HAUPTVERSAMMLUNG DES bpv IN WÜRZBURG

Die Gymnasien nicht im Nebel, die Beruflichen Oberschulen nicht im Regen stehen lassen!

Lehrervertreter fordern nach wie vor eine Verlängerung der Gymnasialzeit für alle, die sie wollen oder brauchen und mehr Planstellen für die Beruflichen Oberschulen

„Die nach unserer letztjährigen Hauptversammlung von uns entwickelten Eckpunkte für eine Verlängerung der gymnasialen Schulzeit haben viel Beachtung, Zustimmung und Lob erfahren,“ erklärt der Vorsitzende des Bayerischen Philologenverbands Max Schmidt auf der diesjährigen Hauptversammlung, die vom 27. bis 29. November 2014 in Würzburg stattfindet. „Wir können mit Fug und Recht sagen, wir haben einen guten Vorschlag gemacht,“ erläutert Schmidt, „und wir gehen nach wie vor davon aus, dass das Gymnasium von neun Jahren her gedacht werden muss – mit einem Angebot für diejenigen, die es schneller in acht Jahren machen wollen und können. Wir bleiben dabei!“

Jetzt Mittelstufe Plus entwickeln

Der von der Staatsregierung vorgesehenen Mittelstufe Plus verschließt sich der Bayerische Philologenverband dennoch nicht. „Wir sehen, dass das Bildungsministerium hier bereit ist, einen echten Weg zu erproben, der mehr Schülerinnen und Schülern eine verlängerte Schulzeit ermöglicht. Das geht weit über das bisherige Flexibilisierungsjahr hinaus,“ erkennt Schmidt an und fügt hinzu: „Diesen Weg gemeinsam zu gehen, ist jetzt wichtig und er muss das Gymnasium aus dem Nebel, den seine Weiterentwicklung momentan noch umgibt, herausführen. Für den bpv zentral ist dabei, dass es zu keiner Deckelung kommt. Alle Schülerinnen und Schüler, die das Angebot nutzen wollen oder es brauchen, müssen es auch wahrnehmen können. Eine bürokratisch gesetzte Deckelung und pädagogische Entscheidungen passen nicht zusammen, da pädagogisches Denken immer die einzelnen Schülerinnen und Schüler mit ihren speziellen Bedürfnissen in den Blick zu nehmen hat und sich nicht an Zahlenvorgaben orientieren kann.“

Lehrpläne für die Mittelstufe von vier Jahren her denken

Für die Umsetzung der Mittelstufe Plus als besonders wichtig erachtet Schmidt, dass bei deren Weiterentwicklung von einem vierstufigen Modell ausgegangen wird: „Es gilt den Stoff auf vier Jahre zu verteilen und dabei die Entwicklung der Schülerinnen und Schüler und die Altersgemäßheit der Inhalte genau in den Blick zu nehmen. Für diejenigen, die die Mittelstufe in drei Jahren durchlaufen, kann dann überlegt werden, wie die Inhalte entsprechend komprimiert werden. Der umgekehrte Weg, nämlich von drei Jahren auszugehen und diese dann auf vier zu strecken, wäre sachfremd und wird nicht funktionieren, weil die Gefahr besteht, dass Lücken in der Kontinuität des Lernens entstehen, die dann aus Verlegenheit heraus gefüllt werden müssen!“

Kritik an derzeitigen Mittelstufe-Plus-Pläne hat breite Basis

Der Bayerische Philologenverband steht mit vielen seiner Forderungen zur Weiterentwicklung des Gymnasiums nicht alleine dar. In einem Positionspapier mit der Landes-Eltern-Vereinigung der Gymnasien in Bayern, der Bayerischen Direktorenvereinigung und dem Landesschülerrat in Bayern stellt der bpv gemeinsame Standpunkte dar (siehe Anlage). Dieses Papier unterzeichnen in Würzburg am Rande der Hauptversammlung gemeinsam mit bpv-Vorsitzendem Schmidt die Vorsitzende der LEV Susanne Arndt, der Vorsitzende der DV Karl-Heinz Bruckner und Landesschülersprecher Julian Fick.

Digitales Lernen: Lernen des 21. Jahrhunderts

Im Hinblick auf die methodische Weiterentwicklung der Gymnasialpädagogik bezeichnet Schmidt Digitales Lernen als zentralen Baustein für das Lernen im 21. Jahrhundert und kündigt an: „Unser Verband wird einen Arbeitskreis einsetzen, der sich umfassend mit Fragen Digitalen Lernens beschäftigen wird. Es gilt neben der rein methodischen Umsetzung im Unterricht auch Aspekte wie eine überall vergleichbare Ausstattung der Schulen und die Schaffung einer bayernweit gemeinschaftlich nutzbaren digitalen Infrastruktur inklusive der notwendigen Management- und IT-Service-Leistungen zu betrachten. Auch die Schulbuchverlage müssen bei der Weiterentwicklung des Digitalen Lernens sinnvoll eingebunden werden und zu einer integrierten digitalen Plattform beitragen!“

Weiterentwicklung der dienstlichen Beurteilung

In berufspolitischer Hinsicht steht auf der Hauptversammlung die Weiterentwicklung der dienstlichen Beurteilung im Vordergrund. „Für uns steht auf der einen Seite das Ziel der Qualitätssicherung, auf der anderen Seite die individuelle Leistungsbeurteilung der Lehrkräfte“, erklärt Schmidt und erläutert: „Die Beurteilung von Schulleiterinnen und Schulleitern und von Lehrkräften, die die Endstufe ihrer Besoldungsgruppe erreicht haben, ist weder notwendig noch sinnvoll. Sie muss wieder abgeschafft werden. Klar zu trennen von der dienstlichen Beurteilung ist die Qualitätssicherung, für die die Einführung der Erweiterten Schulleitung ein geeignetes Instrument sein kann, das statt auf eine Leistungsbeurteilung auf Mitarbeitergespräche und kollegiale Hospitation setzt.“

Planstellen für die Beruflichen Oberschulen

Mit Blick auf die Beruflichen Oberschulen fordert Schmidt: „Während die Gymnasien, was ihre Weiterentwicklung betrifft, im Nebel stehen, stehen die Beruflichen Oberschulen echt im Regen! Sie brauchen unbedingt mehr Planstellen, um die wachsenden Schülerzahlen zu bewältigen. Seit Jahren ist die Nachfrage nach dieser Schulart geschürt worden und die Zahl der Jugendlichen, die sich für diesen Weg entschieden hat, ist rapide gestiegen. Jetzt muss hier mit Planstellen auf der Lehrerseite nachgelegt werden, damit die Unterrichtsqualität erhalten bleiben kann! In vielen Fächern stehen sehr gut ausgebildete Nachwuchslehrkräfte nach Abschluss des Referendariats zur Verfügung!“