KRITIK AN NEUER "STUDIE" DER BERTELSMANN-STIFTUNG

FORDERUNG NACH GESAMTSCHULSYSTEM SELBST VOM EIGENEN ZAHLENMATERIAL NICHT GEDECKT

Der Vorsitzende des Bayerischen Philologenverbandes (bpv) Max Schmidt hat der Bertelsmann-Stiftung bildungspolitische Einseitigkeit vorgeworfen: „Die neue Bertelsmann -‚Studie’ zur Zahl der Schüler ohne Hauptschulabschluss ist in meinen Augen nur ein Vorwand dafür, erneut die Trommel für die Zusammenlegung von Schularten und damit für ihr Lieblingskind Gesamtschule zu rühren.“ Es überrasche ihn daher nicht, dass die Stiftung schon wieder den eingefleischten Gesamtschulbefürworter Prof. Dr. Klaus Klemm mit der Erstellung dieser Studie beauftragt habe.

Am wenigsten Schüler ohne Hauptschulabschluss in Bayern und Baden-Württemberg

Schaut man sich das nackte Zahlenmaterial der ‚Studie’ der Bertelsmann-Stiftung kritischer an, löst sich deren Forderung nach der Zusammenlegung von Schularten zu einem Gesamtschulsystem in Luft auf: Ausgerechnet in den Bundesländern Baden-Württemberg und Bayern mit ihren klar gegliederten Schulsystemen ist der Anteil der Jugendlichen ohne Hauptschulabschluss mit 5,6 und 6,5 Prozent am geringsten. „Das ist ein Argument für die Stärkung der Hauptschule und nicht für ihre Abschaffung bzw. die Zusammenlegung von Schularten“, sagte Schmidt. Deutschlands führender Hauptschul-Experte Prof. Achim Leschinsky sieht dies genauso. Unter Berufung auf weitere wissenschaftliche Befunde weist er darauf hin, „dass stärker als die angestrebte Angleichung und Vereinigung mit der Realschule eigentlich eine Verbesserung des Hauptschulunterrichts und die gezielte Förderung schwacher Schüler erforderlich sind“, deren Probleme verschwänden schließlich nicht dadurch, dass man ihre Schulart abschaffe. Auch vor diesem Hintergrund sei der bayerische Weg, so Schmidt abschließend, nur zu unterstützen, die Hauptschule durch die Umwandlung in Mittelschulen zu stärken.