GYMNASIEN STARTEN INS "JAHR DES HERKULES"

Foto: P. Missy


68.000 ABITURIENTEN UND LEHRERMANGEL - BAYERNS GYMNASIEN STARTEN INS ‚JAHR DES HERKULES’


Eine Herkules-Aufgabe sieht der Vorsitzende des Bayerischen Philologenverbandes (bpv) Max Schmidt im kommenden Schuljahr auf die Gymnasien zukommen: „Wir stehen vor der historisch einmaligen Situation, unter Bedingungen des Lehrermangels ein Schuljahr mit 68.000 Abiturienten gut zu bewältigen. Das ist eine fast schon herkulisch zu nennende Aufgabe, und zwar für alle Beteiligten.“

Abiturientenflut und Lehrerebbe
Der Flut von Abiturienten steht eine personelle Ebbe in den Lehrerzimmern entgegen: Ausgebildete Gymnasiallehrer fehlen in Physik, Biologie, Chemie, Informatik, Latein, Religion, Wirtschaft, Sport, Kunst und Musik, an den beruflichen Oberschulen fehlen überdies Deutsch-, Englisch-, Französisch- und Spanischlehrer. Besonders begehrt sind nach wie vor Mathematiklehrer: Mindestens 300 und damit durchschnittlich ein Mathelehrer pro Schule fehlen allein an den staatlichen Gymnasien. Etliche Schulleitungen stellte der Mangel bereits vor dem Start des neuen Schuljahres vor eine ernsthafte Bewährungsprobe: Sie mussten für bis zu 10 Prozent der Unterrichtsstunden ihr Lehrpersonal selbst finden.

Plädoyer für integrierte Lehrerreserve als flexibel einsetzbarer Personalpuffer
„Dass Schulen Versorgungslücken von 100 und mehr Unterrichtsstunden pro Woche eingeständig abdecken müssen, hätte sich mit der von uns schon lange geforderten integrierten Lehrerreserve vermeiden lassen“, kritisiert der Vorsitzende des Lehrerverbandes für die Gymnasien und die beruflichen Oberschulen in Bayern. Mit einer solchen Lehrerreserve als flexibel einsetzbarem Personalpuffer ließe sich auch eine stärkere individuelle Förderung der Schüler besser verwirklichen, so der bpv-Vorsitzende.

‚Günstigkeitsklausel’ für G9-Abiturienten führt zu Ungleichbehandlung
Mit einem Plus an Lehrern und Unterricht tut man unseren Schülern mehr Gutes als durch alle Erleichterungen“, sagte Schmidt mit Blick auf die jüngste Entscheidung des Kultusministers, dem letzten G9-Jahrgang mit einer sogenannten ‚Günstigkeitsklausel’ über die Hürde Abitur zu helfen. Dagegen gilt für Schüler der beruflichen Oberschulen weiterhin der bisherige strengere Modus im Abitur. Schmidt verlangte für die Schüler des letzten G9- wie des ersten G8-Jahrgangs nun Verlässlichkeit und Sicherheit wenigstens für das letzte Jahr ihrer gymnasialen Schulzeit.

Nach 7 mageren Jahren jetzt die Weichen für 7 gute Jahre stellen!
Abschließend forderte der bpv-Vorsitzende die bayerische Staatsregierung auf, die Weichen für die kommenden Schuljahre richtig zu stellen: „Sowohl Gymnasien wie berufliche Oberschulen haben einen enormen Nachholbedarf in der Personalversorgung. Nach 7 mageren Jahren des Lehrermangels wäre es jetzt an der Zeit für 7 gute Jahre! Die Voraussetzungen dafür sind denkbar günstig: Infolge des Wegfalls des neunten Gymnasialjahres und durch steigende Bewerberzahlen in manchen Fächern ließe sich die Unterrichtssituation für unsere Schüler nachhaltig verbessern. - Lehrer, Schüler und Eltern erwarten jetzt von der Staatsregierung die entsprechenden haushaltspolitischen Weichenstellungen!“