AUS TRADITION FÜR QUALITÄT!

Hauptversammlung des Bayerischen Philologenverbands in Amberg

Aus Tradition für Qualität: Das Gymnasium auf dem Weg in die Zukunft!

Lehrervertreter fordern: Qualitätssicherung bei gymnasialer Bildung und Abitur


Die Sicherung der Bildungsqualität am bayerischen Gymnasium auch in der Zukunft steht im Mittelpunkt der Hauptversammlung des Bayerischen Philologenverbands (bpv), die im 150. Jahr seines Bestehens vom 28. bis 30. November 2013 in Amberg stattfindet. „Unser Gymnasium ist die Schulart, die nicht nur die Berechtigung, sondern eine echte Befähigung zum universitären Studium vergibt. Das muss auch so bleiben!“, erklärt der bpv-Vorsitzende Max Schmidt, der gestern Abend von den Delegierten bei den turnusgemäßen Vorstandswahlen mit 82 % der Stimmen im Amt bestätigt wurde. Schmidt erläutert zum Übergang vom Gymnasium an die Universität: „Bayerische Abiturienten sollen keine Vorsemester oder Hochschuleingangsprüfungen brauchen, um erfolgreich studieren zu können. Das bayerische Gymnasium und das bayerische Abitur werden sie auch in Zukunft uneingeschränkt dazu befähigen! Gleichzeitig gibt es mit den Beruflichen Oberschulen eine weitere Schulart, die ebenfalls auf qualitätvolle Art und Weise zur Hochschule führt. Diese beiden Wege ergänzen sich und es gilt, deren Qualität für die Zukunft zu sichern und dabei Bewährtes beizubehalten und gleichzeitig unsere Schulen mit durchdachten Konzepten und ausreichend Ressourcen sinnvoll weiterzuentwickeln!“

Begabtenförderung flächendeckend sichern

Als eines der Handlungsfelder sieht Schmidt die Begabtenförderung: „Wir brauchen ein flächendeckendes Förderungssystem an allen Gymnasien mit entsprechenden Lehrkräften, die ausgestattet mit den entsprechenden Ressourcen als Mentoren fungieren können. Nur so schaffen wir es auch, alle besonderen Begabungen zu entdecken und entsprechend zu fördern! Besonderer Bedeutung kommt hierbei auch der Schnittstelle am Übergang vom Gymnasium zur Universität zu: Hier muss ein Instrument gefunden werden, mit dem Kontinuität gewährleistet wird. Die universitäre Förderung muss nahtlos an die schulische anschließen können. Es darf hier nicht sein, dass wieder bei Null angefangen werden muss!“

Bedarfsgerechte und qualitätvolle Ganztagesangebote

Zum weiteren Ausbau der schulischen Ganztagsangebote in Bayern fordert Schmidt: „Ganztagesangebote müssen bedarfsgerecht gemacht werden, nur so können schulisches Angebot und Nachfrage der Eltern – die ja durchaus in einem Flächenstaat wie Bayern regional sehr unterschiedlich ist – sinnvoll zur Deckung gebracht werden! Dazu brauchen wir verlässliche Bedarfsanalysen! Und die Qualität muss stimmen – wir brauchen sowohl gut ausgebildetes und qualifiziertes Personal als auch gut ausgestattete, geeignete Räume für den Erfolg der Angebote. Nur so kann eine optimale Förderung für die Schülerinnen und Schüler sichergestellt werden!“

Hohe Zahl an Nachwuchslehrkräften für die Qualitätssicherung an Schulen nutzen – Studienräte an Universitäten einsetzen

Mit Blick auf die hohe Zahl an Gymnasiallehrern, die derzeitig an den Universitäten und im Referendariat ausgebildet werden, mahnt Schmidt: „Darin, dass in Bayern in den kommenden Jahren viele sehr gut ausgebildete Nachwuchslehrkräfte nach Abschluss des Referendariats zur Verfügung stehen werden, liegt eine echte Chance. Erstens können an den Gymnasien die Ganztagesangebote und andere Möglichkeiten individueller Förderung mit qualifiziertem Personal ausgebaut werden. Wie bei der Individuellen Lernzeit und bei der Integrierten Lehrerreserve müssen hier die entsprechenden Mittel ausreichend zur Verfügung gestellt werden! Der Weg, dass zusätzliche Aufgaben mit zusätzlichen Ressourcen ausgestattet werden, muss weitergegangen werden! Nachdem viele Deutschlehrkräfte unter den zukünftigen Absolventen sein werden, besteht im Bereich individueller Förderung beispielsweise auch die Möglichkeit, gezielte Sprachförderung für Schülerinnen und Schülern mit Migrationsgeschichte oder aus bildungsfernen Elternhäusern zu gestalten. Und zweitens können an den Universitäten für die am besten qualifizierten jungen Lehrkräfte Stellen geschaffen werden, um dort mit Studienräten im Hochschuldienst das Angebot der Grundausbildung in der universitären Lehre angesichts steigender Studierendenzahlen weiter zu verbreitern.

Gleiche Bildungsqualität in Stadt und Land

Als weitere wichtige Zukunftsaufgabe bezeichnet Schmidt den Erhalt gleicher Bildungsqualität in Stadt und Land: „Angesichts auch der demografischen Entwicklung muss unser Augenmerk der Gefahr gelten, dass zwischen verschiedenen Regionen Bayerns eine Schere im Bildungsbereich aufgeht. Den besonderen Erfordernissen gerade auch kleinerer Gymnasien im ländlichen Raum muss Beachtung geschenkt werden! Vor dem Hintergrund ganz unterschiedlicher Übertrittsquoten gilt es nicht zuletzt auch, die Beratungsqualität zu erhöhen, damit unabhängig von der Region, in der sie leben, alle Schülerinnen und Schüler diejenige Schulart besuchen, die ihre spezifischen Lernbedürfnisse am besten fördert! Ganz besonders gilt es dabei auch darauf zu achten, im ländlichen Raum mit seinen niedrigeren Übertrittsquoten alle ‚Begabungsreserven‘ auszuschöpfen. Kinder mit gymnasialer Eignung sollten überall in Bayern die Chance, die ihnen der Besuch eines Gymnasiums bietet, auch in gleicher Weise nutzen. Fehlentwicklungen der letzten Jahre müssen hier behoben werden!“

150 Jahre bpv – Aus Tradition für Qualität!

Der Bayerische Philologenverband feiert dieses Jahr sein 150jähriges Bestehen. Am Datum seiner Gründung vor eineinhalb Jahrhunderten am 20. Dezember veranstaltet er dazu einen Festakt in Schloss Nymphenburg. Im Jubiläumsjahr wird besonders deutlich, dass der Qualitätsanspruch des bayerischen Gymnasiums sich aus seiner Geschichte ableitet und eine lange Tradition hat, die für die Zukunft verpflichtet.

Seit dem 19. Jahrhundert war diese große Erfolgsgeschichte der Schulart Gymnasium geprägt durch ihre stetige Weiterentwicklung. „Der bpv wird nicht zuletzt auch deshalb diese weiter kritisch-konstruktiv begleiten und sich intensiv mit Zukunftsfragen wie der Veränderung von Lehren und Lernen – auch durch die Digitalisierung –, Inklusion, Migration und Demografie beschäftigen,“ kündigt Schmidt an.