KERNFÄCHER STÄRKEN, BRÜCKENJAHR EINFÜHREN

Antworten des Bayerischen Philologenverbands auf die diesjährige Abiturprüfung

Die bayerischen G8-Abiturprüfungen sorgen wieder für Diskussionen: Auch wenn noch keine offiziellen Zahlen bekannt sind und manche Gymnasien schon ‚Alles im grünen Bereich!’ gemeldet haben, so ist nicht zu leugnen: Im zweiten G8-Jahrgang gibt es neben außergewöhnlich vielen Schülern, die einen Einser-Schnitt hinbekommen haben, wieder ungewohnt viele Abiturienten, die nach schlechten Ergebnissen in den schriftlichen Prüfungen in mündlichen Zusatzprüfungen um das Bestehen des Abiturs kämpfen mussten. Hierzu erklärte der Vorsitzende des Bayerischen Philologenverbands (bpv) Max Schmidt: „Diese Prüfungen bedeuten vor allem für die Schüler einen großen Stress; Zusatzstress, der nicht sein müsste und sollte, wenn sich die Politik zu zwei Änderungen am G8 durchringen könnte:

  • 1. Die meisten Probleme scheint es in Deutsch und Mathematik gegeben zu haben. Sie sind im G8 obligatorische Prüfungsfächer. Die jetzt auftretenden Schwierigkeiten hängen damit zusammen, dass diese wichtigen Abiturfächer durch die Verkürzung des Gymnasiums Stunden eingebüßt haben: In den auf die Oberstufe vorbereitenden Jahren müssen sie sich teilweise mit 3 Wochenstunden begnügen. Das ist ebenso dürftig wie folgenreich: Es ist zu wenig Zeit zum Üben, zum Wiederholen, zum Verstehen. Die Forderung lautet daher: Deutsch und Mathematik müssen durchgängig, also von Klasse 5 bis 12, zumindest 4-stündig unterrichtet werden. Nur über Stoffkürzungen nachzudenken wäre der falsche Weg!
  • 2. Das G8 stellt – mehr noch als das neunjährige Gymnasium - hohe Ansprüche an die Schüler. Ein Teil der Schüler kommt damit gut zurecht, andere kommen – nicht erst im Abitur – ins Schlingern. Besonders für letztere könnte sich die Umsetzung eines vom Philologenverband vorgeschlagenen ‚Brückenjahres’ als Segen erweisen: Ähnlich wie die Intensivierungsstunden sollten am Ende der Mittelstufe verschiedene schulische Angebote fester Bestandteil des Gymnasiums sein. Diese sollen schülerorientiert je nach individueller Bedarfs- und Förderlage gestaltbar sein, sie sind nicht obligatorisch gedacht und damit nicht von allen Schülern wahrzunehmen. Für manche Schüler könnte das heißen, ein zusätzliches Jahr als ‚Brückenjahr‘ in Anspruch nehmen zu können, ohne dass dieses als Wiederholung zählte. Eine solche flexible Vernetzung von Mittel- und Oberstufe würde viele Spielräume für ein Mehr an Förderung schaffen; Spielräume, um ganz gezielt auf die persönlichen Bedürfnisse je nach dem Entwicklungsstand von Schülerinnen und Schülern einzugehen, um Kompetenzen zu stärken und Wissen zu festigen. Das ‚Brückenjahr’ wäre eine pädagogische Antwort auf die Herausforderungen des achtjährigen Gymnasiums und würde Schülern helfen, den Anforderungen dieser Schulart besser gerecht werden zu können. Dass diese Verbesserungen nur mit mehr Lehrkräften machbar sind, ist klar. Ein unüberwindliches Hindernis sollte das aber nicht sein: Nach Jahren des Lehrermangels sind die Wartelisten mit jungen Kollegen, die auf ihren Einsatz an unseren Schulen warten, inzwischen wieder gut gefüllt.“