NACHWUCHSLEHRKRÄFTE KEHREN DER SCHULE DEN RÜCKEN

Dringend benötigte Nachwuchslehrkräfte kehren der Schule den Rücken zu

Der Bayerische Philologenverband (bpv) warnt vor der Entwicklung, dass junge Gymnasiallehrkräfte wegen der schlechten Einstellungssituation dem Gymnasien verlorengehen, obwohl sie dort dringend gebraucht werden

Nahezu Volleinstellung an Grund- und Mittelschulen sowie Förderschulen, an den Gymnasien deutlich weniger Einstellungen als im Vorjahr – so stellt sich die Einstellungssituation im Bereich der staatlichen Schulen diesen Sommer dar. Hierzu erklärt der Vorsitzende des Bayerischen Philologenverbands (bpv) Max Schmidt: „An unserer Schulart verschlechtert sich die Lage gegenüber dem Vorjahr deutlich: Circa 30 % weniger Nachwuchslehrkräfte als im September 2014 werden an den Gymnasien eine Anstellung finden. Die für manche Fächer ohnehin schlechte Situation verschlechtert sich weiter. Dabei wird Nachwuchs dringend gebraucht! Es kann nicht sein, dass immer noch Unterricht in deutlichem Umfang ausfallen muss und andererseits Lehrkräfte zur Verfügung stehen, die genau diesen Bedarf abdecken könnten und die für wichtige Aufgaben gebraucht werden. Gerade am Gymnasium können wir beispielsweise die Hochbegabten immer noch nicht genügend fördern, obwohl die KMK genau das gefordert hat. In einem gegliederten Schulsystem sollten sich gerade am Gymnasium diejenigen sammeln, die zu besonderen Leistungen befähigt sind. Solche Fördermaßnahmen in andere Schularten zu verlagern, ist unnötig, wenn das Gymnasium dies per se leisten könnte, wenn es die dafür notwenigen Ressourcen hätte!“Schmidt machte auch darauf aufmerksam, dass inzwischen immer mehr Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund nicht nur die Fach- und Berufsoberschulen, sondern in spürbar zunehmender Zahl auch die Gymnasien als Weg zur Hochschulreife für sich entdeckten. Dies führe zu neuen Herausforderungen und einem so bislang so nicht gehabten Bedarf an Förderung, an den die Zahl der Lehrkräfte, gerade auch im Bereich der Deutschförderung, angepasst werden müsste.

Der dringend benötigte Nachwuchs geht dem Gymnasium verloren

Für sehr bedenklich hält Schmidt die Entwicklung, dass die schlechte Einstellungssituation dazu führt, dass sich viele junge Gymnasiallehrkräfte umorientieren und der Schule den Rücken kehren: „Ungefähr die Hälfte der Wartelistenberechtigten gibt keine Bereitschaftserklärung ab. Die Kolleginnen und Kollegen bekommen also dank ihrer hervorragenden Ausbildung und Qualifikation auch außerhalb des bayerischen Staatsdienstes Angebote und ziehen diese einer erneuten Bewerbung um eine Planstelle in Bayern vor. Damit sind sie für das bayerische Gymnasium, das sie so gut ausgebildet hat, verloren! Es ist doch widersinnig, dass wirLehrkräfte bestens ausbilden, um dann diesen eigentlich dringend benötigten Nachwuchs an andere Bundesländer oder Schularten zu verlieren!“

Großer Bedarf an Schulpsychologen und an den Beruflichen Oberschulen nicht gedeckt

Als weitere Beispiele für die Misere nennt der Vorsitzende die Situation der Schulpsychologen und an den Beruflichen Oberschulen: „Fächerverbindungen mit Schulpsychologie kommen bei der Einstellung extrem schlecht weg. Noch immer sind hier aber die Gymnasien unterversorgt! Eigentlich bräuchte jede Schule zwei Schulpsychologen – Arbeit gäbe es für sie genug! Chronisch unterversorgt bleiben auch die Beruflichen Oberschulen. Sie sind, was die Einstellungen anbelangt, wieder schlecht dran! Seit Jahren brauchen die Fachoberschulen und Berufsoberschulen aber mehr Lehrkräfte, um der steigenden Schülerzahl gerecht werden zu können!“