MIT BESTNOTEN ZUM ARBEITSAMT

Dramatische Einstellungssituation für Gymnasiallehrer

„Zum aktuellen Einstellungstermin im Februar bekommen nur 170 von 800 Referendarinnen und Referendaren, die ihre Ausbildung an bayerischen Gymnasien abschließen werden, eine Stelle, 630 sehr gut ausgebildete Nachwuchslehrkräfte stehen vor dem Nichts!“ So benannte der Vorsitzende des Bayerischen Philologenverbandes (bpv) Max Schmidt anhand der Zahlen heute das ganze Ausmaß der dramatischen Einstellungssituation für Gymnasiallehrer in einer Pressekonferenz seines Verbandes. Die Vorsitzende der Referendar- und Junglehrervertretung (rjv) im bpv Lisa Fuchs stellte fest: „Besonders bestürzend und empörend ist der Umstand, dass unter denen, die leer ausgehen und nun vor dem Nichts stehen, auch Referendarinnen und Referendare mit Spitzennoten im Einserbereich sind! Selbst ihnen bleibt jetzt nur der Weg zum Arbeitsamt!” Als besonders verheerend betrachtete Fuchs zudem, dass es so in Zukunft wohl kaum Anreize gibt, dass die Besten sich für ein Lehramtsstudium entscheiden: „Und dabei wissen wir doch spätestens seit der Hattie-Studie, dass es bei erfolgreichem Unterricht ganz entscheidend auf den Lehrer ankommt!“

Streichung von Lehrerstellen im geplanten Haushalt nicht hinnehmbar

Dass die Situation im Sommer, wenn erfahrungsgemäß mehr Lehrerinnen und Lehrer eingestellt werden, Entspannung bringt, erscheint angesichts der Haushaltspläne der Staatsregierung äußerst unwahrscheinlich und nimmt den Betroffenen jegliche Hoffnung, in einem halben Jahr vielleicht doch noch eine Stelle zu bekommen. „Die Nachricht, dass zum 1. August 2014 im bayerischen Schulsystem 832 Lehrerstellen wegfallen sollen, davon 336 an den Gymnasien, ist einfach niederschmetternd und so nicht hinnehmbar! Wir können es uns nicht leisten, dass das Gymnasium – das Flaggschiff und Aushängeschild des bayerischen Bildungssystems – aufgrund der Sparpolitik der Regierung mit derartig erheblichen Qualitätseinbußen konfrontiert wird!“, erklärte Schmidt.

Forderungen an die Bayerische Staatsregierung

Schmidt und Fuchs erläuterten, was der bpv jetzt von der Bayerischen Staatsregierung fordert:

- Beschränkung der Unterrichtsverpflichtung von Referendarinnen und Referendaren im 2. Ausbildungsabschnitt auf höchstens 14 Wochenstunden!

- Abschaffung des als Notmaßnahme in Zeiten von Lehrermangel eingerichteten eigenverantwortlichen Unterrichts im 3. Ausbildungsabschnitt!

- Schaffung neuer Stellen wegen neuer Herausforderungen durch Inklusion, Unterrichtsausfall und Ausbau von Ganztagsschulen!

- Erweiterung der integrierten Lehrerreserve, die es den Gymnasien vor Ort ermöglicht, die Vertretungskontingente durch höhere Budgetzuweisungen eigenverantwortlich gering zu halten!

- Verkleinerung der Klassen, vor allem in den Fächern und Kursen, in denen das Abitur schriftlich abgelegt wird! Dies ist eine wichtige Voraussetzung für den späteren Bildungserfolg unserer bayerischen Schülerinnen und Schülern!

- Schaffung von mehr Einstellungsmöglichkeiten, auch an den Beruflichen Oberschulen!

- Ergänzung des an den Universitäten dringend benötigten zusätzlichen Personals durch Gymnasiallehrerinnen und -lehrer, die durch ihr vertieftes wissenschaftliches Studium bestens qualifiziert sind! Zeitlich befristete Abordnungen von Gymnasiallehrkräften können die Angebote im Grundstudium deutlich verbessern. Die Voraussetzungen und Rahmenbedingungen, die es für Gymnasiallehrerinnen und -lehrer attraktiv machen, für einige Jahre an die Universität zu wechseln, um dann an die Schule zurückzukehren oder sich wissenschaftlich weiterzuqualifizieren, müssen verbessert werden!

Rasche Maßnahmen für die Betroffenen nötig

Um den Betroffenen der Einstellungsmisere in der momentanen Situation rasch zu helfen, stellte Schmidt eine Reihe von weiteren Forderungen an die Regierung auf: „Die Ausbildung zum Gymnasiallehrer entwickelt nicht nur die Fähigkeit zu unterrichten, vielmehr besitzen unsere Nachwuchslehrkräfte eine Vielzahl weiterer Kompetenzen. Da bietet es sich doch an, dass die Politik mit den Wirtschaftsverbänden spricht, denn hier stehen jetzt hochqualifizierte Leute für mittlere Führungspositionen zur Verfügung. Gleichzeitig brauchen wir aber auch dringend an den Gymnasien hochqualifiziertes Personal für Aufgaben wie den Ausbau der Ganztagsschulen und die Förderung von Schülerinnen und Schülern mit Migrationsgeschichte. Hier sollte das Bildungsministerium mit dem Sozialministerium sprechen. Schließlich sind München und Augsburg die Großstädte in Deutschland mit dem höchsten Migrantenanteil. Mit den vielen Nachwuchslehrkräften, die jetzt ohne Stelle dastehen, darunter auch sehr viele mit einer Fächerverbindung mit Deutsch, ließe sich doch ein Programm für Deutsch als Zweitsprache auflegen.“