GRÖßERE FLEXIBILITÄT IN DER OBERSTUFE!

Zum heutigen Kabinettsbericht zur Weiterentwicklung des Gymnasiums:

FÖRDERUNG EINZELNER SCHÜLER AUCH DURCH GRÖßERE FLEXIBILITÄT IN DER OBERSTUFE ERMÖGLICHEN

Der Vorsitzende des Bayerischen Philologenverbandes (bpv) Max Schmidt hat an die Staatsregierung appelliert, das Modell eines ‚Brückenjahres’ in der Oberstufe in die heute verkündeten Maßnahmen zur Weiterentwicklung des achtjährigen Gymnasiums aufzunehmen. „Mit seinem Ziel, die stärkere Förderung des einzelnen Schülers in den Mittelpunkt der Weiterentwicklung unserer Schulart zu nehmen, rennt Kultusminister Dr. Spaenle bei uns Gymnasiallehrern offene Türen ein. Ich hätte mir allerdings gewünscht, dass das Kultusministerium unser Modell für ein mögliches ‚Brückenjahr’ zwischen der zehnten und elften Klasse des Gymnasiums aufgreift. Es zielt genau auf die angestrebte stärkere individuelle Förderung und würde damit geradezu perfekt zur Intention des Kultusministeriums passen“, betonte Schmidt.

Der Bayerische Philologenverband hatte als Reaktion auf die anhaltenden Diskussionen um das achtjährige Gymnasium im Frühjahr sein Konzept vorgestellt, nach dem am Ende der Mittelstufe verschiedene schulische Angebote fester Bestandteil des gymnasialen Bildungsgangs werden sollten. Diese sollen nach Vorstellung des Lehrerverbandes für die Gymnasien und Beruflichen Oberschulen schülerorientiert je nach individueller Bedarfslage geschaffen werden, müssen also nicht obligatorisch von allen Schülern wahrgenommen werden. Für einen gewissen Anteil der Schüler könnte das heißen, dass sie – ähnlich wie in der ‚flexiblen Grundschule’ - ein zusätzliches Jahr als ‚Brückenjahr’ in Anspruch nehmen könnten, ohne dass dies als Wiederholungsjahr gezählt wird. Zum erweiterten gymnasialen Angebotsspektrum könnten nach Vorstellungen der bayerischen Gymnasiallehrerschaft demnach gehören:

  • Förder- und Übungskurse in den Kernfächern, um die Oberstufenreife zu sichern bzw. schwache Leistungen in einzelnen Fächern während der erfahrungsgemäß besonders ‚pubertätsbelasteten’ Jahrgangsstufe 9 aufzuholen. Damit könnte das Wiederholen einer Jahrgangsstufe vermieden, die Quote der Schüler, die das Gymnasium ohne Abitur verlassen, gesenkt oder wenigstens ein (mittlerer) Bildungsabschluss ermöglicht werden. Besonders wertvoll wären diese Angebote auch im Hinblick auf Kinder aus sog. bildungsfernen Schichten.
  • Förderangebote für Schüler mit Migrationshintergrund zur Erhöhung der Abiturientenquote unter dieser weiter wachsenden Schülergruppe. Dies wäre auch ein konstruktiver Beitrag zur gesellschaftlichen Integration
  • Flächendeckende Zusatzangebote für besonders leistungsfähige Schülerinnen und Schüler.
  • Anschluss- und Übergangsprogramme bzw. -klassen für Schüler aus Real-, Mittel- und Wirtschaftsschulen zur Erleichterung des Übergangs auf das Gymnasium. Solche Programme böten damit eine Möglichkeit zur Erweiterung der Durchlässigkeit innerhalb des Bildungssystems. Damit einher geht die bessere Vernetzung mit den Nachbarschulen vor Ort.
  • Möglichkeiten zu Auslandsaufenthalten und zu längeren Betriebspraktika sowie zur Förderung der Integration von Gastschülern aus dem Ausland. Dies stärkt die Internationalität, die Vielsprachigkeit und die globale Vernetzung bayerischer Gymnasien.
  • Die von den Schülern derzeit zusätzlich während der Unter- und Mittelstufe zu belegenden fünf Zusatzangebote könnten auch im Rahmen dieser Angebote abgedeckt werden.

„Solche Zusatzangebote lassen sich flexibel einrichten. Sie haben den entscheidenden Vorteil, dass sie in die bestehende Struktur des achtjährigen Gymnasiums gut integriert werden können. Die Voraussetzungen für einen Start zum Schuljahresbeginn 2011/12 sind günstig: Mit dem Wegfall des neunjährigen Gymnasiums werden die erforderlichen Lehrkräfte frei; sie müssen nicht extra eingestellt werden“, betonte der bpv-Vorsitzende abschließend

BR-online: Neues vom Ministerrat