LÄNDERÜBERGREIFENDES ABITUR MIT BEDACHT ANGEHEN

Max Schmidt: „Nach der Ladehemmung jetzt kein Schuss ins Blaue!“

„Zwiespältig“ sieht der Vorsitzende des Bayerischen Philologenverbandes (bpv) Max Schmidt die heute mit einem konkreten Fahrplan versehene Ankündigung des Bayerischen Kultusministeriums, schon bald länderübergreifende Abiturteile in die gymnasialen Abschlussprüfungen einzubauen. In einer ersten Stellungnahme äußerte Schmidt: „Der Philologenverband war immer offen gegenüber länderübergreifenden Initiativen, die die Qualität und Vergleichbarkeit und damit letztlich die Gerechtigkeit in den Abituranforderungen und –prüfungen steigern. Bayern braucht den damit verbundenen Qualitätsvergleich beileibe nicht zu fürchten. Der nun vom Freistaat mit fünf anderen Bundesländern erneut gestartete Versuch, mehr Gemeinsamkeit auf der Basis der bundeseinheitlichen Bildungsstandards bei dieser wichtigen Abschlussprüfung herzustellen, ist daher grundsätzlich begrüßenswert. Gleichwohl werfen die bekannt gewordenen Absichten der sechs Bundesländer eine Reihe von Fragen auf, die mit Bedacht angegangen werden sollten, weil sie einer sauberen Regelung bedürfen. - Auf die Ladehemmung darf jetzt kein Schuss ins Blaue folgen!“

Nachdem die 2008 gestartete Initiative von damals vier Bundesländern zu einem gemeinsamen ‚Südabitur’ im Sande verlaufen ist, sollte man bei diesem für viele Beobachter überraschend kommenden neuen Anlauf unbedingt genau auf die sinnvolle Umsetzbarkeit in der schulischen Praxis achten.

bpv für Pools mit normierten Aufgabenstellungen statt identischer Formulierungen

Der Philologenverband tritt daher dafür ein, dass das Streben nach einem länderübergreifenden Abitur resp. Abiturteilen nicht zu zeitgleich in Nord- und Süddeutschland abzuhaltenden Prüfungen führt. Dagegen sprechen sowohl organisatorische Schwierigkeiten wie auch Probleme bei der Gleichbehandlung.

Die unterschiedliche Terminierung der Ferien sowie eine von Land zu Land differierende Verteilung des Stoffs in den Lehrplänen lassen allenfalls Pools mit normierten Aufgabenstellungen zum Einbau in Schulaufgaben zur Vorbereitung auf die Abiturprüfungen in den verschiedenen Fächern als sinnvoll erscheinen. Ähnliches gilt für wortgleiche Aufgabenteile bei den Abiturprüfungen: Die Erfahrungen bei internationalen Vergleichstests haben gezeigt, dass die Vergleichbarkeit und Gleichwertigkeit von Aufgaben(teilen) nicht einzig über identische Formulierungen, sondern sehr wohl auch mit unterschiedlich formulierten Aufgabenstellungen erreicht werden kann!

Die vorgesehenen zeit- und inhaltsgleichen Übungsklausuren bedeuten sowohl für die Schüler wie die Lehrkräfte zusätzliche Mehrbelastungen, die gerade in der wichtigen und besonders herausfordernden Phase der allgemeinen Abiturvorbereitung vermieden werden sollten.

Abschließend bekräftigte Schmidt seine Forderung, das Unterfangen zunächst bis zum Ende und in all seinen Facetten zu durchdenken: „Ansonsten erwächst womöglich noch aus dem Bestreben nach mehr Gerechtigkeit das genaue Gegenteil!“


Für den Inhalt verantwortlich: Peter Missy, Bayer. Philologenverband, E-Mail: bpv@bpv.de, Tel. 089-746163-0