QUALITATIVE VERSCHLECHTERUNG DER LEHRERBILDUNG

EMPFEHLUNGEN DES WTB LAUFEN AUF EINE MASSIVE QUALITATIVE VERSCHLECHTERUNG DER LEHRERBILDUNG IN BAYERN HINAUS

Heftige Kritik hat der Vorsitzende des Bayerischen Philologenverbandes (bpv) Max Schmidt an einer Reihe von Vorschlägen des wissenschaftlich-technischen Beirats der Staatsregierung (WTB) zur Reform der Lehrerbildung geübt: „Es verwundert uns schon, wie praxisfremd, aber auch wie ignorant gegenüber der modernen Unterrichtsforschung die Vorschläge des WTB in der Mehrheit ausfallen. Während beispielsweise die Coactiv-Studie von Prof. Baumert die enorme Bedeutung der fachwissenschaftlichen und der fachdidaktischen Lehrbildung für den Unterrichtserfolg herausgearbeitet hat, plant der WTB geradezu einen Kahlschlag bei der fachlichen Ausbildung der Gymnasiallehrer. Die angestrebte ‚Verschlankung des Universitätsstudiums’ ist nichts anderes als eine massive Verschlechterung der Lehrerbildung.“

Als kompletten Irrtum bezeichnete es Schmidt, wenn der WTB meine, im Fach Natur und Technik seien am Gymnasium für den Unterricht keine ausgesprochenen Fachlehrer erforderlich. Gerade in Natur und Technik sei es wichtig, dass Fachlehrer für Biologie, Chemie und Informatik die inhaltliche Grundlegung und den Anschluss an die spätere Fachdifferenzierung sicherstellten. Außerdem sei es rein schulorganisatorisch völliger Unsinn, Lehrer anzustellen, die am Gymnasium nur ein Fach in zwei Klassenstufen unterrichten könnten. Grundsätzlich erinnerte der bpv-Vorsitzende daran, dass Gymnasiallehrer die Studierfähigkeit in ihren Fächern vermitteln müssten und deshalb eine enge Anbindung an die fachwissenschaftliche Forschung brauchten. Auch in Zukunft müsse laut Schmidt gelten: „Wer Schüler auf ein vertieftes Fachstudium vorbereitet, muss selbst eines absolviert haben.“.

Die vom WTB angeregte Herauslösung der Lehrerbildung aus den Universitäten in analog der Beamtenfachhochschulen konzipierten einphasigen Bildungseinrichtungen nannte Max Schmidt einen „Rückfall in finsterste Zeiten der Bildungssteinzeit“.

Positiv reagierte der Verbandsvorsitzende auf den Vorschlag, Eignungsfeststellungs-verfahren für Abiturienten zu entwickeln, die sich für das Lehramtsstudium interessieren. „Dies ist ein Modell, das der Philologenverband schon seit Jahren anstrebt. Nur durch eine intensive Beratung und Betreuung der Lehramtsstudium-Bewerber in einem schulartspezifisch konzipierten Eignungsfeststellungsverfahren kann diesen verlässlich signalisiert werden, ob sie für den angestrebten Beruf geeignet sind oder nicht. Allerdings ist dann auch die Universität in der Bringschuld und muss diesen Lehramtsstudierenden eine qualitativ hochstehende Ausbildung bieten.“