtjähriger Zug integrierbar ist.

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Peter Missy, bpv@bpv.de