WATTE-ABI STATT MATHE-ABI?

Philologenverband gegen substanzielle Abstriche in Oberstufe und Abiturprüfung

„Mit ihrer Politik, bayerischen Gymnasiasten jedes Hindernis auf dem Weg zum Abitur aus dem Weg räumen zu wollen, tut die Landes-Eltern-Vereinigung der Gymnasien in Bayern (LEV) unseren Schülern keinen Gefallen.“ Mit diesen Worten wandte sich der Vorsitzende des Bayerischen Philologenverbandes (bpv) Max Schmidt gegen Forderungen der LEV-Führung nach nochmaligen substanziellen Kürzungen in der Oberstufe des achtjährigen Gymnasiums. Auf den Widerstand des Verbandes der Lehrkräfte an Gymnasien und beruflichen Oberschulen stoßen insbesondere die Versuche der LEV, das Fach Mathematik aus dem Kanon der verpflichtenden Abiturfächer herauszukegeln. Schmidt, der seit vielen Jahren Mathematiklehrer und Oberstufenkoordinator ist, kann in der Aufnahme dieses Faches in den Kreis der schriftlichen Abiturfächer keine unbillige Härte erblicken: „60 Prozent der Abiturienten haben bislang freiwillig in Mathematik ihr Abitur abgelegt. Das zeigt, dass Mathematik nicht das Horrorfach ist, als das es dargestellt wird. Das belegen auch die erreichten Noten. Ich bin mir sehr sicher, dass dieses Fach auch zukünftigen Abiturienten nicht massenhaft das Genick brechen wird. Im Hinblick auf die Anforderungen in Studium und Beruf wäre ein Verzicht auf Mathematik in der Abiturprüfung ein geradezu sträflicher Rückschritt.“

Bayern würde sich damit auch aus dem Kreis der anderen führenden PISA-Bundesländer Baden-Württemberg und Sachsen verabschieden, die dieses Schlüsselfach zu einem selbstverständlichen Teil der Abiturprüfung gemacht haben. Ein gemeinsames Süd-Abitur mit diesen Bundesländern, wie von der Landes-Eltern-Vereinigung angestrebt, wäre beim Ausscheren Bayerns ebenfalls nicht mehr möglich.

Bayern-Abitur bundesweites Vorbild – gegen inhaltliche und methodische Verengung
Nichts abgewinnen können Bayerns Gymnasiallehrkräfte auch Forderungen nach einer inhaltlichen und methodischen Beschneidung des Unterrichts- und Prüfungsprogramms in Oberstufe und Abitur: „Das bayerische Abitur zeichnet sich traditionell dadurch aus, dass nicht einfach nur ein eng begrenzter Wissensfundus abgefragt wird. Ganz wichtig ist immer, dass die Schüler erworbene Kompetenzen übertragen und anwenden können. Dies ist ein besonders fortschrittlicher und zeitgemäßer Ansatz, mit dem unsere Schüler jahrzehntelang gut gefahren sind. Inzwischen wird diese Kompetenzorientierung auch von der Kultusministerkonferenz für ganz Deutschland propagiert. Die Vorabfestlegung auf einige ausgewählte Inhalte und Fragestellungen in der Oberstufe und im Abitur wäre vor dem Hintergrund der folgenden Anforderungen im Studium und im Berufsleben ein Rückschritt, den wir keinesfalls unterstützen können. Ein Watte-Abi mit Vollkasko-Versicherung gegen einen ‚Dreier-Schnitt’ darf es im achtjährigen Gymnasium nicht geben. Das wäre zudem eine unverantwortliche Benachteiligung der Schüler des neunjährigen Gymnasiums.“