MATHEMATIKSTUDENTEN WOLLEN KEINE LEHRER WERDEN

SCHWIERIGE STELLENSITUATION ZWISCHEN MASSIVEM LEHRERMANGEL IM MINT-BEREICH UND ÜBERANGEBOT BEI SPRACHENLEHRERN

Einen eklatanten Mangel an Mathematiklehrern erwartet der Vorsitzende des Bayerischen Philologenverbands (bpv) Max Schmidt für das kommende Schuljahr. Von den 460 Anforderungen der Gymnasien nach Mathematik-Lehrkräften wird das Kultusministerium lediglich 180 erfüllen können. Trotz der 950 Einstellungen an den 309 staatlichen Gymnasien kann auch in einer Reihe weiterer Fächer der Bedarf der Schulen nicht gedeckt werden: Ausgebildete Gymnasiallehrkräfte fehlen neben Mathematik auch in Physik, Biologie, Chemie, Informatik, Latein, Religion, Wirtschaft, Sport, Kunst und Musik.

Dagegen ein völlig anderes Bild in Deutsch und den modernen Fremdsprachen: Nach dem auch in diesen Fächern jahrelang herrschenden Mangel besteht nun wieder ein großes Angebot an geeigneten Bewerbern. Vor diesem Hintergrund forderte Philologenchef Schmidt, Fehler der Vergangenheit nicht zu wiederholen: „Die Staatsregierung sollte nicht einfach nur den unabweisbaren Ersatzbedarf in diesen Fächern einstellen. Durch die Einstellung zusätzlicher Kollegen sollte sie im Jahr des doppelten Abiturientenjahrgangs dafür sorgen, die Lernbedingungen für unsere Schüler zu verbessern und Unterrichtsausfall zu reduzieren.“

3246 Aushilfslehrkräfte an den Gymnasien, 207 an den Hauptschulen
Doch auch für den Fall zusätzlicher Einstellungen rechnet Schmidt damit, dass im kommenden Jahr wieder Aushilfslehrkräfte in erheblichem Umfang zum Einsatz kommen werden. Im Schuljahr 2008/09 (letzte verfügbare Angabe) betrug ihre Zahl an den staatlichen Gymnasien insgesamt 3246, davon waren 2459 ohne Befähigung für ein Lehramt. Aber auch andere Schularten mussten auf eine größere Zahl an befristet eingestellten Aushilfen zurückgreifen: die Realschulen auf 1206 (davon ohne Lehrbefähigung 913), die Beruflichen Oberschulen auf 546 (ohne Lehrbefähigung 376), die beruflichen Schulen auf 1469 (ohne Lehrbefähigung 1177). Die über 2.700 staatlichen Grund- und Hauptschulen mussten dagegen nur äußerst selten ungelernte Lehrkräfte bemühen: An den Grundschulen waren es 38 (von 421 befristet beschäftigten Lehrkräften) an den Hauptschulen 54 (von 207) Personen.

27 Schüler pro Gymnasialklasse, 20,5 pro Hauptschulklasse
Die unterschiedlichen Lernbedingungen für Bayerns Schüler spiegeln sich analog dazu auch in den durchschnittlichen Klassenstärken wider: Im zu Ende gehenden Schuljahr lagen sie an der Grundschule bei günstigen 22,5 und an den Hauptschulen sogar bei 20,5 Schülern. Lehrkräfte an Gymnasien mit Klassengrößen von durchschnittlich 26,8 und Realschulen mit 27,4 müssen sich dagegen im Schnitt um bis zu 7 und damit ein Drittel mehr Schüler pro Schulklasse kümmern.

Kleine Kinder = kleine Klassen, große Kinder = große Klassen?
„Auch wenn ich nicht mit einer schlagartigen Angleichung an die guten Bedingungen im Volksschulbereich rechne – diese Zahlen formulieren einen klaren Handlungsauftrag an die Staatsregierung. Der jetzige Zustand „Kleine Kinder = kleine Klassen, große Kinder = große Klassen“ darf kein Dauerzustand werden!“, forderte der Vorsitzende des Lehrerverbandes für die Gymnasien und Beruflichen Oberschulen abschließend.