MITTELMÄßIGES ZEUGNIS FÜR GYMNASIALPLÄNE DER CSU

Bayerischer Philologenverband zu Plänen der Staatsregierung für die Weiterentwicklung des Gymnasiums

Der Bayerische Philologenverband (bpv) gibt den Vorschlägen der CSU für die Gymnasialreform nur ein „mittelmäßiges Zeugnis“, wie bpv-Chef Max Schmidt am Wochenende in München erklärte. Als Fortschritt sieht der Vorsitzende zwar die erstmalige Bereitschaft der CSU, G9-Züge am bayerischen Gymnasium zuzulassen. „Es soll für die Schüler offenbar eine echte Möglichkeit geben, sich für eine längere Gymnasialzeit zu entscheiden. Das ist auf jeden Fall ein deutlicher Fortschritt gegenüber dem Flexibilisierungsjahr.“ Die CSU mache damit einen grundlegenden Schritt hin zum G9.

Schmidt sieht CSU-Vorschläge zwiespältig

Schmidt kritisierte allerdings, dass die CSU weiterhin nicht bereit sei, das Gymnasium vom G9 her zu denken, wie es der bpv als umfassende Lösung für die nicht enden wollende Unruhe am Gymnasium vorgeschlagen hat, und das G8 als Regelfall verteidigt. „Der bpv ist weiterhin von der Richtigkeit seiner Eckpunkte überzeugt“, so Schmidt. „Wir sehen in unserem Modell die Chance auf eine inhaltliche Neuaufstellung des Gymnasiums, die dessen Qualität dauerhaft sichert.“ Die Vorschläge der Staatsregierung sehe der bpv-Vorsitzende hingegen „zwiespältig“. „Besonders problematisch“ sei, dass denjenigen, die den längeren Weg zum Abitur wählen, diese Entscheidung als Makel in der Bildungsbiografie ausgelegt werden könnte. „Der bpv-Vorschlag wäre da viel besser“, so Schmidt. Dabei hätten Schüler, die den schnelleren Weg wählen, schlichtweg einen Pluspunkt im eigenen Bildungsweg vorzuweisen. Schmidt hält bei der Frage nach acht oder neun Jahren eine flächendeckend gültige Entscheidung grundsätzlich für besser. Bei pädagogischen Neuerungen und der Gestaltung des Unterrichts, die derzeit auch diskutiert werden, seien hingegen Entscheidungen an den Schulen vor Ort sinnvoller. Der bpv werde sich hier kritisch und konstruktiv einbringen, so Schmidt.

Viele wichtige Fragen bleiben offen

Außerdem seien bei den CSU-Vorschlägen viele wichtige Fragen ungeklärt: Das Nebeneinander von einem acht- und einem neunjährigen Bildungsweg in der Mittelstufe etwa werfe massive organisatorische Schwierigkeiten auf. „Es ist völlig unklar, wie das jedes Gymnasium organisieren soll und wie die Staatsregierung in der Fläche ein Gymnasium erhalten will. Bayern darf das Gymnasium aber nicht spalten. Unsere Schüler brauchen Mobilität und Chancengerechtigkeit!“ Auch die Fragen nach der Gestaltung von Lehrplan und Stundentafel sowie dem Mittleren Bildungsabschluss seien ungeklärt. Schülerinnen und Schüler, die die Mittelstufe in vier statt drei Jahren durchlaufen, wären nämlich diejenigen, die den Mittleren Bildungsabschluss erst nach 11 Schuljahren und damit später als Mittel- und Realschüler erhalten. „Das wäre eine massive Benachteiligung der Gymnasiasten. Ich sehe noch nicht, wie wir da zu einer gemeinsamen Position kommen!“ Die Ideengeber müssten überzeugende Antworten geben.

Umstellung nicht zum Nulltarif

Die Umsetzung der vorgeschlagenen Pläne gehe zudem „nicht zum Nulltarif“, es brauche zusätzliche Lehrerstellen, so Schmidt weiter. Der Verbandsvorsitzende rechnet mit „einigen hundert Stellen“, die bei diesen Vorschlägen rasch geschaffen werden müssten. „Dort, wo die Nachfrage bei Schülern und Eltern nach einem längeren Bildungsweg am Gymnasium besteht, müssen die Ressourcen auch zur Verfügung gestellt werden!“ Offen bleibt für den bpv-Chef auch, wie Gymnasiasten im achtjährigen Weg von den Reformvorschlägen profitieren könnten: „Wir brauchen ja auch Entlastung für diejenigen, die heute das Gymnasium besuchen – und nicht erst für kommende Jahrgänge. Da muss schnell etwas geschehen!“

Schmidt: „Bayern braucht flächendeckend ein einheitliches Gymnasium“

„Unser Verband wird die Vorschläge der Staatsregierung sehr genau prüfen. Wir werden unsere Bedenken und Vorstellungen zudem in einem Brief an die CSU-Abgeordneten vor deren Klausurtagung im Kloster Banz noch einmal darstellen. Dabei geht es uns vor allem um die Frage, dass wir für ganz Bayern flächendeckend ein einheitliches Gymnasium wollen – ohne Hindernisse für die Mobilität der Familien und mit Planungssicherheit für die Sachaufwandsträger!“