DIE BEDEUTUNG VON ZIFFERNNOTEN STEIGT

Am Dienstag ist Zeugnistag:

Die Bedeutung von Ziffernnoten steigt – aber sie dürfen nicht als Urteil über die Persönlichkeit von Schülern missverstanden werden

Entgegen manch scharfer Kritik an Ziffernnoten in Zeugnissen kommt diesen nach Beobachtung des Vorsitzenden des Bayerischen Philologenverbandes (bpv) Max Schmidt eine wachsende Bedeutung zu. Einen Tag vor der Zeugnisvergabe zum Schuljahresende in Bayern sagte Schmidt, dessen Verband zigtausende Lehrkräfte vornehmlich an Gymnasien und beruflichen Oberschulen vertritt: „Die ungebrochen breite Akzeptanz von Ziffernnoten in Zeugnissen durch Schüler, Eltern und Lehrer hat ihren guten Grund: Sie geben kurze, prägnante Rückmeldungen über den aktuellen Lern- und Leistungsstand eines Schülers. Ihre Bedeutung wächst angesichts eines in allen Schularten steigenden Anteils von Schülern mit Migrationshintergrund stetig weiter. Denn Noten versteht auch ohne differenzierte Deutschkenntnisse jeder, lange Worturteile nicht.“ Als Lehrer beobachte er immer wieder: Anders als Ziffernnoten sind Worturteile viel anfälliger für Fehlinterpretationen, und zwar in jede Richtung: „Manche Kinder und Eltern reden sich Formulierungen schön, andere bekommen grundlos einen Schrecken.“ Gerade Eltern, die Deutsch nicht sicher beherrschten, könnten mit Formulierungen wie „behandelter Zahlenraum“ oder „ausgeprägtes Rhythmusgefühl“ nur wenig anfangen. - Berichte von Grundschullehrkräften, die sich große Mühe mit ausführlichen Wortgutachten machten, um dann ernüchtert feststellen zu müssen, dass man mit dieser Form der Rückmeldungen Schüler und Eltern nicht erreiche, könne er sehr gut nachvollziehen.

Noten spiegeln den Leistungsstand wider, nicht aber den Wert des Menschen

Gleichzeitig warnte der bpv-Vorsitzende allerdings auch, die Aussagekraft von Noten überzustrapazieren: „Noten beruhen primär auf den tatsächlich erbrachten Leistungen. Ihre Aussagekraft bestätigt sich sogar über die Schulzeit hinaus. All das ist wissenschaftlich bestätigt. Lehrerinnen und Lehrer aller Schularten vergeben Noten mit großer pädagogischer Verantwortung, oft nach reiflicher Überlegung und keineswegs nach Gutdünken.

Schülern und Eltern sollte dennoch immer auch klar sein: Noten vermögen kein allumfassendes und erst recht kein abschließendes Bild über einen Schüler zu zeichnen. Sie sind kein Werturteil über die Persönlichkeit eines Heranwachsenden und ein Einser-Schüler ist im Vergleich zu einem Fünfer-Kandidaten nicht der bessere oder wertvollere Mensch.“ – Dies solle man sich als Eltern gerade dann bewusst machen, wenn die ein oder andere Note nicht wunschgemäß ausfalle. Das Wichtigste in den kommenden Wochen, so Schmidt abschließend, sei „die Erholung nach einem langen und anstrengenden Schuljahr. In diesem Sinne wünsche ich allen Schülern, Eltern und den Kolleginnen und Kollegen von allen Schularten schöne Sommerferien!“

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Peter Missy, Bayerischer Philologenverband, E-Mail: bpv@bpv.de, Tel. 089-7461630