KEINE EINHEITSSCHULE À LA SPD

NICHTS ALS ENTTÄUSCHUNG UND UNGERECHTIGKEIT DURCH EINHEITSSCHULE À LA SPD

Max Schmidt: “Eine einzige Schulart wird nie der Vielfalt der Begabungen und Bedürfnisse unserer Kinder gerecht“

„Eine Einheitsschule à la SPD bis zur zehnten Klasse führt nur zu massenhafter Ungerechtigkeit und zu Enttäuschungen. Denn Kinder sind zu unterschiedlich, als dass ein einziger Schultypus ihren verschiedenen Anlagen und Bedürfnissen auch nur ansatzweise gerecht werden könnte“, lehnt der Vorsitzende des Bayerischen Philologenverbandes (bpv) Max Schmidt die Forderung der bayerischen SPD kategorisch ab, in Bayern ausschließlich auf Gesamtschulen zu setzen. Die Umsetzung dieser Forderung hätte übrigens zur Konsequenz, dass die in Bayern besonders erfolgreich arbeitenden Schularten Gymnasium, Realschule und Hauptschule vom Erdboden verschwinden. „Der SPD-Vorstoß für die Gesamtschule gleicht dem Versuch, VW, Audi, BMW und Mercedes zu verbieten und die Produktion des Trabi wieder aufzunehmen. Rational ist eine solche Haltung angesichts des vielfach erwiesenen Versagens der Gesamtschule nicht erklärbar“, kritisierte der Vorsitzende des Lehrerverbandes.

Bildungsforschung: Keine Chancengleichheit durch gleiche Schule für alle Kinder

In etlichen Studien wie BIJU, LAU und anderen wurde wissenschaftlich glasklar festgestellt: An Gesamtschulen hinken die Leistungen der Schüler nicht nur um rund zwei Jahre hinterher; auch das soziale Lernen und der Ausgleich sozialer Disparitäten gelingen entgegen den Erwartungen und Versprechungen von Gesamtschulbefürwortern kaum. Deutsche Gesamtschulen bleiben in ihren Integrationsleistungen hinter den Schularten des gegliederten Schulsystems zurück. Aus dem Chor deutscher Schulforscher seien nur zwei Stimmen herausgegriffen, die vor den hochfliegenden Versprechungen in die Einführung eines Gesamtschulsystems warnen: So äußerte sich mit Prof. Dr. Heinz-Elmar Tenorth der führende deutsche Bildungshistoriker, es sei „nur eine hübsche Annahme, dass mit der gleichen Schule auch die gleichen Chancen für alle geschaffen werden. Aber das ist leider falsch!“ Eine ähnlich ernüchterte wie ernüchternde Bilanz über die Möglichkeiten einer längeren gemeinsamen Schulzeit zieht u.a. der Bildungsforscher Prof. Dr. Helmut Fend. Als Resultat seiner Langzeitstudie über mehrere Jahrzehnte mit über 1500 Teilnehmern sagt er: „Die Gesamtschule schafft unterm Strich nicht mehr Bildungsgerechtigkeit als die Schulen des gegliederten Schulsystems – entgegen ihrem Anspruch und entgegen den Hoffnungen vieler Schulreformer“.

Nur behutsame Reformen erfolgversprechend – bpv mit eigenem Modell

Statt für den Abschuss eines erfolgreich arbeitenden Schulsystems plädiert der Vorsitzende des Lehrerverbandes für die Gymnasien und die Beruflichen Oberschulen für behutsame Reformen. Bestärkt sieht sich Schmidt in dieser Haltung durch Prof. Dr. Jürgen Baumert, den ersten Verantwortlichen für die PISA-Studie in Deutschland. Auf die Frage nach dem Geheimnis des großen Erfolgs bayerischer Schüler bei PISA sagte er: „Bayern war mit Veränderungen der Schulstruktur zurückhaltend und hat damit einen Hauptfehler weitgehend vermeiden können: das Ausgrenzen leistungsschwacher Schüler.“ Genau eine solche Reform mit Augenmaß und Respekt vor den bestehenden Schulstrukturen ist das durch den Bayerischen Philologenverband entwickelte und im März dieses Jahres vorgestellte Modell zur flexiblen Vernetzung von Mittel- und Oberstufe des Gymnasiums HIER. „Dies ist ein realistischer Vorschlag, der unseren Schülern wirklich etwas bringt“, warb der bpv-Vorsitzende abschließend für diese Idee seines Verbandes.