ÜBERTRITTSVERFAHREN FÜR GRUNDSCHÜLER

FREIGABE DES ELTERNWILLENS BENACHTEILIGT KINDER AUS SOZIAL SCHWACHEN FAMILIEN

Anlässlich der heute durch Kultusminister Dr. Spaenle vorgenommenen ersten Bilanz des neuen Übertrittsverfahrens an die weiterführenden Schulen hat sich der Vorsitzende des Bayerischen Philologenverbandes (bpv) Max Schmidt gegen eine weitergehende Aufweichung der bestehenden Regelungen ausgesprochen: „Mit der Neuregelung, dass selbst Kinder mit nur zwei Mal Note ‚ausreichend’ aus dem Probeunterricht ein Gymnasium besuchen dürfen, wird das pädagogisch Verantwortbare bis zum Letzten ausgereizt. Forderungen, den Eltern unabhängig vom Leistungsstand ihres Kindes die Wahl der weiterführenden Schulart vollkommen zu überlassen, sind unsozial. In der Praxis begünstigt die Freigabe des Elternwillens Kinder aus privilegierten Elternhäusern. Denn gerade diese Elternhäuser sind es, die sich dann eher über die Grundschul-Empfehlungen hinwegsetzen. Migrantenfamilien oder sozial schwache Elternhäuser sind da oft viel zurückhaltender.“ Diese Beobachtung wird von Bildungsforschern bestätigt.

Daher lehne sein Lehrerverband die Freigabe des Elternwillens beim Übertritt klar ab. Schmidt: „Ziel des Übertrittsverfahrens muss es bleiben, die für den einzelnen Schüler und seine Fähigkeiten und Anlagen perspektivisch am besten geeignete Schulart zu finden, und zwar unabhängig von seiner sozialen oder ethnischen Herkunft.“

Forschung: „Übergangsentscheidung zuallererst eine leistungsbasierte Entscheidung“

Dieser Anspruch wird auch insgesamt gut eingelöst. Das hat der erste Verantwortliche für die deutsche PISA-Studie Prof. Dr. Jürgen Baumert erst vor wenigen Tagen wieder mit den Worten bestätigt: „Die Noten beruhen primär auf den tatsächlich erbrachten Fachleistungen. Nicht nur die Grundschulempfehlung, sondern auch die Übertrittsentscheidung selbst ist zuallererst eine leistungsbasierte Entscheidung. Das ist die wichtigste Botschaft, und sie wird häufig vergessen, wenn wir über soziale Ungerechtigkeit diskutieren.“
Im Unterschied zur Freigabe des Elternwillens hält Schmidt daher das jetzt praktizierte Verfahren, allen bayerischen Viertklässlern eine konkrete Übertrittsempfehlung mitzugeben, für eine sinnvolle Neuerung.