SO BLEIBEN BAYERNS GYMNASIEN AUF DER ERFOLGSSPUR

Ideen und Forderungen des Bayerischen Philologenverbandes

„Das bayerische Gymnasium ist die im internationalen Vergleich erfolgreichste Schulart mit den - auch langfristig - besten Ergebnissen seiner Schülerschaft; es ist in seinen Inhalten und Unterrichtsformen modern, aber nicht modernistisch. Die Erfolge seiner Schülerinnen und Schüler beruhen nachweislich ganz wesentlich auf einer gewachsenen, wohldurchdachten Mischung aus hervorragender fachlicher, didaktischer und pädagogischer Ausbildung der Lehrkräfte, die die ganze Klaviatur traditioneller und moderner Unterrichtsmethodik beherrschen und intelligent anwenden.“ Insofern, so der Vorsitzende des Bayerischen Philologenverbandes (bpv) Max Schmidt, sei das Gymnasium auf einem guten Weg. Damit es jedoch weiterhin in der Erfolgsspur bleibe, fordert die Interessenvertretung der Gymnasiallehrerschaft weitere Investitionen und Modifikationen für das Flaggschiff des bayerischen Schulwesens:

1. Am Gymnasium nehmen die Eigeninitiative der Schüler sowie Erfahrungs- und Handlungsräume, in denen sich die Kinder und Jugendlichen ausprobieren können, einen hohen Stellenwert ein – nicht nur im Unterricht, auch in den zahlreichen außerunterrichtlichen Aktivitäten: Wissen und Fähigkeiten zu erproben, eigene Meinungen auszubilden, sich selbst reflektieren und sich mit verschiedenen Sichtweisen auf die Welt auseinandersetzen zu können liegt im Wesenskern des Gymnasiums. Moderne Lehr- und Lernformen, Projektarbeit und außerschulische Lernorte sind dabei regelmäßig das Mittel der Wahl für Gymnasiallehrkräfte. Hier zahlen sich Investitionen in kleinere Klassen und Kursgruppen aus. Der Bayerische Philologenverband fordert daher eine Qualitätsoffensive, um die von vielen Lehrkräften seit Jahren befürwortete Obergrenze von 15 Schülern in den Seminaren, 20 Schülern in den Kursen der Oberstufe und 25 Schülern in allen anderen Klassen endlich realisieren zu können.

2. Das Gymnasium zielt nach seinem Selbstverständnis und dem seiner Lehrkräfte in besonderer Weise, z. B. über die ästhetische Bildung, auf den ganzen Menschen. Wer behauptet, es gehe in dieser Schulart allein um schlichtes Fakten-Lernen, hat sie nicht verstanden. Vielmehr geht es um die - wissensbasierte - Entwicklung einer kreativen, selbstständigen Persönlichkeit, die Aufgaben und Problemstellungen in besonderer Tiefe erfasst. Die Lerngegenstände sind deshalb vielschichtig und komplex. Fachliches Wissen geht immer einher mit analytischem und vernetztem Denken, dem Erkennen und Schaffen von Strukturen, der Entwicklung von Problemlösestrategien, Abstraktions- und Reflexionsfähigkeit, kreativem und interdisziplinärem Denken, dem Erwerb von Methoden zur Wissensverarbeitung, personalen und sozialen Kompetenzen, einem nachhaltigen Wissensmanagement und verantwortlichem Verhalten für sich, die Gesellschaft und Umwelt. Das Gymnasium braucht deshalb in Form und Inhalt eigenständige, auf die Bedürfnisse dieser Schulart und seiner Schülerschaft abgestimmte Fachlehrpläne. Die Überlegungen, alle Schularten beim neuen Lehrplan in ein einheitliches Korsett zu zwingen, sind absolut kontraproduktiv und werden daher abgelehnt.

3. Das Gymnasium ist die einzige Schulart, die ihre Schülerschaft primär auf ein Hochschulstudium vorbereitet. Zurecht ist daher an keiner anderen Schulart das fachliche Angebot so breit, der inhaltliche Fokus so tief und die Behandlung der Themen so anspruchsvoll. Gerade weil zahlreiche Vergleichsstudien zeigen, dass Gymnasiallehrkräfte besonders gut auf ihre Aufgaben vorbereitet sind, sollten die bewährten Ausbildungsstrukturen nachgeschärft werden: Die Fachlichkeit muss noch mehr ins Zentrum der universitären Ausbildung rücken, um das nachfolgende Referendariat zu entlasten. Die Modularisierung des gymnasialen Lehramtsstudiums war hier kontraproduktiv. Qualitätssteigernd ist ein klar strukturiertes fachliches Studienangebot und die zentralen Prüfungen zum 1. Staatsexamen. Hier sind auch die Universitäten zu einem kritischen Hinterfragen mancher Entwicklungen aus dem sog. Bologna-Prozess aufgerufen.

4. Gymnasien haben sich wie keine zweite Schulart den modernen Kenntnissen und Forderungen der Bildungsforschung geöffnet. In den Schulversuchen Modus 21 und Modus F wurden diese Erkenntnisse zunächst in der Praxis erprobt und dann für alle Gymnasien ermöglicht: ein wertvoller Erfahrungsschatz, der gewährleistet, dass auch in Zukunft der Unterrichtsbetrieb nach den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen organisiert wird. Dies garantieren Schulleiterinnen und Schulleiter, die nach leistungs- und befähigungsrelevanten Merkmalen ausgewählt wurden. Doch dazu brauchen sie endlich die notwendige Leitungszeit und einen erweiterten Mitarbeiterstab, der ihnen eine systematische Personal- und Schulentwicklung besser ermöglicht.

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. Der Erfolg der anspruchsvollsten und am stärksten nachgefragten Schulart des bayerischen Schulwesens hat in einigen Regionen des Freistaats zu Schulgrößen geführt, die die Idealgröße von ca. 800 Schülern bei weitem überschreiten. Während kleinere Gymnasien problemlos auf hohem qualitativen Niveau geführt werden können, stoßen die größten bayerischen Gymnasien mit mehr als 1400 Schülerinnen und Schüler allmählich an Grenzen, die ihren Bildungsauftrag erschweren. Der Bayerische Philologenverband fordert deshalb gezielte Maßnahmen, die kleinere Schuleinheiten stützen und übergroße Schulen vermeiden.


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Peter Missy, Bayerischer Philologenverband
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