SCHÜLER WOLLEN KEIN DURCHWINKEN BIS ZUM ABITUR!

Als „abgehobene Politiker- und Lobbyistendiskussion, die völlig am Bewusstsein und den Wünschen der Betroffenen vorbeigeht“, wertet der Vorsitzende des Bayerischen Philologenverbandes (bpv) Max Schmidt die jüngste Debatte um eine Abschaffung des Sitzenbleibens in Deutschland. In dieser Auffassung sieht sich Schmidt einmal mehr bestätigt durch die Ergebnisse einer repräsentativen Forsa-Umfrage, die heute veröffentlicht wurde: Danach befürworten 85 Prozent der Schüler und Studierenden die Beibehaltung der Möglichkeit eines verpflichtenden schulischen Wiederholungsjahres, nur ein kleiner Teil von 14 Prozent möchte das sog. ‚Sitzenbleiben’ abgeschafft wissen.

Nicht Strafe, sondern Chance

Das Umfrageergebnis deutet für Schmidt darauf hin, dass gerade junge Menschen das Sitzenbleiben nicht primär als Strafe ansehen, sondern als im Einzelfall auch einmal schmerzhaftes, dabei aber probates Mittel werten, schulische Lücken zu schließen und den angestrebten Bildungsabschluss doch noch zu erreichen. Tatsächlich wäre es für Schmidt auch menschlich nicht vertretbar, sehenden Auges Schülern trotz großer Defizite das Vorrücken bis zur schulischen Abschlussprüfung zu erlauben, um sie dort dann scheitern zu lassen. „Der Schaden für das Kind wäre ungleich größer als der behauptete ‚Schaden’ durch ein Wiederholungsjahr, das die meisten betroffenen Schüler sinnvoll für sich zu nutzen vermögen“, sagte Schmidt unter Verweis auf eine große Studie des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung: Diese kommt zu dem Ergebnis, dass die Hälfte der Sitzenbleiber einen besseren Abschluss erreichen als vergleichbare Nicht-Sitzenbleiber. „Ein klug genutztes Wiederholungsjahr ist weniger eine Strafe denn eine Chance“, bestätigt Schmidt - auch aus seiner langjährigen eigenen Erfahrung als Lehrer und Kollegstufenbetreuer eines großen Gymnasiums.

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