EINSTELLUNGSSITUATION NACH WIE VOR SCHLECHT

Einstellungssituation nach wie vor schlecht

Der Bayerische Philologenverband macht auf die im Vergleich auch zum neuen Schuljahr unbefriedigende Situation an den Gymnasien aufmerksam

Die bayerische Staatsregierung beabsichtigt zum neuen Schuljahr an Grund- und Mittelschulen über 2.250, in Förderzentren rund 470, an Realschulen rund 230, an Berufs- und Wirtschaftsschulen rund 200 und an Beruflichen Oberschulen über 150 Lehrkräfte neu anzustellen. Hinzu kommen über 200 neue Fach- und Förderlehrer für Grund-, Mittel- und Realschulen. An Gymnasien werden rund 550 Lehrkräfte neu angestellt. Während damit für Mittel- und Förderschulen nahezu Volleinstellung besteht und an Grundschulen über 75 % der Bewerberinnen und Bewerber bei aufgrund des demographischen Wandels zurückgehenden Schülerzahlen eine Stelle bekommen werden, werden an den Gymnasien nur weniger als die Hälfte der zum Septembertermin fertig werdenden Referendarinnen und Referendare eine Stelle finden. „Der politisch gewollte Erhalt auch noch kleinster Schulstandorte bei den Grundschulen geht auf Kosten der weiterführenden Schularten Gymnasium, Realschule und Berufliche Oberschulen!“, erklärte der Vorsitzende des Bayerischen Philologenverbands (bpv) Max Schmidt.

Noch immer viel zu viele viel zu große Klassen an den Gymnasien

Dabei besteht zwischen den Schularten eine eklatante Diskrepanz, was die Zahl zu großer Klassen anbelangt: Im Schuljahr 2012/13, dem letzten, für das entsprechende Zahlen vorliegen, gab es an staatlichen Schulen in Bayern an den 2.266 Grundschulen keine einzige Klasse mit über 30 Schülerinnen und Schülern, an den 926 Mittelschulen/Hauptschulen waren es nur 14. Ganz anders die Situation hingegen bei den 313 staatlichen Gymnasien: Hier sind es 841 Klassen. „In diesem Schuljahr dürften die Zahlen nur unwesentlich anders gewesen sein. Wir könnten die Nachwuchslehrkräfte also für die Abdeckung der regulären Unterrichtsversorgung – gar nicht zu reden von neuen Aufgaben wie Inklusion oder Ganztag – gut brauchen, um kleinere Klassen zu ermöglichen, zum Wohle der Schülerinnen und Schüler, aber auch der Lehrkräfte, deren Belastung durch Unterricht in großen Klassen natürlich vergleichsweise hoch ist!“, stellte der bpv-Chef fest.

Wieder einmal droht vielen gymnasialen Nachwuchslehrkräften die Arbeitslosigkeit – Einstellungskorridor offen halten!

Die Vorsitzende der Referendar- und Jungphilologenvertretung (rjv) im bpv Lisa Fuchs stellte fest: „Wir wären sehr froh über solche Einstellungszahlen wie an den Grund-, Mittel- und Förderschulen! Diesen Sommer wird es neben den freien Bewerbern ?rund 1.000 Nachwuchslehrkräfte geben, die an den Gymnasien mit ihrer Ausbildung fertig werden. Mehr als die Hälfte von ihnen wird keine Planstelle erhalten. Zusätzlich hoffen ca. 1.500 Wartelistenbewerber auf eine Stelle beim Freistaat Bayern, aber mit noch geringeren Chancen: höchstens 15% von ihnen werden Erfolg haben. Vielen droht somit der Gang zur Arbeitsagentur. Da die Einstellungschancen stark von den Fächerkombinationen abhängig sind, wird es auch wieder Absolventinnen und Absolventen im Spitzenbereich treffen. Während die Situation im MINT-Bereich und für Bewerberinnen und Bewerber mit Evangelischer Religionslehre, Kunst und Musik vergleichsweise gut ist, ist sie mit Deutsch und modernen Fremdsprachen in Kombination etwa mit Geschichte oder Geographie äußerst schlecht. Für die besten Bewerberinnen und Bewerber muss deshalb ein ausreichend breiter Einstellungskorridor eingerichtet werden, damit wenigstens sie eine Chance haben! Es kann ja nicht sein, dass selbst Referendarinnen und Referendare mit Spitzennoten keine Anstellung erhalten und nach ihrer Ausbildung arbeitslos sind und von Hartz IV leben müssen!“

Beabsichtigte Einstellungen auch an den Beruflichen Oberschulen unzureichend

Die Referatsleiterin für Fach- und Berufsoberschulen im Bayerischen Philologenverband (bpv) Irmgard Kunzfeld unterstreicht, dass mit den Plänen des Bildungsministeriums auch an den Beruflichen Oberschulen nach wie vor Lehrkräfte fehlen werden: „Angesichts von 3.300 Schülerinnen und Schülern mehr im kommenden Schuljahr braucht unsere Schulart 200 zusätzliche Planstellen, um die Unterrichtsversorgung sicherzustellen. Die vorgesehenen 150 Einstellungen, von denen nur 90 neue Stellen sind, während die restlichen ausscheidende Lehrkräfte ersetzen, reichen also bei Weitem nicht aus! Wir brauchen 110 weitere Stellen, um den aktuellen Bedarf im Schuljahr 2014/15 decken zu können! Zumindest in den Nicht-Mangelfächern stehen dafür hunderte hoch qualifizierte Bewerberinnen und Bewerber zur Verfügung!“