SELBSTSTÄNDIGKEIT AN GYMNASIEN WEIT AUSGEBAUT

"Bessere Bildung durch mehr Eigenverantwortung?!"

Podiumsdiskussion mit dem Vorsitzenden des Deutschen Philologenverbandes Heinz-Peter Meidinger und KMK-Präsident Dr. Ludwig Spaenle zum Abschluss der vbw-Tagung


„In Sachen Selbstständigkeit sind unsere Gymnasien im bayerischen und deutschlandweiten Schulartenvergleich in der Praxis weit fortgeschritten!“

Darauf weist anlässlich der heutigen Tagung und der Vorlage des Gutachtens des 'Aktionsrates Bildung' der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft zur Schulautonomie der Vorsitzende des Bayerischen Philologenverbandes (bpv) Max Schmidt hin. Die Entscheidungsspielräume, die den bayerischen Gymnasien eingeräumt werden, beinhalten eine Vielzahl von Einzelmaßnahmen. „Die Möglichkeiten zur Schwerpunktsetzung und zur eigenen Gestaltung des Schullebens sind mittlerweile so umfangreich, dass sie einen regelrechten Katalog füllen: Sie reichen von lern- und unterrichtsorganisatorischen Maßnahmen über die Leistungsbewertung bis hin zu Personalentscheidungen“, so Schmidt.

Mehr Verwaltungs- und Organisationsaufwand durch Eigenständigkeit
Viele Schulen, betonte der bpv-Vorsitzende, seien tatsächlich froh über mehr Eigenständigkeit und neue Möglichkeiten zur Schwerpunksetzung. Doch auch die Kehrseite der Medaille müsse klar benannt werden: „Mehr Entscheidungsspielräume führen stets auch zu einer deutlichen Ausweitung des Verwaltungs- und des organisatorischen Aufwands auf der Schulebene. Diesen Aufwand haben regelmäßig die Schulleitungen und die einzelnen Lehrkräfte zu übernehmen – zusätzlich zu ihren originären Aufgaben. Ein Abbau von Verwaltung und Kontrolle ist mit der ‚Selbstständigen Schule’ nämlich nicht verbunden, sie werden nur auf andere Schultern verlagert.“ Lehrkräfte berichten daher aus der Praxis, dass für die zentrale Aufgabe von Schule, guten Unterricht vorzubereiten und durchzuführen, immer weniger Zeit bleibe. - Das wird inzwischen auch durch erste wissenschaftliche Begleituntersuchungen bestätigt.

Erstes Ziel muss der Erhalt und die Steigerung von Unterrichtsqualität sein
Die Vorstellung, dass sich eine größere Autonomie von Schulen automatisch positiv auf die Bildungsqualität zum Vorteil der Schüler auswirke, bezeichnete der Chef des Gymnasiallehrerverbandes daher als „blauäugige Annahme, die durch die Praxis nicht bestätigt werden kann.“ Er fordert daher: „Die Selbstständigkeit von Schulen darf nicht als Selbstzweck betrieben werden. Sie muss mit Augenmaß und immer mit dem Ziel verfolgt werden, die Unterrichtsqualität für unsere Schülerinnen und Schüler zu erhalten und zu stärken. Das wird nicht einfach nur dadurch erreicht, indem man mehr Freiheiten und Aufgaben an die Einzelschule delegiert. Die einzelne Schule benötigt dann auch unbedingt zusätzliche personelle und finanzielle Ressourcen, um die neuen Spielräume nutzen und die damit verbundenen Erwartungen erfüllen zu können."

Völlige Freigabe von Lehrplänen und Personalauswahl „hochgefährlich“
Als „hochgefährlich“ für den Erhalt einer bayernweit gleichmäßig hohen Schulqualität bezeichnet Schmidt Forderungen, der Einzelschule die Erstellung von Lehrplänen und die Personalauswahl vollkommen zu übertragen: „Chancengerechtigkeit und Mobilität blieben auf der Strecke, wenn jede der 5.500 bayerischen Schulen sich einen eigenen Lehrplan zurechtzimmern könnte. Und auch die gleichmäßige Versorgung mit Lehrkräften in allen Landesteilen wäre nicht mehr gewährleistet, wenn sich jede Schule selbst um die Anstellung von Lehrkräften kümmern müsste. Ich will nicht, dass ländliche Kommunen wie manchenorts im Ausland mit Bauplätzen und Antrittsgeldern im Konkurrenzkampf um Lehrer buhlen müssen. Aus der Verantwortung für die Lehrpläne und die Lehrerversorgung darf der Staat nicht entlassen werden.“


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