WINNENDENER AMOKLAUF

PHILOLOGENVERBAND MAHNT ZUR BESONNENHEIT NACH DEM WINNENDENER AMOKLAUF: „KONSEQUENZEN KÖNNEN ERST GEZOGEN WERDEN, WENN DIE URSACHEN KLAR SIND“

Angesichts der vielfältigen Spekulationen über die Ursachen des gestrigen Amoklaufs von Winnenden hat der Vorsitzende des Bayerischen Philologenverbandes (bpv) Max Schmidt zur abwartenden Besonnenheit aufgerufen: „Bisher haben wir nur diffuse Hinweise und Mutmaßungen. Was den Täter wirklich zu dieser Wahnsinnstat gebracht hat, wissen wir aber noch nicht. Ich halte es daher für wenig verantwortlich, bereits jetzt lautstark Konsequenzen in die eine oder andere Richtung einzufordern.“

Schulsysteme machen keine Amokläufer
Als „gleichermaßen empörend wie dumm“ bezeichnete Schmidt erste Versuche, den Amoklauf in Verbindung mit dem gegliederten Schulwesen zu bringen und zu suggerieren, in einem anderen Schulsystem wäre das nicht passiert. „Solche Hinweise blenden völlig aus, dass die beiden letzten großen Tragödien dieser Art mit 20 Toten an Schulen in Finnland geschehen sind, das bekanntermaßen ein Gesamtschulsystem besitzt“, sagte der bpv-Vorsitzende.

Fehlentwicklungen in Elternhaus und Gesellschaft schulisch nicht korrigierbar
Der bpv-Vorsitzende betonte: „Einen absoluten Schutz vor solchen Taten in und durch Schu­len wird es auch in Zukunft nicht geben, gleichgültig, wie sie organisiert sind. Die schulischen Möglichkeiten der Prävention sind begrenzt. Grundsätzlich ist für ein positives Schulklima natürlich eine ausgeprägte, auf gegenseitigem Respekt und Vertrauen beruhende Gesprächskultur hilfreich. Eine solch positive Atmosphäre ist in kleineren, überschaubaren Klassen und mit einem entsprechenden Zeitbudget zweifellos leichter aufzubauen. Aber selbst dann gilt leider die bekannte Weisheit: Auch mit größten Anstrengungen können Schulen nicht kompensieren, was in Elternhäusern und der Gesellschaft falsch läuft.“