WEITERENTWICKLUNG DES GYMNASIUMS: BPV ZIEHT BILANZ

Der Bayerische Philologenverband zieht zum Schuljahresende eine Bilanz der Debatte um die Weiterentwicklung des Gymnasiums

„Der Dialogprozess zur Weiterentwicklung des Gymnasiums tritt auf der Stelle!“, resümierte der Vorsitzende des Bayerischen Philologenverbands , Max Schmidt, jetzt am Ende dieses Schuljahres nach mehrmonatiger Diskussion. Er erklärte: „Die Positionen sind ausgetauscht, allein ein Ende der Debatte ist nicht in Sicht. Das ist ernüchternd für uns! Wir befürchten die Fortsetzung der bisherigen erfolglosen Nachbesserungspolitik ohne einen wirklichen grundlegenden Lösungsansatz. Der bpv strebt dagegen eine grundsätzlich zwischen allen Parteien und Verbänden konsensfähige Lösung an, die von neun Jahren her denkt. Eine entsprechende Grundsatzentscheidung tut bald Not, damit die Arbeit an der konkreten Ausgestaltung beginnen kann. Ziel muss es sein, den hohen Qualitätsstandard des bayerischen Abiturs angesichts der zunehmenden Heterogenität der gymnasialen Schülerschaft zu halten und zu sichern. Das bayerische Abitur muss die Gewähr für ein erfolgreiches Studium bieten, anstatt zu einer Hochschulzugangsberechtigung abzusinken, die nur noch geringen Aussagewert darüber hat, was die Absolventinnen und Absolventen des Gymnasiums wirklich wissen und können. Der bpv präferiert dafür einen gymnasialen Bildungsweg von neun Jahren, in den ein achtjähriger integriert ist." Dabei geht es aber nach Auffassung des Verbandes nicht nur um die Dauer, sondern vorrangig um eine inhaltliche Weiterentwicklung, die die Qualität des Gymnasiums für die Zukunft sicherstellt, wie sich etwa auf dem Gymnasialkongress am 10. Juli gezeigt habe. Dort sei sehr deutlich geworden, dass ein verkürztes Gymnasium für die Mehrheit der Schüler nicht mehr ausreiche, so der Verbandsvorsitzende. Das Gymnasium der Zukunft brauche mehr Zeit!

Max Schmidt warnte davor, den Ausgang des Volksbegehrens als Zustimmung zum achtjährigen Gymnasium in Bayern zu interpretieren. Er betonte: "Wer das tut, unterliegt einem fundamentalen Irrtum. Mit einem Weiterwursteln werden die angestrebte Kontinuität, Ruhe und Verlässlichkeit nicht einkehren. Zum einen muss Bayern eine Antwort darauf finden, dass inzwischen mehrere Bundesländer einem großen Teil ihrer Gymnasiasten mehr Bildungszeit einräumen, was auch qualitative Auswirkungen haben wird, zum anderen wünscht sich die große Mehrheit der bayerischen Direktoren von Gymnasien im ländlichen Raum eine echte G9-Option, um dort weiter zurückgehende Übertrittsquoten zu verhindern. Die bisher in der CSU diskutierten Modelle eines erweiterten Flexijahres oder auch eines Brückenjahres in der 10. Jahrgangsstufe ("Rosenheimer Modell") sind untauglich, weil sie keine durchgehende Entschleunigung ermöglichen."
Der Verbandsvorsitzende knüpfte an die Aussage des bayerischen Kultusministers an, der mehrfach beteuert habe, G 8 für alle sei falsch und G 9 für alle sei überholt: "Wenn diese These richtig ist, dann muss eine Reform des bayerischen Gymnasiums einem großen Teil der Gymnasiasten eine G9-Option öffnen, und zwar nicht wie bisher nur in der Theorie - bei 0,2 Prozent Flexijahrschülern -, sondern auch in der Praxis. Ansonsten schließe ich jede Wette darauf ab, dass die G9-Diskussion in Bayern nach der Sommerpause weitergeht."

Max Schmidt erinnerte an die vom bpv in Auftrag gegebene repräsentativen Bayernumfrage, wonach 80 Prozent der bayerischen Bevölkerung das G 8 ablehnen und ein Großteil davon für die Rückkehr zu einem G9 eintritt, mit der Möglichkeit für besonders gute Gymnasiasten, ein Jahr einzusparen. An dieser Grundüberzeugung der bayerischen Bevölkerung habe sich durch den Ausgang des Volksbegehrens mit Sicherheit nichts geändert, so der Verbandschef abschließend.