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Buch „Karl Bosl – Annäherung an eine Persönlichkeit. Leistungen – Fehlverhalten.“ von Dr. Dirk Walter vorgestellt

Prof. Dr. Karl Bosl (1908 – 1993) zählt nicht nur zu den über die Landesgrenzen hinweg bekannten und prägenden Gestalten der bayerischen Geschichtswissenschaft nach 1945, er war auch Motor der Wiederbegründung des Bayerischen Philologenverbandes (bpv) nach dem Zweiten Weltkrieg und von 1949 bis 1954 dessen Erster Vorsitzender. In den letzten Jahren hat sein Verhalten insbesondere in der Zeit des Nationalsozialismus und der unmittelbaren Nachkriegszeit aufgrund neuer Veröffentlichungen zu lebhaften und kontroversen Debatten geführt. Dem Bayerischen Philologenverband war es im Jahr seines 150-jährigen Gründungsjubiläums ein großes Anliegen, die damit verbundenen Vorwürfe gegen Bosl aufzuarbeiten. Das von Dr. Dirk Walter, Zeithistoriker und Redakteur beim Münchner Merkur, verfasste Buch „Karl Bosl – Annäherung an eine Persönlichkeit. Leistungen – Fehlverhalten.“ ist gestern in München im Rahmen einer Pressekonferenz der Öffentlichkeit vorgestellt worden.

Zentrale Erkenntnis der Darstellung von Dr. Walter ist, dass die umstrittene Entnazifizierung von Bosl angesichts neuer Quellen anders interpretiert werden müsse. Bosl habe zwar bei seiner Entnazifizierung 1947/48 etliche Persilscheine benutzt, die zum Teil falsche Behauptungen enthielten – zum Beispiel, dass Bosl kurz vor Kriegsende 1945 in Ansbach ein Wehrmachtskabel durchschnitten und anti-nationalsozialistische Flugblätter verteilt habe. Anders als von den Autoren Peter Herde und Benjamin Kedar behauptet, habe Bosl aber nicht die Hinrichtung eines seiner Schüler, Robert Limpert, in Ansbach für sich ausgenutzt und sich eine Widerstandslegende angeeignet. Wichtig war stattdessen, dass Bosl just im März 1948 entnazifiziert wurde. Just zu dieser Zeit wurde auch ein Regierungsbeamter von der Spruchkammer verurteilt, der am Tod Limperts mitschuldig war. Da Bosl in die Hinrichtung nicht verwickelt war, der Beamte hingegen schon, war die Einstufung Bosls als Entlasteter nach damaligen Maßstäben angemessen. Insgesamt sei die Vita Bosls aber noch zu wenig erforscht. Wünschenswert sei eine moderne, vergleichende Biografie.

Das Buch „Karl Bosl – Annäherung an eine Persönlichkeit. Leistungen – Fehlverhalten.“ von Dr. Dirk Walter ist in der Schriftenreihe des Bayerischen Philologenverbands erschienen und bei diesem für 19,80 Euro erhältlich.