JUNGLEHRER: SORGE UM DIE ANSTELLUNGSSITUATION

„45 Jahre rjv mischt mit“ – Junglehrervertreter tagen in Ingolstadt

„45 Jahre rjv mischt mit“ – unter diesem Motto treffen sich am kommenden Wochenende mehr als 100 Referendarinnen und Referendare aus ganz Bayern zur traditionellen Jahreshauptversammlung der Referendar- und Jungphilologenvertretung (rjv) des Bayerischen Philologenverbands (bpv) in Ingolstadt.

Während eines Festakts, bei dem zahlreiche Ehrengäste aus Landtag, Kultusministerium und Verband anwesend sein werden, blicken die Jungphilologen auf 45 Jahre erfolgreiche Arbeit zurück. In den turbulenten 1968ern gegründet, setzt sich der Verbandsnachwuchs auch heute noch für die Referendare und Junglehrer an den bayerischen Gymnasien ein. Die Themen haben sich seitdem wenig geändert: wissenschaftlich und pädagogisch hochwertige Ausbildung statt Unterrichtsfeuerwehr, angemessene Besoldung, verbesserte Anstellungschancen für hochqualifizierte Bewerber.

Die Jungphilologen blicken auf ihrer Tagung aber auch in die Zukunft des Gymnasiums. So beschäftigen sie sich in zahlreichen Workshops mit Themen wie Inklusion und Individualisierung, mit neuen Medien im Unterricht sowie mit dem digitalen Schulbuch. „Diese Themen kommen in der – ansonsten hervorragenden Lehrerbildung – zu kurz!“, weiß der Vorsitzende der rjv, Julius Müller.

Aber jede gute Ausbildung nutzt nichts, wenn man danach keine Anstellung erhält: Daher informieren sich die Referendare während der Tagung auch über Alternativen zum Schuldienst. Denn auch weiterhin werden nicht alle der derzeit 4000 Referendare nach der Ausbildung eine Anstellung erhalten. „Im kommenden Jahr erwarten wir wieder eine miserable Anstellungssituation am Gymnasium“, befürchtet Müller. „Wir werden aber das teuer und hochqualifiziert ausgebildete Personal in den Gymnasien brauchen! Zusätzliche Zukunftsaufgaben wie der Ausbau der individuellen Förderung und der Ganztagesangebote, der Sprachförderung für Schülerinnen und Schüler mit Migrationsgeschichte oder aus bildungsfernen Elternhäusern und nicht zuletzt auch die Inklusion brauchen zusätzliche Lehrkräfte“, fordert Müller für seine Kolleginnen und Kollegen.

Müller kündigt auch an, die rjv werde sich aktiv an der Entwicklung des neuen G9-Konzepts des Bayerischen Philologenverbands beteiligen: „Hier geht es um die Zukunft des bayerischen Gymnasium! Und daran sind wir jungen Lehrkräfte natürlich in besonderem Maße interessiert!“

Julius Müller hat die rjv seit 2010 geführt. Besondere Anliegen seiner Arbeit waren die Sicherung der Qualität in der Lehrerbildung und die Verbesserung der Anstellungssituation. Mit großer Vehemenz hat er sich deshalb nicht zuletzt immer wieder für die Abschaffung des eigenverantwortlichen Unterrichts im 3. Ausbildungsabschnitt eingesetzt, da dieser „eine Chancenungleichheit bei der Examensvorbereitung verursacht und Einstellungen verhindert.“ Bei den turnusgemäßen Vorstandswahlen am morgigen Samstag wird Müller nicht noch einmal antreten. Für seine Nachfolge kandidiert Lisa Fuchs aus München. Fuchs ist bisher Stellvertreterin Müllers.