OBERSCHULEN UNTERVERSORGT

BAYERNS BERUFLICHE OBERSCHULEN BLÜHEN UND LEIDEN

60.000. Mit diesem historischen Höchststand an Schülern in ihrer heuer 40-jährigen Geschichte rechnen die Beruflichen Oberschulen des Freistaats im kommenden Schuljahr.
Damit treten die Fachober- und Berufsoberschulen auch nach der Zahl der Schüler aus dem Schatten des Gymnasiums heraus. Ein besonders bemerkenswerter Aspekt dieser positiven Entwicklung ist, dass sich viele Schüler mit Migrationshintergrund vom Bildungsangebot dieser beiden Schularten angesprochen fühlen; ihr Anteil entspricht dem der Grundschule und ist doppelt so hoch wie am Gymnasium. Damit stellen die Beruflichen Oberschulen Bayerns nicht nur eine starke zweite Säule auf dem Weg zu einem Studium dar; sie leisten auch einen wertvollen Beitrag zur beruflichen und gesellschaftlichen Integration.

100 Prozent mehr Schüler, aber nur 65 Prozent mehr Lehrer in 15 Jahren

Die Freude über die Blüte der Beruflichen Oberstufe ist jedoch nicht ungetrübt: Legten die Schülerzahlen in den vergangenen 15 Jahren um rund 100 Prozent zu, betrug der Zuwachs an Lehrerstellen lediglich 65 Prozent. Wäre die Lehrerschaft im gleichen Maß gewachsen wie die Schülerschaft, würden jetzt fast 500 Lehrkräfte mehr an Bayerns Fachober- und Berufsoberschulen unterrichten. Das Defizit hat Folgen für den Schulalltag: Ausfallender Unterricht und der erzwungene Rückgriff auf nicht immer optimal qualifiziertes Personal machen es schwer, dem Anspruch der heterogenen Schülerschaft auf individuellere Förderung und gute Vorbereitung auf Studium und Beruf gerecht zu werden. Kein Wunder, dass sich nach zehn mageren Jahren der permanenten Unterversorgung viele Lehrer und Schüler von der Politik vernachlässigt fühlen.

„Im Bewusstsein vieler Verantwortlicher führen unsere Schularten auch 40 Jahre nach ihrer Gründung noch immer ein Mauerblümchendasein“, kritisierte Irmgard Kunzfeld, die Vorsitzende der ARGE FOSBOS, am Dienstag in München anlässlich der Jubiläumsfeier dieser Arbeitsgemeinschaft, zu der sich vor genau 25 Jahren Lehrkräfte des Gymnasial- (bpv), des Realschul- (BRLV) und des Berufsschullehrerverbandes (VLB) zusammengeschlossen hatten. Die Forderung der Lehrkräfte fasst Kunzfeld so zusammen: „Wir haben den hohen Anspruch, unseren Schüler auf dem Weg zur Hochschulreife eine qualitätsvolle und dem Gymnasium gleichwertige Alternative anbieten zu können. Auf Dauer gelingt uns das nur mit einem ganz kräftigen Plus an qualifizierten Lehrkräften. Ich appelliere an die Staatsregierung, diese Planstellen endlich zuschaffen. - Die Budgetlücke darf nicht zum Markenzeichen der Beruflichen Oberschulen werden!“