NOTEN WERDEN VON LEHRERN NICHT AUSGEWÜRFELT!

Philologenverband widerspricht BLLV-Chef:
„NOTEN WERDEN VON LEHRERN NICHT AUSGEWÜRFELT!“

Allgemeines Kopfschütteln unter Bayerns Lehrerschaft haben Aussagen von BLLV-Vorsitzenden Klaus Wenzel über die schulische Notengebung hervorgerufen. Dieser hatte zum Schuljahresende in einem Interview unter der Überschrift „Noten eher nebulös“ behauptet, die Notengebung erfolge „sehr subjektiv“. Zudem hatte er die „Treffsicherheit der Ziffernnoten in Abschlusszeugnissen“ angezweifelt. „Dass der Chef eines Lehrerverbandes hier der Öffentlichkeit und damit allen Eltern suggeriert, Notengebung sei ein Willkürakt, müssen die verantwortungsvoll arbeitenden Lehrkräfte in Bayern als Schlag ins Gesicht empfinden. In keinem Fach, auch nicht in Deutsch, werden Noten ausgewürfelt!“, wandte sich der Vorsitzende des Bayerischen Philologenverbandes (bpv) Max Schmidt gegen die Einlassungen des Chefs des Grund- und Hauptschullehrerverbandes.

IQB-Chef Prof. Dr. Olaf Köller: Noten sind kein Lotteriespiel
Tatsächlich existieren national wie international eine ganze Reihe neuerer wissenschaftlicher Untersuchungen über den Wert und die Aussagekraft von Ziffernnoten: Prof. Dr. Olaf Köller, der Direktor des Berliner Instituts für Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB), betont beispielsweise, man müsse „den Irrglauben aufgeben, Noten seien ein Lotteriespiel, basierten also auf der mehr oder weniger zufälligen bzw. beliebigen Zuordnung von Ziffern zu Leistungsständen. Vielmehr bildet sich in ihnen professionelles, pädagogisch verantwortungsvolles Handeln von Lehrkräften ab.“

Noten mit hohem Prognosewert für Studien- und Berufserfolg
Gerade den von Wenzel kritisierten Noten in Abschlusszeugnissen kommt nach übereinstimmender Feststellung internationaler Studien eine hohe Aussagekraft zu: So besteht auch in der Wissenschaft kein Zweifel darüber, dass etwa die Noten des Abiturzeugnisses den höchsten prognostischen Wert in Bezug auf den späteren Studienerfolg besitzen. Eine groß angelegte amerikanische Studie hatte diesen Zusammenhang zwischen schulischen Noten und Berufserfolg ebenfalls nachgewiesen. „Die Äußerungen des BLLV-Vorsitzenden“, so Schmidts Urteil, „sind einmal mehr ein Zeichen dafür, wie weit man sich als Vollzeit-Funktionär von den schulischen Realitäten entfernen kann.“