BPV ZUM SO GENANNTEN BILDUNGSSTREIK

Philologenverband anlässlich des so genannten Bildungsstreiks am Freitag:
TROTZ VERSTÄNDNIS FÜR SORGEN DER SCHÜLER UND ELTERN: BPV WARNT VOR SCHNELLSCHÜSSEN DER POLITIK
Stichprobenanalyse: Notenbild in der neuen G8-Oberstufe besser als im G 9


Verständnis für die Sorgen der am Freitag demonstrierenden Schülerinnen und Schüler der neuen Oberstufe äußerte der Vorsitzende des Bayerischen Philologenverbandes (bpv) Max Schmidt in München. Er betont: „Es ist nachvollziehbar, dass die Oberstufenstruktur mit einem neukonzipierten Abitur manche Befürchtungen und Ängste bei Schülern und Eltern auslöst. Tatsächlich kam es auch angesichts fehlender Erfahrungen bei der Umsetzung an einer Reihe von Gymnasien zu Stundenplänen, die eine unnötige Mehrbelastung darstellten. Insgesamt bewegt sich aber die durchschnittliche Wochenstundenverpflichtung in der Oberstufe mit 33 Stunden im bundesweit üblichen Rahmen. Weitere Änderungen im Schnellschuss-Verfahren wären kontraproduktiv. Sie würden ernsthaft die Qualität des bayerischen Abiturs in Frage stellen."

Kein Verständnis zeigte der Verbandsvorsitzende für die Terminierung von Demonstrationen während der Unterrichtszeit. Wenn man die Rückmeldungen auf der Streik-Homepage betrachtet, sehen das auch viele Schüler so. Im Übrigen verhindere dies auch, dass Lehrer an der Demonstration teilnehmen könnten, abgesehen von vom Unterricht völlig freigestellten Funktionären.

Schmidt sprach sich aber auch dafür aus, dass die verantwortlichen Schulleitungen nicht mit drakonischen Strafen reagieren sollten. Man könne so z.B. den versäumten Unterricht etwa in Form von verpflichtenden Diskussionsnachmittagen zur neuen Oberstufe auf sinnvolle Weise nachholen lassen.

Ob es allerdings sinnvoll und konsequent sei, dass der Minister auf einer Demonstration auftrete, vor deren Teilnahme sein Ministerium in mehreren Rundschreiben an die Gymnasien gewarnt habe, müsse dieser selbst entscheiden.

Letzten G 9 - Abiturientenjahrgang nicht vergessen! – Keine G8-‚Abiturgarantie’
Eine Stichprobenanalyse des bpv bei zwei Dutzend Gymnasien anlässlich der Erstellung der Halbjahreszeugnisse habe zudem ergeben, dass die Befürchtungen deutlich verschlechterter Leistungsergebnisse in der neuen Oberstufe nicht zutreffend sind. Erstmals war es in diesem Jahr nämlich möglich, die Leistungen der Q11-Schüler (G 8) mit den Leistungen der K 12-Schüler (G 9) in den Kernfächern zu vergleichen. Schmidt wörtlich: „Unsere Blitzumfrage hinsichtlich der Halbjahresergebnisse in den Abiturfächern Deutsch, Mathematik und Englisch hat eine Notendifferenz zugunsten der neuen G8-Oberstufe von etwa einem Notenpunkt ergeben (O,3 Notengrade). Das ist signifikant." Allerdings wies Schmidt darauf hin, dass dies maßgeblich auf die schülerfreundlichere 1 : 1 - Gewichtung von schriftlichen und mündlichen Leistungen zurückführen sei und nicht unbedingt auf bessere Klausurenergebnisse. Der Verbandsvorsitzende wies aber nachdrücklich darauf hin: „Anders als befürchtet, werden beim doppelten Abiturientenjahrgang 2011 voraussichtlich nicht die Abiturientinnen und Abiturienten aus dem G 8, sondern die aus dem letzten G 9 - Jahrgang eventuelle Benachteiligungen zu befürchten haben.

Sollte sich dieser Trend der bpv-Umfrage in der Erhebung durch das Kultusministerium bestätigen, muss die Konsequenz lauten: Keine Nachteile für Schüler des neunjährigen Gymnasiums durch weitere Vergünstigungen für das G8. Wir fordern die Politik auf, 2011 sicherzustellen, dass die Abi-Schnitte nicht zu weit auseinanderklaffen, da sich beide Abschlussjahrgänge zur gleichen Zeit auf Studienplätze bewerben werden. Wir erwarten von der Staatsregierung eine klare Absage gegenüber Versuchen, eine Art ‚Abiturgarantie’ für die Schüler des G8 durchzusetzen. Das beste Unterstützungsprogramm für alle Schüler des doppelten Abiturientenjahrgangs sind überschaubare Lerngruppen, die eine individuelle Förderung zulassen.“ Als Beispiel nennt Schmidt das Fach Deutsch: „Es ist ein echter Fortschritt, dass wie in anderen Bundesländern und auch in Europa üblich die Muttersprache verpflichtendes schriftliches Abiturfach wird. Nach Jahren des Lehrermangels ständen uns jetzt eigentlich auch wieder genügend qualifizierte Lehrkräfte zur Verfügung, um in der Vorbereitung schüler- und lernfreundliche Klassengrößen in diesem Fach zu bilden – der Freistaat muss sie nur einstellen!“