FLÜCHTLINGE KOMMEN, JUNGLEHRER (MÜSSEN) GEHEN

Zu Beginn des neuen Schuljahres in Bayern gibt der Freistaat aus der Perspektive vieler junger Lehrkräfte ein absolut paradoxes Bild ab:
Während die Zahl der Flüchtlinge und damit auch der Zustrom schulpflichtiger Kinder und Jugendlicher steigt und steigt, bewegen sich die Anstellungschancen insbesondere von gymnasialen Deutschlehrkräften haarscharf über Grasnarbenniveau. Konkret hat das bayerische Kultusministerium eben erst mitgeteilt, dass von 886 Bewerbern mit dem Fach Deutsch gerade einmal 65 an einem staatlichen Gymnasium angestellt wurden. Das entspricht einer Anstellungsquote von rund sieben Prozent! Mithin mussten sich ca. 93 Prozent dieser Bewerberinnen und Bewerber während der vergangenen Wochen anderweitig nach einem Arbeitsplatz umsehen. Für viele von ihnen bedeutete das: ‚Adieu, Bayern!‘ oder gar ‚Adieu, Schuldienst!‘

Max Schmidt, der Vorsitzende des Bayerischen Philologenverbandes (bpv), hält diese Situation gerade angesichts des vieltausendfachen Zuzugs junger Flüchtlinge und Asylbewerber für fatal: „Der Freistaat lässt sehenden Auges hochqualifizierte Lehrkräfte ziehen. Dabei wären gerade diese jungen Kolleginnen und Kollegen dafür prädestiniert, nach einer Nachqualifizierung in ‚Deutsch als Zweitsprache‘ den Neuankömmlingen die Grundlagen der deutschen Sprache beizubringen und so für diejenigen, die auf Dauer hier bleiben werden, einen wertvollen Beitrag zur Integration zu leisten.“
Schmidt erneuerte die bereits im Juli erhobene Forderung der bayerischen Lehrerverbände nach Schaffung einer Lehrer-Task Force, der zunächst pro Regierungsbezirk rund 100 Lehrkräfte angehören sollen. „So lässt sich die für beide Seiten schwierige Lage in eine Win-win-Situation verwandeln“, wirbt Verbandschef Schmidt für diese Idee.

Mittelstufe plus: Spannung auf Start des Pilotversuchs

Gespannt ist der Vorsitzende des Gymnasiallehrerverbandes auf den Start der Mittelstufe plus. Sie wird es an den 47 Pilotschulen Schülerinnen und Schülern ermöglichen, das Gymnasium regulär in neun statt acht Jahren zu absolvieren. Der bpv hat zwar angekündigt, den Versuch kritisch-konstruktiv zu begleiten. Dennoch monierte Verbandschef Schmidt kurz vor Schuljahresbeginn zum wiederholten Male das Festhalten Bayerns an der achtjährigen Gymnasialvariante als Regelform: „Die Politik sollte das Gymnasium von neun statt von acht Jahren her denken, organisieren und ausstatten. Das würde das Leben für Schüler, Eltern und Lehrkräfte nicht nur in vielem leichter machen; es würde vor allem helfen, das Lernen am Gymnasium zu vertiefen, noch schülergerechter zu gestalten und gleichzeitig zu entspannen. In diesem Sinne werden wir nicht nachlassen, uns für alternative Wege zu einem neunjährigen Bildungsgang am Gymnasium stark zu machen.“


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Peter Missy, bpv@bpv.de